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Nutztiere

Wann braucht die Kuh Hilfe bei der Geburt?

Nicht zu früh, nicht zu spät eingreifen: Landwirtinnen und Landwirte, die den Geburtsverlauf beim Rind aufmerksam beobachten und im entscheidenden Moment handeln, sichern das Wohl von Kuh und Kalb.

Wann braucht die Kuh Hilfe bei der Geburt?
(UFA AG)

Publiziert am

Tierklinik im Fürtli

Die Geburt eines Kalbes ist ein dynamischer Prozess, der idealerweise mit stetigem Fortschritt verläuft. Einerseits müssen sich die weichen Geburtswege öffnen, andererseits nimmt die Kraft von Kuh und Kalb mit der Zeit ab. Die genaue Beobachtung ist wichtig, um weder zu früh noch zu spät einzugreifen. Rund 30 Minuten nach dem Blasensprung sollten in der Scham die ersten Fruchtteile sichtbar sein. Bei Kühen sollte die Geburt nach etwa zwei Stunden, bei Erstgebärenden nach drei Stunden abgeschlossen sein. Bleibt der Geburtsfortschritt trotz Wehen aus oder wirkt die Kuh erschöpft, ist rasch professionelle Hilfe nötig, um Kuh und Kalb nicht zu gefährden. Grundsätzlich gilt: im Zweifelsfall immer tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Was sind Wehen?

Wehen beschreiben das rhythmische Zusammenziehen der Gebärmutter und sind von aussen nicht direkt sichtbar. Erst wenn das Kalb Druck auf das Scheidendach ausübt, setzen die gut erkennbaren Presswehen ein.

Wann eingreifen

Bei ausbleibendem Fortschritt sollte eine Untersuchung erfolgen, wobei Hygiene oberste Priorität hat. Ein fehlender Geburtsfortschritt kann auch auf eine Wehenschwäche infolge Kalziummangels hinweisen. Zuerst den Öffnungsgrad und die Gleitfähigkeit der Geburtswege beurteilen, danach Lage und Grösse des Kalbes. Die Zughilfe ist nur sinnvoll, wenn die Geburtswege vollständig geöffnet und gleitfähig sind.

Grösse des Kalbes einschätzen

Die korrekte Beurteilung der Grösse des Kalbes erfordert Wissen und Erfahrung und erfolgt mittels sogenanntem Einzugsversuch, um zu beurteilen, ob das Kalb durch den knöchernen Beckenring der Mutter passt oder nicht. Dabei wird mit den Presswehen und an den Gliedmassen des Kalbes gezogen, während die Kuh in Seitenlage liegt. Entscheidend ist, dass die Zugkraft von 10 kg nicht überschritten wird, da sonst das Risiko einer Schwergeburt deutlich steigt. Die Beurteilung der Klauengrösse ist zur Einschätzung der Grösse des Kalbes nicht geeignet. Ein Hinweis auf ein zu grosses Kalb ist, wenn während der Austreibung ein Bein oder beide Beine zurückbleiben, weil die Ellbogen am Beckeneingang hängen bleiben. Im Extremfall liegen die Klauenspitzen direkt unter dem Flotzmaul. Normalerweise liegt der Kopf des Kalbes auf beiden Vorderknien und beide Beine sind gestreckt. Ist das Kalb zu gross, sollte ein Kaiserschnitt in Betracht gezogen werden, um Geburtsverletzungen bei Kuh und Kalb zu verhindern.

Zughilfe richtig anwenden

Ist der Einzugsversuch positiv, kann das Kalb mit gleichmässiger Zughilfe entwickelt werden. Zughilfe darf nur bei liegender Kuh und während der Presswehen erfolgen. Dabei gilt: immer mit den Wehen arbeiten und nicht mehr als zwei Zentimeter pro Wehe. Kommt das Kalb in Hinterendlage und wird der Schwanzansatz sichtbar, muss es rasch und unabhängig von den Wehen entwickelt werden, da die Nabelschnur am Beckenrand abgeklemmt wird und das Kalb sonst Fruchtwasser einatmet. Zeit ist ein wichtiger Faktor bei der Geburtshilfe. Wichtig ist, die eigenen Grenzen zu kennen und im Zweifelsfall sofort Hilfe von einem Tierarzt in Anspruch zu nehmen.

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