Quer gelesen
- Saubere Planung ist zentral für einen erfolgreichen Einstieg in die Geflügelproduktion.
- Freude am Geflügel ist die wichtigste persönliche Voraussetzung.
- Frühe Klärung von Abnehmern, Standort und Rechtlichem spart wertvolle Zeit in der Umsetzung.
Interesse am Geflügel ist die wichtigste Voraussetzung für den Einstieg in diesen Betriebszweig. Wer Hühner oder Poulets nur als anonyme «Leistungsträger» sieht, wird auf Dauer weder Freude noch Erfolg haben. Geflügelbetriebe leben von täglicher Präsenz im Stall, einem guten Auge für die Tiere und der Bereitschaft, sich fachlich weiterzuentwickeln.
Geflügel ist gefragt
Die Geflügelhaltung ist in der Schweiz der drittwichtigste Nutztiersektor und stark spezialisiert: Die meisten Betriebe produzieren entweder Eier, mästen Poulets oder ziehen Junghennen auf. Typisch sind Bestände zwischen rund 2000 und 18 000 Tieren in enger Zusammenarbeit mit Vertragsorganisationen. Dank hoher Tierwohlstandards (BTS, RAUS oder Bio) und vergleichsweise kleinen Beständen können Schweizer Eier und Geflügelfleisch beim Detailhändler ein Preisniveau erzielen, das die höheren Produktionskosten trägt.
Abnehmer übernehmen Planung
Ein zentrales Plus der Geflügelproduktion ist die Vertragsproduktion. Abnehmer planen Herdenwechsel und Mengen, nehmen Eier oder Schlachtgeflügel vertraglich ab und passen die Produzentenpreise an die Produktionskosten an. Für den Betrieb bedeutet das ein relativ konstantes, gut planbares Arbeitseinkommen.
Bauprojekte brauchen Zeit
Dem gegenüber stehen hohe Investitionen in einen modernen Stall, der die Anforderungen des BTS-Standards (Aussenklimabereich) und allenfalls des RAUS- oder gar Bio-Standards (Zugang zu Weide) erfüllt. Da die Geflügelhaltung aus raumplanerischer Sicht eine bodenunabhängige Produktion darstellt, sind die Voraussetzungen für eine «Innere Aufstockung» zu erfüllen (TS- und DB-Bilanz). Weitere gesetzliche Auflagen bezüglich Luftreinhaltung (Mindestabstände zu Wohnzonen, Ammoniakemissionen), Gewässerschutz (Nährstoffbilanz) sowie Natur- und Landschaftsschutz (Standortwahl) können sich als hohe Hürden herausstellen und dafür sorgen, dass sich das Stallbauprojekt über mehrere Jahre in die Länge zieht. Eine saubere Vorbereitung des Baugesuchs, eine frühzeitige Standortevaluation und der frühzeitige Einbezug von Fachstellen und Nachbarn können das Verfahren deutlich erleichtern.
Der frühzeitige Einbezug aller Fachstellen erleichtert den Einstieg deutlich.
Planung sichert den Fortschritt
Wer einsteigen will, sollte deshalb schrittweise vorgehen: Zuerst ist zu klären, welche Produktionsrichtung (Eier, Mast, Junghennen) zur eigenen Betriebsstruktur und zur Arbeitskraftsituation passt. Parallel dazu lohnt es sich, früh den Kontakt zu potenziellen Abnehmern zu suchen, um abzuklären, ob zusätzliche Produzenten gesucht werden und welche Stallgrössen und Haltungsformen gefragt sind. Erst wenn Marktpartner, Betriebsfläche, Finanzierung und rechtliche Voraussetzungen grundsätzlich passen, lohnt sich die detaillierte Stallplanung zusammen mit einer spezialisierten Stallbaufirma. Mit einer realistischen Wirtschaftlichkeitsberechnung, einer klaren Arbeitsorganisation im Familienbetrieb, einer Beratung durch seriöse Firmen im Geflügelsektor sowie idealerweise einer Weiterbildung am Aviforum wird aus einer Idee ein tragfähiger Betriebszweig, der Freude macht und das Einkommen langfristig absichert.
Bin ich bereit für den Einstieg in die Geflügelproduktion?
1. Persönliche Voraussetzungen
- Habe ich echtes Interesse und Freude am Geflügel?
- Trägt die Familie / der Betrieb die Entscheidung mit?
- Ist die wirtschaftliche Zukunft des Betriebs langfristig gewährleistet?
- Passt die Geflügelhaltung zur bisherigen Betriebsstrategie (Arbeitskräfte, andere Tierarten)?
2. Produktionsrichtung und Markt
- Will ich Eier produzieren, Poulets mästen oder Junghennen aufziehen?
- Setze ich auf reine Vertragsproduktion, Direktvermarktung oder eine Kombination?
- Habe ich mit möglichen Abnehmern (Eierhandelsfirmen, Mastorganisationen, Aufzuchtorganisationen) gesprochen und abgeklärt, ob neue Produzenten aufgenommen werden?
- Kenne ich die geforderten Stallgrössen, Haltungsformen und Labelvorgaben (z. B. BTS, RAUS, Bio)?
3. Rechtliche Rahmenbedingungen und Bewilligungen
- Habe ich eine erste TS- und Deckungsbeitragsrechnung (KOLAS-Tool) gemacht, um die «Innere Aufstockung» zu prüfen? Brauche ich allenfalls einen Partnerbetrieb im Rahmen einer BG oder BZG, um die Voraussetzungen zu erfüllen?
- Sind die Auflagen der Höchstbestandesverordnung, der Luftreinhaltevorschriften und Gewässerschutzgesetzgebung erfüllt?
- Ist absehbar, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig wird (bei gesamtem Tierbestand über 120 GVE)?
- Habe ich das geplante Projekt mit Gemeinde, Kanton und allenfalls mit Fachpersonen für Raumplanung vorbesprochen?
4. Stall, Technik und Tierwohl
- Habe ich Offerten oder Richtpreise für einen BTS-, RAUS- oder Bio-konformen Stall eingeholt?
- Gibt es auf oder in der Nähe des Hofes geeignete Standorte, welche die Auflagen bezüglich Geruchsabständen, Gewässerschutz, Waldabständen und Naturgefahren berücksichtigen?
- Ist klar, ob eine Abluftreinigung oder andere Emissionsminderungsmassnahmen gefordert werden?
- Sind Weide- bzw. Auslaufflächen für Freiland- oder Biohaltung verfügbar und sinnvoll erschliessbar?
5. Finanzierung und Wirtschaftlichkeit
- Liegen grobe Wirtschaftlichkeitsberechnungen vor (Investitionssumme, Deckungsbeitrag, Arbeitseinkommen und Tragbarkeit)?
- Habe ich mit Bank und / oder Investitionskreditstelle über Kredit- und Fördermöglichkeiten gesprochen?
- Ist die Verschuldung für meinen Betrieb langfristig tragbar?
6. Arbeitsorganisation und Know-how
- Ist klar, wer die tägliche Stallarbeit übernimmt und wer bei Herdenwechseln (Ein- und Ausstallen) mithilft? Gibt es Vertretungen, die einspringen können?
- Habe ich Weiterbildungen eingeplant und ist die Beratung und Unterstützung der Produktion sichergestellt (z. B. durch Abnehmer, Tier- oder Futterlieferanten)?









