Die Blauzungenkrankheit zeigt sich beim Schaf durch Schwellungen am Kopf, Entzündungen und offene Wunden, besonders an Maul und Zunge, sowie Schwellung und Schmerzen im Klauenbereich. Betroffene Schafe speicheln stark, fressen schlecht und zeigen oft deutliche Lahmheit. In schweren Fällen kommen Lungenentzündungen und Festliegen hinzu. Bei trächtigen Schafen kann eine Infektion je nach Trächtigkeitsstadium unterschiedlich schwere Folgen haben. In frühen Stadien bleiben Tiere oft leer. In fortgeschrittener Trächtigkeit kann der Fötus stark geschädigt werden, sodass er abstirbt und es zu Aborten kommt. Überleben die Lämmer, werden diese teilweise missgebildet oder lebensschwach geboren. Widder können während der Erkrankung oft nicht mehr decken und die Spermienbildung ist eine Zeit lang gestört. Dies hat in manchen Herden zu einer Verschiebung der Lammzeit um mehrere Monate geführt, da viele Auen leer geblieben sind.
BTV-Typen
2025 waren gemäss Bundesdatenbank knapp 20 % der rund 3600 Betriebe mit nachgewiesener Blauzungenkrankheit schafhaltende Betriebe. Aktuell sind in der Schweiz die beiden Typen BTV-3 und BTV8 verbreitet. 85 % der nachgewiesenen Infektionen beim Schaf sind auf BTV-3 zurückzuführen und 15 % auf BTV-8. In den Nachbarländern wie Österreich, Italien und Frankreich ist der Typ 4 ebenfalls relevant.
Wie schadet das Virus dem Schaf?
Das Blauzungenvirus (BTV) dringt in Körperzellen ein und zwingt diese zur Vermehrung des Virus. Beim Freiwerden der neuen Viren werden die betroffenen Zellen zerstört, was wesentlich zu den Krankheitssymptomen beiträgt. Entscheidend für das Eindringen in die Zellen ist ein Bindungsprotein auf der Virusoberfläche. Je nach BTV-Typ sieht es etwas anders aus. Genau dieses Protein erkennt das Immunsystem und bildet spezifische Antikörper dagegen. Diese blockieren das Eindringen des Virus in die Zelle und verhindern so seine Schadwirkung. Diese Abwehrreaktion braucht Zeit. Der Krankheitsverlauf wird davon bestimmt, ob das Virus oder das Immunsystem die Oberhand gewinnt.
Jeder BTV-Typ braucht seine Impfung
Mit einer Impfung wird dem Immunsystem unter die Arme gegriffen. Die Impfung zeigt dem Immunsystem das Virus in Teilen oder abgetöteter Form, sodass Antikörper aufgebaut werden können, bevor das Tier überhaupt infiziert ist. Kommt es dann zur Infektion, kennt das Immunsystem den Erreger sofort und das Blauzungenvirus hat kaum Zeit, sich zu vermehren und Schaden anzurichten. Für den bestmöglichen Schutz müssen die Antikörper jedoch genau zum Typ passen. Die Antikörper gegen BTV-3 passen nicht zu den Proteinen von BTV-8 und umgekehrt. Deshalb ist es unerlässlich zu wissen, welcher BTV-Typ in einer Gegend vorkommt.
Die Impfung braucht Zeit
Neben dem passgenauen Impfstoff braucht es für eine erfolgreiche Impfung genügend Vorlaufzeit und ein funktionierendes Immunsystem. Werden geschwächte oder kranke Schafe geimpft, fällt die Immunreaktion viel geringer aus als bei gesunden Schafen. Infizieren sich geschwächte Schafe mit BTV, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie schwere Symptome zeigen, deshalb deutlich höher, auch wenn sie bereits geimpft sind.









