Nutztiere

Den ersten Schnitt nicht verpassen

Die Futterkosten machen den grössten Anteil an den Gesamtkosten auf dem Milchviehbetrieb aus. Entsprechend besteht auch ein grosses Optimierungspotenzial, dem oft zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Der richtige Schnittzeitpunkt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität des Futters.

(Bild: agrarfoto.com)

Publiziert am

Leiter Marketing, UFA AG

ehem. Praktikant, UFA-Marketing

Bald ist es soweit und der erste Schnitt steht an. Dieser ist sowohl qualitativ als auch quantitativ der wichtigste Schnitt. Entsprechend gilt es, alles daranzusetzen, dass die bestmögliche Qualität generiert und die Basis für eine hohe Grundfutterleistung gelegt wird.

Bedeutung der Grundfutterqualität

Qualitatives Grundfutter ist schmackhafter und weist höhere Nährwerte auf. Dank der Schmackhaftigkeit des Futters fressen die Tiere deutlich mehr, zudem hat das aufgenommene Futter eine höhere Nährstoffdichte. Dadurch kann die Kuh mehr Milch aus dem Grundfutter produzieren und die Produktionskosten werden gesenkt. Dies zeigt eindrücklich, dass qualitativ gutes Grundfutter die Basis für eine wirtschaftliche Milchproduktion ist.

Futterkosten

Obschon die Futterkosten je nach Betrieb sehr unterschiedlich sind, machen sie den Grossteil an den Gesamtkosten aus. Auch bei unterschiedlichen Rahmenbedingungen hat jeder Betrieb Möglichkeiten, die Futterkosten zu beeinflussen. Leider sind die Grundfutterkosten meist unbekannt.

Gemäss einer Studie an der Hochschule für Agrar-, Forst-, und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) zeigen Berechnungen der vergangenen Jahre, dass die Grundfutterkosten oft unterschätzt werden. Die Kosten von Grassilage, Dürrfutter und Maissilage pro 100 kg Trockensubstanz (TS) liegen im Bereich zwischen 35 bis 50 Franken und können sich von Betrieb zu Betrieb stark unterscheiden. Grundfutter sind, wenn die Nährstoffkonzentration mitberücksichtigt wird, teilweise sogar teurer als das Ergänzungsfutter. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Grundfutterkosten zu kennen, um die Fütterung bestmöglich zu optimieren und die Basis für eine wirtschaftliche Milchproduktion zu legen.

Leistung aus dem Grundfutter
Die Auswertung der 376 UFA Herd Support- (UHS-) Betriebe verdeutlicht das enorme Potenzial des Grundfutters. Die besten Betriebe melken über 8000 kg Milch alleine aus dem Grundfutter. Dies bedingt neben der entsprechenden Genetik und dem Management eine einwandfreie Grundfutterqualität und eine bestens abgestimmte Fütterung. Dazu muss die Grundfutterqualität anhand von Raufutter-Analysen bestimmt werden, um diese aufgrund der Fermentationsparameter
nach W-FOS auszugleichen. Ohne gezielte Ergänzung sind diese Grundfutterleistungen nicht möglich. Die durchschnittliche Grundfutterleistung bei den UHS-Betrieben lag 2020 bei über 6900 kg Milch. Dies verdeutlicht einerseits das Potenzial des Grundfutters, zeigt andererseits auch die Spannweite zwischen den Betrieben auf.

Idealer Nutzungszeitpunkt des ersten Schnitts

Der erste Schnitt ist mit Abstand der bedeutendste, weshalb die richtige Nutzung sehr wichtig ist. Es ist stets ein Abwägen zwischen der Menge und des Nährstoffgehaltes des Futters. Tendenziell wird der erste Schnitt zu spät geerntet. Dabei sind die Qualitätseinbussen bei einem verspäteten Schnitt sehr hoch. Die Raufutter-Analysen des ersten Schnitts verdeutlichen die Qualitätsunterschiede. Ein Stadium später mähen, entspricht dem Qualitätsverlust von einem Tag Regen, wenn das angewelkte Gras auf dem Feld liegt. Dies zeigt, dass eine frühe Erntegelegenheit trotz einem eventuell grösseren Wetterrisiko und geringerer Erntemenge genutzt werden sollte.

Der Wiesenbestand sollte dem Standort angepasst und dicht sein.

Um den richtigen Erntezeitpunkt zu treffen, benötigt es regelmässige Besichtigungen der Wiesen. Gerade beim ersten Aufwuchs ist das Zeitfenster der optimalen Nutzung kürzer als bei den folgenden. Damit der optimale Schnittzeitpunkt nicht verpasst wird, muss das Stadium der Bestände bekannt sein. Als erster Schritt müssen die am häufigsten vorkommenden Gräser als Leitgräser bestimmt werden. In tieferen Lagen ist dies meist Knaulgras oder Raigras, in den höheren Lagen häufig Timothe oder Goldhafer. Als zweiter Schritt ist das Stadium zu bestimmen. Die optimale Ernte ist während des dritten Stadiums bei Beginn des Rispenschiebens, da das Verhältnis zwischen Masse und Gehalt am besten ist (siehe Grafik). Wenn rund 50 Prozent der Leitgräser mit dem Rispenschieben begonnen haben, befinden sich die Gräser im dritten Stadium. Folglich sollte in der nächsten Schönwetterperiode die Ernte geplant werden.

Nach dem Ähren-/Rispenschieben lagern die Pflanzen Zellulose und Lignin in die Zellwände ein. Dies, damit die Pflanzen stabiler werden und die Ähre tragen können. Dadurch verschlechtert sich die Verdaulichkeit der vorhandenen Nährstoffe.

Der erste Schnitt ist der bedeutendste.

Verluste minimieren

Damit die Verluste bei der Ernte möglichst gering sind, ist es wichtig, dass die Maschinen richtig eingestellt werden und das Konservieren sorgfältig erledigt wird. Beim Mähwerk ist eine Schnitthöhe von sieben bis neun Zentimeter ideal. So bleibt der Vegetationskegel erhalten und die Wiese wächst schneller nach. Zudem darf das Futter nicht übermässig bearbeitet werden, denn jeder Arbeitsschritt verursacht Futterverluste und Kosten. Um Bröckelverluste zu verringern, ist es gerade beim Zetten wesentlich, dass nur so viele Überfahrten wie nötig gemacht werden und die Maschine bezüglich der Tiefe und der Drehzahl richtig eingestellt ist.

Auch beim Konservieren entstehen Verluste, die es zu minimieren gilt. Bei der Dürrfutterproduktion sind dies hauptsächlich die Bröckelverluste. Je höher der TS-Gehalt des Futters ist, umso höher sind diese Verluste. Mit einer Heubelüftung kann das Futter mit einem tieferen TS-Gehalt eingelagert werden, um die Bröckelverluste zu verringern.

Bei der Silage entstehen die meisten Verluste beim Konservieren. Hier gilt es, den Luftzutritt zu vermeiden, damit sich keine Schimmelpilze und Hefen bilden können. Damit die Silage gut verdichtet werden kann, ist eine Häcksellänge zwischen zwei bis vier Zentimeter erstrebenswert. Hier gilt: Je trockener und älter das Futter bei der Ernte, desto kürzer die Schnittlänge. So kann die Silage gut verdichtet werden. Bei ungünstigen Silierbedingungen wie beispielsweise verschmutztes Futter, TS-Gehalt von unter 30 Prozent, kleereicher Bestand oder Temperaturen unter 9 °C ist es ratsam, die Konservierung mit einem Siliermittel zu unterstützen.

Wann passt der erste Schnitt?

Ähnlich wie bei der Maissilage gibt die Temperatursumme Hinweise für den optimalen Zeitpunkt des ersten Schnitts. Anhand der wöchentlichen Überwachung der Klimadaten, kann die Wärmesumme der verschiedenen Wetterstationen ein gesehen werden. Beginn Rispenschieben entspricht einer Wärmesumme von 600 bis 750 °C und somit dem idealen Nutzungszeitpunkt für Grassilage. Um die jährliche Produktion von mindestens fünf Nutzungen pro Jahr zu optimieren, sollte der erste Schnitt bei einer Wärmesumme von 650 bis 750 °C erfolgen. Fürs Heuen sollte der erste Schnitt bei einer Wärmesumme von maximal 900 °C erfolgen.

Eckpunkte für eine gute Grundfutter-Qualität

Damit die Kühe möglichst viel Milch aus dem Raufutter produzieren können, muss die Grundfutterqualität stimmen. Um eine gute Futterqualität zu erreichen, sollten vier Eckpunkte beachtet werden: Nebst dem Nutzungszeitpunkt sind dies auch die Futtersauberkeit und das Wiesenmanagement.

Die Futtersauberkeit ist vor allem bei der Produktion von Silage von grosser Bedeutung. Beinhaltet die Silage übermässig viel Rohasche, enthält das Futter zu viel Buttersäure. Dadurch wird die Gärung gestört und folglich sinkt der pH-Wert nur langsam und zu wenig tief. So entstehen Fehlgärungen und die Gefahr von Nacherwärmungen steigt. Der Zielbereich beim Rohaschegehalt liegt unter 100 g / kg TS. Beim pH-Wert ist der Zielbereich stark abhängig vom TS-Gehalt des Ausgangsmaterials. Je nasser die Silage, desto tiefer der ideale Bereich vom pH-Wert.

Der Wiesenbestand sollte dem Standort angepasst und dicht sein. Durch einen dichten Bestand werden Unkräuter sowie Mäuse verdrängt. Zudem ist es wichtig, dass die Düngung und die Nutzung der Wiese ausgeglichen sind. Weder eine Überdüngung noch eine Übernutzung ist sinnvoll, da darunter die Wiesenzusammensetzung leidet und der Ertrag somit mittelfristig sinkt.

Oft geht vergessen, dass die Kunstwiese eine äusserst intensive Kultur ist. Entsprechend muss die Düngung, vor allem bei der intensiven Nutzung (sechs Schnitte), dem Nutzungsniveau entsprechen und die Normdüngung von 30 Einheiten Stickstoff pro Hektar und Nutzung soll nicht unterschritten werden. 

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Dem Unkraut an den Kragen
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