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Nutztiere

Viel Wärme – aber nur im Nest

Ist es dem Mutterschwein vom Klima her wohl, frieren die Ferkel. Deshalb ist ein gutes Ferkelnest wichtig. Damit die Wärmequelle im Nest aber nicht den ganzen Abferkelstall aufheizt und die Ferkel sich zum Liegen ins Nest zurückziehen, muss das passende Nest eingebaut werden.

Vor dem Umbau

Vor dem Umbau…

(Bild: Sandra Frei)

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Aktualisiert am

ehemalige Redaktorin UFA-Revue

Viele kleine Rüssel und Vorderbeine, die in Reih und Glied unter dem Vorhang des Ferkelnestes hervorgucken – das ist ein ideales Bild von Saugferkeln im Ferkelnest. Es bedeutet, dass die Ferkel sich wohl fühlen und das Klima ideal ist. Dieses Ziel hat auch Ruedi Gehri aus Sax, der vor Kurzem begonnen hat, seine alten Ferkelnester mit neuen, modernen zu ersetzen.

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… und nach dem Umbau. Jetzt liegen die Ferkel wie gewünscht.

(Bild: Sandra Frei)

Nicht den Stall heizen

Ferkel benötigen besonders in den ersten Lebenstagen und -wochen viel Wärme. Sie haben nur geringe Reserven und unterkühlen schnell. Weiter ist erwiesen, dass Ferkel Wärme zum Aufbau und Erhalt ihrer Vitalität benötigen.

Oft passiert es, dass mit den Ferkelnestern das ganze Stallabteil erwärmt wird. Dies hat jedoch mehrere Nachteile. Ist es im Stall zu warm, ziehen sich die Ferkel zum Liegen und Schlafen nicht in das Ferkelnest zurück, sondern liegen beim Mutterschwein. Besonders in den ersten Lebenstagen erhöht dies die Gefahr von erdrückten Ferkeln. Steigt die Temperatur im Stall zu stark, sinkt der Verzehr und damit die Milchleistung der Muttersauen ab. Als dritter Nachteil ist der klar erhöhte Energieverbrauch erwähnenswert. Es ergeben sich deutliche Unterschiede, wenn nur das Volumen der Ferkelnester geheizt wird, oder der gesamte Stall.

Versuch mit einem Zimmer

Dies waren auch die Gründe, weshalb sich Ruedi Gehri dafür entschieden hat, seine Abferkelzimmer umzubauen. Begonnen hat er Ende Dezember mit einem ersten Zimmer. Dabei wurden aus ehemals fünf Abferkelbuchten vier Grössere gemacht. Nebst der Grösse wurden der Festbo-den-Anteil erweitert, ein Tränkesystem für Mohre und Ferkel sowie Kipproste eingebaut – und eben auch die Ferkelnester erneuert.

Insgesamt hält Ruedi Gehri rund 90 Muttersauen und mästet mehr als die Hälfte seiner Jager selbst aus. Der Maststall fasst rund 380 Mastplätze und liegt gleich neben dem Zuchtstall. Die beiden Ställe wurden 1976 erbaut und laufend den neuen Richtlinien angepasst. Produziert wird nach konventionellen Richtlinien.

Die Muttersauen ferkeln in einem kontinuierlichen System, sprich wöchentlich, ab. Bei den alten Abferkelplätzen haben die Ferkel kein eigentliches Ferkelnest. Der Liegeplatz hat zwar einen Deckel in dem sich die Infrarot-Wärmelampe befindet, jedoch ist das Ferkelnest von zwei Seiten her offen. «Mit der Höhe der Lampe variiere ich die Temperatur für die Ferkel. Zu Beginn hängt die Lampe tief, nach und nach hebe ist sie dann an», erklärt Ruedi das alte System.

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Der Betriebsleiter Ruedi Gehri (rechts) und Hanspeter Hohl, UFA-Schweinespezialist, (links) sind sich einig: Der Umbau hat sich gelohnt.

(Bild: Sandra Frei)

Beiträge für Umrüstung

Für den Umbau der Abferkelställe hat sich der erfahrene Betriebsleiter für das System von ATX Suisse GmbH entschieden, das aktuell mit Fördergeldern von AgroCleanTech unterstützt wird. Es ist besonders energieeffizient und hat nebst isolierten Seiten, Boden und Deckel den isolierten ATX-ThermoPig Vorhang, der die Wärmeverluste deutlich senkt. Vor dem Umbau reichte Ruedi Gehri gemeinsam mit ATX Suisse das Gesuch für die Fördergelder ein und dieses wurde rasch bewilligt. So werden bei den Ferkelnestern 15 Prozent und beim Vorhang gar 40 Prozent der Kosten rückerstattet.

Aber nicht nur wegen den günstigen Konditionen hat sich der Umbau für den Ostschweizer Schweinehalter gelohnt: «Die Ferkel liegen deutlich schöner in den Nestern, Haufenbildung gibt es keine mehr. Die Temperatur wird nun mit einem Fühler genau gesteuert. Zu Beginn starten wir mit 36 °C danach wird die Temperatur alle drei Tage um ein Grad reduziert. Manuell kann ich korrigieren, wenn ich merke, dass die Ferkel zu warm oder zu kalt haben. Zum Abferkeln entferne ich jeweils den Vorhang, damit die Ferkel das Nest besser finden. Die Sauen ferkeln nun auf dem Festboden ab, dadurch sind die Ferkel schneller im Nest», schildert er. Zahlenmässige Auswirkungen betreffend Leistung und Tiergesundheit kann er noch nicht vorzeigen, gefühlt sind die Würfe in den neuen Ställen ausgeglichener und die Verluste haben abgenommen. «Um den Stromverbrauch zu beziffern, ist es definitiv noch zu früh», erläutert Ruedi Gehri lachend.

Laut vergleichbaren, laufenden Tests werden wohl bis zu 70 Prozent der Stromkosten eingespart werden können.

Bestellung gemacht

Für das Handling mit den neuen Ferkelnestern braucht Ruedi Gehri noch etwas Angewöhnungszeit: «Die Arbeit mit den Ferkeln für Impfungen und Eisengaben ist nur noch vom Gang her möglich, das war vorher anders. Aber die Vorteile des Systems überwiegen deutlich und ich muss mich nur noch ein wenig daran gewöhnen», stellt der Betriebsleiter klar. Hanspeter Hohl, UFA-Schweinespezialist, ergänzt, dass bei Ruedi Gehri die Ferkelnester aus baulichen Gründen nicht quer zur Bucht platziert werden konnten: «Bei Neubauten kann man solche Sachen berücksichtigen, bei Umbauten gelingt das nicht immer. Aber trotzdem ist bei Ruedi Gehri eine gute Lösung entstanden». Bestätigt wird das durch die Tatsache, dass die restlichen Ferkelnester bereits bestellt sind beim Stallbauer ATX Suisse GmbH. 

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