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Nutztiere

Leistungsfreudige Bio-Hennen

Die Familie Betschart aus Menzingen produziert schon seit über 20 Jahren Bio-Eier. Das Betriebsleiterehepaar berichtet im Artikel über ihre Erfahrungen. Nebst den 2000 Legehennen gehören auch 17 Mutterkühe mit ihren Nachkommen zum relativ tierintensiven Bio-Betrieb.

Irène und Beat Betschart im Auslauf des Legehennenstalles. Die Hühner befinden sich in der 48. Alterswoche.

Irène und Beat Betschart im Auslauf des Legehennenstalles. Die Hühner befinden sich in der 48. Alterswoche.

(Bild: Eva Studinger)

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Redaktorin, UFA-Revue

Der Betrieb von Beat und Irène Betschart liegt hoch über dem Dorf Menzingen (ZG) auf 985 m ü. M. Bereits ein Stück bevor man auf der kurvigen Strasse den Gipfel des «Chnollens» erreicht, fährt man entlang der Hühnerweide. Erst oben angekommen sieht man den Stall, da dieser hinter dem Hügel versteckt liegt. Das war nämlich die Anforderung von der Natur- und Landschaftsschutzkommission Kanton Zug, als die Familie Betschart den Bio-Legehennen-Stall im Jahr 2013 gebaut hat: dass man den Stall vom Dorf aus nicht sehen darf.

«In der Startphase braucht es eine intensive Betreuung der Legehennen.»

Beat Betschart

Biosicherheit

Die Biosicherheitsmassnahmen sind für Beat und Irène Betschart sehr wichtig, wenn jemand den Hühnerstall betritt. Selbst für die Kinder stehen im Vorraum Stiefel bereit. Die drei Töchter, die neun, elf und dreizehn Jahre alt sind, haben von klein auf gelernt, jedes Mal, wenn sie den Stall betreten, Stiefel und einen Stallmantel anzuziehen. Natürlich müssen auch Besucher ein Mänteli und Plastikstiefel überziehen. «Nur so», weiss Beat Betschart, «kann man gewährleisten, dass man keine Krankheiten in den Stall bringt.» Betscharts haben aber auch ambitionierte Ziele. Nach einem Umtrieb sollen von den 2040 eingestallten Legehennen noch mindestens 2000 Tiere ausgestallt werden. Zudem soll die Legeleistung am Ende des Umtriebs noch bei über 90 Prozent liegen. Dank dem guten Management und dem konsequenten Umsetzen der Hygienemassnahmen erreichen sie dieses Ziel bei den meisten Umtrieben.

Betriebsspiegel

Beat und Irène Betschart, Menzingen (ZG)

Kultur 17 ha LN und 6 ha Wald; 38 Hochstamm-Obstbäume

Tiere 2000 Legehennen; 17 Mutterkühe mit Kälbern

Durch die Hühner auf Bio umgestellt

Bereits seit dem Jahr 1988 hält die Familie Betschart Hühner. Zuerst in einem 500er-Stall mit Bodenhaltung. 1999 haben sie den Betrieb auf biologischen Landbau umgestellt, da sie die Möglichkeit hatten, die Eier in den Bio-Kanal zu liefern. Den Stall haben sie mit einer Voliere ausgestattet und einen Aussenklimabereich angebaut. 2013 haben sie den heutigen Stall gebaut und liefern die Eier seither an die Ei AG. Aufgrund der engen, kurvigen Zufahrtstrasse muss Beat Betschart die Eier im Winter bei schlechten Strassenverhältnissen selbst ins Tal runterbringen. Das war die Bedingung von Ei AG, dass sie den Vertrag machen konnten. Ansonsten holt der Lastwagen die Eier aber zweimal pro Woche ab. Der Betriebsleiter, der zwei Tage pro Woche auswärts arbeitet, richtet sich daher so ein, dass er im Winter an den Tagen zu Hause ist, an welchen die Eier abgeholt werden.

Wichtige Startphase

«In der Startphase muss man immer auf der Hut sein, und es benötigt eine intensive Betreuung der Legehennen», so Beat Betschart. Wichtig seien dabei die täglichen Stallrundgänge. Gerade bei den braunen Hühnern ist nämlich das Thema Bodeneier sehr präsent. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung wissen Betscharts zudem, dass es drauf ankommt, in was für einem Stallsystem die Hennen aufgezogen wurden. Bei ihrer Stalleinrichtung ist die Distanz vom Boden auf die Voliere relativ weit. Deshalb sei es wichtig, dass die Hennen in einer ähnlichen Einrichtung aufgezogen wurden, damit sie sich das Hochfliegen gewohnt sind.

«Mit Legehennen muss man, wie bei Milchkühen, 365 Tage im Jahr da sein», so Irène Betschart. Die Kontrollgänge dürfen auch am Wochenende nicht vernachlässigt werden. «Dies unterschätzen viele, denn wenn im Stall etwas nicht gut ist, muss man dies unbedingt möglichst früh bemerken.» Bei den täglichen Arbeiten im Hühnerstall können Beat und Irène auf die tatkräftige Unterstützung von Beats Mutter Agnes zählen. Beats Vater Sepp ist weniger bei den Hühnern, dafür aber im Kuhstall regelmässig anzutreffen, wo er gerne mithilft.

«Hat man Legehennen, muss man 365 Tage im Jahr da sein.»

Irène Betschart

Fütterung

Die Legehennen werden nun seit zwei Umtrieben mit UFA gefüttert. Der Wechsel hatte unter anderem persönliche Gründe. Beat und Irène Betschart ist es wichtig, dass der Fütterungsberater immer auf dem neuesten Stand ist. Ihr Berater Kevin Häfliger hat zu Hause selber einen Bio-Legehennen-Stall und hat somit eigene Praxiserfahrung.

Um die Tiere nach dem Einstallen bestens zu versorgen, wird in den ersten Wochen das Futter «Starter plus» eingesetzt, welches den Bedarf durch erhöhte Energie-, Protein- und Aminosäuregehalte auch bei noch geringer Futteraufnahme deckt. Danach wird auf das Starter-Futter gewechselt, welches den Bedarf um die Legespitze optimal abdeckt. Etwa ab der 45. Alterswoche stellen Betscharts jeweils auf das «Produ-cer»-Futter um, welches einen reduzierten Energie- und Rohproteingehalt, aber einen erhöhten Kalziumgehalt hat, um die Eischalenqualität aufrechtzuerhalten. Die Körnermischung, deren Ergänzung bei Bio-Legehennen Pflicht ist, wird am Nachmittag mit einem automatischen Körnerstreuer verabreicht. Ungefähr ab der 35. Alterswoche verabreicht Beat Betschart zudem Futterkalk für eine verbesserte Schalenqualität.

Die Datenauswertung ist für Beat Betschart ein sehr wichtiger Punkt. Bei jeder Herde macht er eine Auswertung, sodass er beispielsweise den Futterverbrauch pro Ei sieht und somit die Leistungen sowie die Kosten im Blick hat.

Mutterkühe

2016 hat die Familie Betschart die Milchviehhaltung aufgegeben und auf Mutterkühe umgestellt. Sie haben dabei den Anbindestall zu einem Laufstall umgebaut. Die meisten Mutterkühe sind eine F1-Kreuzung Braunvieh x Limousin, vier sind Original Simmentaler. Ungefähr zwei Drittel der Kälber werden als Natura-Beef mit maximal 365 Tagen verkauft. Die restlichen Kälber gehen mit maximal 180 Tagen als Natura-Veal vom Betrieb weg. Weil die Mutterkühe zu diesem Zeitpunkt immer noch genügend Milch haben, werden Zusatzkälber von Bio-Milchviehbetrieben der Re gion zugekauft.

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Die Mutterkuhkälber sind sehr zahm, da täglich jemand von Hand die Stallgänge sauber macht und sie somit den Kontakt gewohnt sind.

(Bild: Eva Studinger)

Ob die eigenen Kälber für die Beef- oder die Veal-Produktion genutzt werden, hängt unter anderem von der Saison ab. Die Beef setzen im Winter im Stall tendenziell eher zu viel Fett an, deshalb werden die Ende Jahr geborenen Kälber meist als Veal verkauft. Bei der Weidehaltung im Sommer ist es hingegen besser, Beef zu produzieren, damit sie eine genügende Fettab deckung haben. Auch kommt es natürlich auf die Kuh an. «Mit der Zeit weiss man, welche Kühe sich dafür eignen, ein fremdes Kalb anzunehmen und welche nicht», so Beat Betschart. 

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