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Nutztiere

Futter und Wasser zum Lebensstart

In der modernen Brüterei Bibro AG in Sempach ist vieles bis ins letzte Detail optimiert. Die Bio-Brüterei ist seit Januar 2020 in Betrieb und das moderne Bebrütungssystem versorgt die Küken bereits im Schlupfbrüter mit Futter und Wasser. Dies bietet den frisch geschlüpften Küken einen guten Start ins Leben.

Die Küken haben nach dem Schlupf Wasser und Futter zur freien Verfügung.

Die Küken haben nach dem Schlupf Wasser und Futter zur freien Verfügung.

Die Küken haben nach dem Schlupf Wasser und Futter zur freien Verfügung.

(Bild: HatchTech)

Publiziert am

Aktualisiert am

Redaktorin, UFA-Revue

Die Bibro (Bio-Brüterei Oberkirch) AG wurde 2003 von der Prodavi SA und der Hosberg AG gegründet und war damals weltweit die erste Bio-Brüterei. Da der Bio-Markt in den letzten Jahren stark gewachsen ist, reichte die Kapazität für eine Produktionssteigerung am alten Standort nicht mehr aus. Zudem stand eine Renovation an. Am alten Standort in Oberkirch war ein Ausbau nicht möglich, weshalb die neue Brüterei in Sempach gebaut wurde. Die Anlagen kommen von der Firma HatchTech aus den Niederlanden. Die Vor- sowie Schlupfbrüter weisen wesentliche Unterschiede zu den herkömmlichen Systemen auf. Heute werden in der Brüterei in Sempach pro Jahr etwa eine Million Küken ausgebrütet.

Elterntierbetriebe

In der Brüterei werden hauptsächlich Legeküken der Rassen H&N Brown Nick und H&N Super Nick, aber auch Mastküken (Hubbard) ausgebrütet. Die Eier kommen von zehn Elterntierbetrieben aus der Region. Mit einem Hahn pro zehn Hennen wird sichergestellt, dass möglichst alle Eier befruchtet sind. Adrian Huber, Geschäftsführer der Bibro AG betont: «Ein gutes Brutei ist die wichtigste Grundvoraussetzung, die wir haben, damit möglichst viele Küken schlüpfen.» Dementsprechend sind die Hygieneanforderungen an die Elterntierbetriebe hoch. Zweimal pro Woche werden die Eier auf den Elterntierbetrieben abgeholt. Die Wareneingangsprüfung und die korrekte Lagerung haben einen hohen Stellenwert. Die Eier werden bei 14 bis 18 °C gelagert und müssen nach spätestens zwölf Tagen in den Vorbrüter eingelegt werden.

Die Vorbrut

Bevor die Eier in den Vorbrüter kommen, werden sie mit einem biologischen Desinfektionsmittel besprüht. «Macht man das nicht, wachsen durch die warmen Temperaturen im Brüter Keime auf dem Ei. Denn das Ei kommt aus dem Stall und ist kein steriles Produkt», erklärt Huber. Bei der Vorbrut muss die Temperatur bei 36 °C liegen. Die Eier werden im Stundentakt gewendet, sodass der Embryo nicht an der Eierschale anklebt. Beim Vorbrüter der Bibro AG können Temperatur und Luftfeuchtigkeit jederzeit sehr genau eingestellt werden. Dies hat dazu beigetragen, dass die Schlupfrate im Vergleich zum vorherigen System um ungefähr vier Prozent gestiegen ist. Bei 100 Eiern schlüpfen heute 90 Küken.

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Die Eier werden im Stundentakt gewendet, sodass der Embryo nicht an der Eierschale anklebt.

(Bild: Eva Studinger)

Wie Huber erklärt, benötigt der Brutprozess nur zu Beginn Wärmeenergie: «Bereits im Verlaufe der ersten zehn Tage beginnen die kleinen Föten selber, ausreichend Wärme zu produzieren, sodass nicht mehr geheizt werden muss.»

Der Schlupf

Nach 18 Tagen kommen die Eier vom Vorbrüter in den Schlupfbrüter. Davor werden sie durchleuchtet und diejenigen Eier ohne Embryo werden aussortiert (Schieren). Nun werden die Eier in eine zweistöckige Kiste umgelegt, in der sie später schlüpfen werden. Im oberen Teil werden die Eier so platziert, dass es pro fünf Eier eine Lücke hat, durch die die Küken nach dem Schlupf in den unteren Teil gelangen. Unten haben sie Zugang zu Wasser und Futter, frei von den Eierschalen, welche im oberen Teil verbleiben (siehe Bild).

«Die ersten Küken beginnen bereits ab dem 18. Bruttag zu schlüpfen», so Huber. Da der Schlupfbrüter beleuchtet ist und die Küken sofort Zugang zu Futter und Wasser haben, sind sie nicht gestresst und vor allem vital. Dies erkennt man daran, dass alle Küken schön in der Kiste verteilt sind (keine Haufenbildung wie bei Stress), einzelne Küken ungestört schlafen und es relativ leise ist, also kein starkes Piepsen zu hören ist. Die Legeküken fressen während der Zeit im Schlupfbrüter insgesamt ungefähr 1,5 g vom UFA Bio-Futter und die Mastküken 3 g.

«Dank Futter und Wasser ab dem Schlupf sind die Küken vitaler.»

Adrian Huber, Brüterei Bibro AG

Die Hygiene spielt in der ganzen Brüterei eine grosse Rolle. Beispielsweise muss das Betriebspersonal duschen, bevor es die Brüterei betritt. «Das Futter ist eine der wenigen Gefahrenquellen, durch die man Keime reinbringen könnte», so Huber. Das Futter muss deshalb hygienisch einwandfrei sein. Am 21. Tag kommen die geschlüpften Küken aus dem Schlupfbrüter und werden nach Geschlecht sortiert und geimpft. Bereits jedes zehnte der männlichen Küken wird durch die Gallino Bio AG platziert und als Bruderhahn gemästet. Die restlichen männlichen Küken werden mit CO 2 getötet. «Wir sind aber dran, hier eine Lösung zu finden, damit möglichst bald alle Männchen gemästet werden», so Huber.

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Im oberen Teil der Kiste befinden sich die Eier. Pro fünf Eier hat es ein Loch, durch welches die geschlüpften Küken in den unteren Teil gelangen.

(Bild: HatchTech)

Technik und Planung

Die hohen Hygieneanforderungen waren der Auslöser für einige wichtige Vorkehrungen beim Bau der Brüterei. Beispielsweise ist die Luftführung so, dass es in Räumen mit grösserer Hygiene-Anforderung einen höheren Luftdruck hat, sodass beim Öffnen der Türe die Luft entweicht und nicht allenfalls «dreckige» Luft hineingelangt. Die ganze Technik befindet sich oberhalb der Brüterei, in einem separaten Raum, sodass Handwerker nicht in die Brüterei hineinmüssen.

Der Schlupftag ist immer am Dienstag und Freitag. Das Personal, welches zum Sortieren und Impfen kommt, arbeitet gleichzeitig auch bei Prodavi, welche am Montag und Donnerstag Schlupftag hat. An den restlichen Tagen sind ein bis zwei Mitarbeitende vor Ort.

Damit am Tag X genügend Küken schlüpfen, muss die Planung schon etwa eineinhalb Jahre vorher erfolgen. Die Elterntiere müssen zuerst aufgezogen werden, bis sie Eier legen. Bei einem Herdenwechsel auf einem Elterntierbetrieb fehlen Eier, was in die Planung miteingerechnet werden muss. Weiter ist es eine Herausforderung, wenn plötzlich ein starkes Wachstum vorhanden ist, wie beispielsweise während des Corona-Lockdowns 2020.

Erstmals für Legeküken

Bisher sind es vor allem Mastbrütereien, die mit dem HatchCare System brüten. Denn für diese sind die vitaleren Küken am Schlupftag ein grosser Vorteil, da die Küken so besser wachsen. Gemäss Huber ist die Bibro AG weltweit die erste Brüterei, die das HatchCare System für die Brut von Legeküken installiert hat. Auch wenn der Effekt bei Legetieren nicht vergleichbar gross ist wie bei Mastküken, ist Huber überzeugt, den Küken dank Hatchcare einen besseren Start in ihr Leben zu gewähren. 

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