Social Distancing bei Mastkälber soll Antibiotikaeinsatz reduzieren

Forschende der Universität Bern haben eine Kälbermastkonzept entwickelt, dass den Antibiotikaeinsatz drastisch reduzieren soll. Ein umfassender Praxistest verlief erfolgreich.

Nach der anfänglichen Quarantäne kommen die Kälber in kleinen Gruppen zusammen und verbringen in diesen die restliche Zeit der Mast an der frischen Luft.

(Bild: NFP 72, Peter Mosimann)

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Die Schweizer Kälbermast hat in den letzten Jahren den Antibiotikaeinsatz zwar bereits reduzieren können – von einem vollständigen Verzicht auf Antibiotika ist die Branche aber noch weit entfernt. Ein Forscherteam der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern hat nun an einem Mastkonzept getüftelt, das mit weniger Antibiotika auskommen soll. Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Antimikrobielle Resistenz» sowie von IP-Suisse, vom Migros-Genossenschaftsbund und dem Bundesamt für Landwirtschaft geförderte Projekt zeigte auch im umfassenden Praxistest erfolgreiche Resultate: Mit der neu entwickelten «Freiluftkalb»-Methode habe sich der Antibiotikaeinsatz auf Versuchsbetrieben im Vergleich zum etablierten Standard des Labels IP-Suisse massiv reduzieren lassen, zudem konnte mit der Methode das Tierwohl verbessert und die Wirtschaftlichkeit auf vergleichbarem Niveau gehalten werden, schreibt der SNF.

Kälbermast_Bild Betrieb

Das «Freiluftkalb»-Konzept auf einem Versuchsbetrieb: Links die Einzeliglus für frisch angekommene Kälber, rechts zwei Gruppeniglus mit überdachtem und eingestreutem Auslauf für ältere Kälber (nach der Quarantäneperiode).

(Bild: NFP 72, Nadine Kägi)

Quarantäne für Neuankömmlinge

Besonders in den ersten Lebenswochen seien viele Tiere hohen Infektionsrisiken ausgesetzt, wird die Studienleiterin Mireille Meylan zitiert. Weil die Kälber im Transport vom Geburtshof zum Mastbetrieb mit anderen Kälbern gemischt würden und bei der Ankunft in noch grössere Gruppen kämen, würden sich Krankheitserreger oft sehr schnell verbreiten. Bei der vom Forscherteam entwickelten «Freiluftkalb»-Methode kaufen Mastbetriebe nur Kälber von Geburtshöfen zu, die in der Nähe liegen, sodass während des Transportes keine Tiere aus verschiedenen Betrieben gemischt werden. So könnten beispielsweise Lungenentzündungen, die bei der Mast häufig auftreten, unterbunden und Antibiotikabehandlungen vermieden werden, heisst es weiter.

Die ersten Wochen nach der Ankunft im Mastbetrieb sollen sich die Tiere in Einzeliglus im Freien aufhalten und werden zusätzlich gegen Lungenentzündungen geimpft. Erst nach dieser Quarantäne kommen die Masttiere in kleinen Gruppen von maximal zehn Kälbern zusammen. In diesen würden die Tiere dann die restliche Zeit ihrer durchschnittlich viermonatigen Mastdauer verbringen. Dabei bleiben sie immer im Aussenbereich, wo sie über ein Gruppeniglu und einen überdachten und eingestreuten Auslauf verfügten.

Reduzierter Antibiotikaeinsatz

Die «Freiluftkalb»-Methode wurde auf 19 Kälbermastbetrieben in den Kantonen Bern, Freiburg, Luzern, Aargau und Solothurn während je zwölf Monaten getestet. Als Vergleich dienten 19 Betriebe in derselben Region, die nach den Vorgaben von IP-Suisse produzierten. Im Praxistest zeigte sich, dass bei den «Freiluftkälbern» weniger Atemwegs- und Verdauungskrankheiten auftraten und auch der Antibiotikaeinsatz kleiner war: Während auf den Vergleichsbetrieben jedes zweite Kalb im Verlauf seines Lebens Antibiotika benötigte, waren es bei der «Freiluftkalb»-Methode nur jedes sechste.

Quelle: LID

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