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Nutztiere

Gemeinsam Ferkel produzieren

Die arbeitsteilige Ferkelproduktion bietet die Möglichkeit, sich auf einen Bereich der Schweineproduktion zu konzentrieren. Ein Deckbetrieb und ein Abferkel-Aufzuchtbetrieb werden vorgestellt und zeigen auf, welche Vorteile ihnen die Arbeitsteilung bietet.

Bei der arbeitsteiligen Ferkelproduktion findet die Aufzucht der Ferkel auf dem Abferkelbetrieb statt, bevor die Tiere dann als Jager an Mastbetriebe ve...

Bei der arbeitsteiligen Ferkelproduktion findet die Aufzucht der Ferkel auf dem Abferkelbetrieb statt, bevor die Tiere dann als Jager an Mastbetriebe verkauft werden.

(Bild: Simon Erni)

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Aktualisiert am

Praktikant Marketing UFA AG

Schweinespezialist, UFA AG

Arbeitsteilige Ferkelproduktion (AFP) ist eine wettbewerbsfähige und zukunftsorientierte Betriebsform in einem sogenannten «Ring». Ein Ring besteht meist aus einem Deck-Wartebetrieb und mehreren Abferkel-Aufzuchtbetrieben. Auf dem Deck-Wartebetrieb werden die Zuchtsauen belegt und während der Trächtigkeit gehalten. In der 16. Trächtigkeitswoche verlassen die Sauen den Deckbetrieb und werden im Abferkelbetrieb auf die anstehende Geburt vorbereitet. Nach der Säugezeit werden die Sauen wieder zurück auf den Deckbetrieb transportiert.

Die abgesetzten Ferkel verbleiben auf dem Abferkelbetrieb. Mit einem Gewicht von 23 bis 27 kg werden möglichst ausgeglichene und genetisch einheitliche Posten an die Mastbetriebe verkauft.

Chance für neuen Betriebszweig

Die AFP bietet vielen Landwirtinnen und Landwirten in verschiedenen Situationen, wie zum Beispiel bei der Aufgabe der Milchviehhaltung, Zukunftschancen. Bei einer Umstrukturierung des Betriebes eignet sich die AFP vorzüglich. Kleinere Betriebe haben mit einem Abferkelbetrieb die Chance auf eine effizientere Arbeitserledigung und die Spezialisierung auf ein Fachgebiet. Auch grössere Betriebe, welche ihre Abläufe noch mehr strukturieren möchten, eignen sich als Deck- oder Abferkelbetrieb. Bereits vorhandene Gebäude können meist kostengünstig umgebaut werden. Wollen sich Ringbetriebe weiterentwickeln, können sie vorhandene Betriebseinheiten jederzeit ausbauen beziehungsweise ergänzen, ohne nicht amortisierte Stallteile anzutasten.

Deck- und Wartebetrieb «Das Vertrauen ineinander ist gross»

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Urs Wyss (r.) mit seiner Frau Renate und Sohn Pascal.

(Bild: Simon Erni)

Der Vater von Urs Wyss baute 1999 seinen Milchviehstall in Alchenstorf zu einem Deck-Wartestall um und trat einem AFP-Ring bei. Seither ist die Familie Wyss in diesem Ring und beliefert ihre vier Abferkelbetriebe alle zwei Wochen mit hochtragenden Muttersauen. Da der Milchviehstall sowieso umgebaut werden musste und die Familie schon immer Freude an Schweinen hatte, bauten sie daraus einen Schweinestall. Beim Umbau mussten keine weiteren Gebäude erstellt werden, was den Prozess einfacher und kostengünstiger machte. «Ich mache die Transporte der Schweine zwischen mir und den Abferkelbetrieben selber. Die Betriebe sind sehr nahe, was einen grossen Vorteil für mich und die Tiere darstellt», erklärt Wyss.

Zwei dieser vier Abferkelbetriebe sind seit Anfang, also bereits 22 Jahre dabei. Somit kennt man sich gut und das Vertrauen ineinander ist gross. Auch der UFA-Berater ist schon lange dabei. «Er ist das neutrale Bindeglied für alle Betriebe im Ring und kann wichtige Entscheide treffen, wie etwa, ob eine Muttersau noch einen weiteren Zyklus bleibt oder in den Schlachthof gehen muss», so Wyss. «Durch die Einschränkung auf einen Teil der Ferkelproduktion wird jeder AFP-Landwirt Spezialist in seinem Gebiet», meint Wyss, «die Effizienz wird gesteigert und man ist rationeller mit diesen grossen Gruppen.» Wyss und seine Frau Renate sind beide gleicher Meinung bei der Frage, ob sie wieder auf die AFP wechseln würden: «Auf jeden Fall!»

Betriebsspiegel

Urs Wyss, Alchenstorf 
LN: 19,5 ha 
Ackerbau: Kartoffeln, Zuckerrüben, Karotten, Mais, Gerste, Weizen 
Tierbestand: 180 Muttersauen, 3 Eber 
Arbeitskräfte: Betriebsleiterfamilie (Betriebsleiter, Ehefrau plus zwei Söhne), Vater

Jeder ist ein Profi

Jeder AFP-Landwirt ist Spezialist in seinem Gebiet der Ferkelproduktion. Das ist von grossem Vorteil. Die Betriebsleiter müssen nicht mehr den ganzen Schweinezyklus beherrschen, sondern können sich auf einen Teilbereich fokussieren und sich in diesem weiterentwickeln. Somit kann man Arbeitsabläufe optimieren, die Effizienz steigern und den Arbeitsaufwand reduzieren. Es ergibt sich schlussendlich ein Vorteil für Mensch und Tier.

Mit einheitlicher Genetik zu höchster Qualität

Die Rasse Primera wird in den meisten AFP-Betrieben eingesetzt. Gekreuzt mit einem Endprodukteeber entsteht ein genetisch einheitliches Mastferkel, was sich positiv auf die Mast- und Schlachtleistungen der Tiere auswirkt. Die Jager wachsen weniger auseinander, was zu einer optimalen Stallauslastung im Mastbetrieb führt. Zusätzlich wird mit dieser Rasse ein überdurchschnittlicher Tageszuwachs und eine gute Futterverwertung erreicht.

Bessere Marktbedingungen

Durch die grösseren Ferkelposten partizipiert der Produzent an besseren Marktbedingungen. So können auch kleinere Betriebe von Grössenvorteilen profitieren. Da alle Betriebe eines Ringes als epidemische Einheit angesehen werden, können die Jager aller Abferkelbetriebe problemlos in dieselben Mastbetriebe direkt zugewiesen werden. Zusätzlich senkt das konsequente Rein-Raus-Verfahren den Keimdruck im Abferkel- und Jagerstall. Der jährlich aktualisierte, auf einer DB-Kalkulation basierende Produktionskostenschlüssel garantiert die gerechte Kostenverteilung zwischen Deck- und Abferkelbetrieben.

Abferkel- und Aufzuchtbetrieb  «Durch die AFP ist man flexibler»

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Ueli Strahm mit seiner Tochter Anice im Mastjagerstall.

(Bild: Simon Erni)

Ueli Strahm aus Auswil bewirtschaftet seit April 2021 einen Abferkel-Aufzuchtbetrieb in einem AFP-Ring. Er arbeitete schon vorher auf einem Deckbetrieb und kannte daher das System AFP. Als er dann die Chance hatte, selber einen Betrieb zu leiten, startete er seinen eigenen Abferkel-Aufzuchtbetrieb. «Durch die AFP ist man viel flexibler. Ich kann planen, wann ich intensive und extensive Zeiten habe, und kann so zum Beispiel auch Ferien mit meiner Familie besser vorausplanen», so Strahm. Zudem kann er durch die grösseren Einheiten die Effizienz im Betrieb steigern. «Durch das Rein-Raus-System ergibt sich ein Vorteil für den Gesundheitsstatus der Tiere und das Management im Stall», erläutert Strahm. Das Arbeiten im Ring mit den anderen Betrieben sieht er als weiteren Vorteil: «Die Zusammenarbeit mit den Betrieben im Ring funktioniert sehr gut. Der Deckbetrieb leistet ausgezeichnete Arbeit. Auch auf persönlicher Ebene haben wir es gut und es ist schön, sich ab und zu miteinander austauschen zu können.» Die Weitervermarktung der Jager über die Anicom läuft gut und die Zusammenarbeit ist angenehm. Wer auch in einen AFP-Ring einsteigen will, müsse leidenschaftlich gerne Schweine haben und mit Überzeugung hinter seiner Arbeit stehen.

Betriebsspiegel

Ueli Strahm, Auswil 
LN: 22 ha in einer ÖLN-Gemeinschaft mit der Schwester von Ueli Strahm 
Ackerbau: Urdinkel, Futterweizen, Gerste, Gras, Mais 
Tierbestand: 40 Abferkelplätze, 600 Jagerplätze 
Arbeitskräfte: Ueli Strahm plus gelegentlich Familie und Freunde

Bindeglied Berater

Ein UFA-Berater ist immer für einen ganzen Ring verantwortlich. In seiner Funk tion ist er das Bindeglied zwischen den Betrieben. Der Berater ist bei jedem Umtrieb im Stall und kann somit die Betriebsblindheit durchbrechen. Ebenfalls ist er zuständig für das Erkennen und Lösen von Problemen. Der Blick in alle Betriebe hilft ihm, den Ursprung des Problems rascher zu erkennen und daraus eine Lösungsstrategie abzuleiten. Der Sauenplaner ist bei der Arbeit des Beraters, aber auch des Landwirtes, ein stetiges Hilfsmittel und Managementinstrument. Die darin abgebildeten Leistungen von Einzeltieren schaffen die Grundlage bei der Tierselektion. Fruchtbarkeitsprobleme können rechtzeitig analysiert und entsprechende Gegenmassnahmen eingeleitet werden. Mithilfe von Auswertungen kann das Optimierungspotenzial erkannt werden. Daraus werden Massnahmen definiert, um die Wirtschaftlichkeit der produzierenden Betriebe zu verbessern. 

Dienstleistungen für AFP-Betriebe

UFA und Anicom bieten den Betrieben in der arbeitsteiligen Ferkel produktion vielfältige Unterstützung:

  • Planung, Koordination und Überwachung der Ringproduktion
  • Steuerung eines kostengerechten Abrechnungssystems
  • Effizientes Zuchtprogramm

Kontakt AFP-Verantwortliche 

  • Sursee: Guido Wanner, 079 286 84 21
  • Zollikofen: Beat Stucki, 079 653 90 48
  • Oberbüren: Kaspar Weber, 079 628 86 64

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