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Nutztiere

Hilfe vom Tierarzt: Trächtig auf die Alp?

Im Juni gehen meine Rinder auf die Sömmerungsweide. Machtes Sinn, dass alle trächtig sind, wenn sie auf den Berg gehen? Undwenn ja, welche Strategie fahre ich am besten?

Dr. med. vet. Beat Berchtold

Dr. med. vet. Beat Berchtold, Tierärztliche Bestandesbetreuung

(zvg)

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Tierärztliche Bestandesbetreuung

Trächtigkeitsuntersuchung

Am besten sollten Rinder mit einer Trächtigkeit von mehr als 60 Tagen auf die Alp gehen, da sich so das Risiko eines Abortes minimiert. Ich empfehle auf jeden Fall eine Trächtigkeitsuntersuchung vor der Alpung. Damit wissen Sie den genauen Status der Rinder, welches Ihnen ermöglicht, dem Hirten genaue Anweisungen (z. B. unträchtige Rinder) zu geben. Zudem hat es den Vorteil, dass Sie mögliche Aborte frühzeitig erkennen und entsprechend handeln können.

Wann mit der Besamung beginnen:

  • Brunstbeobachtung ab März mit Notierung der genauen Daten
  • Gynäkologische Untersuchung durch den Bestandestierarzt von Rindern, die bis April keine Brunst gezeigt haben
  • Besamung aller Rinder bis Ende April
  • Kontrolle der Trächtigkeit frühestens nach 28 Tagen mittels Ultraschall

Was passiert mit unträchtigen Tieren:

  • Wenn möglich bleiben diese zur weiteren Beobachtung im Talbetrieb/ Herkunftsbetrieb
  • Dem Alphirt Bescheid geben und Möglichkeiten einer erfolgreichen Besamung auf dem Berg abschätzen

Situation auf der Alp

Je nach Alp gibt es starke Unterschiede hinsichtlich der Brunstbeobachtung und der Möglichkeit, ein brünstiges Rind zu besamen. Läuft ein Muni mit? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein brünstiges Tier erkannt und besamt wird?

Welche Nachteile entstehen mit unträchtigen Tieren, die imHerbst nach Hause kommen?

  • Höhere Aufzuchtkosten und Risiko eines frühzeitigen Abgangs aus der Herde
  • Verfettung der Tiere, damit verbunden sind eine schlechtere Fruchtbarkeit und ein höheres Risiko einer Erkrankung nach der Abkalbung Anpassung der Betriebsstrategie

Anpassung der Betriebsstrategie

Wichtig ist es auch, sich einen Überblick über die Rinder direkt nach dem Alpabzug zu verschaffen. Dazu gehört für mich insbesondere die Kontrolle auf mögliche Erkrankungen, welche unter Umständen ein Risiko für den Heimbestand darstellen können (z. B. Flechten und Gemsblindheit), der Körperkondition (wie hoch ist der Wurmdruck?) und einer Trächtigkeitskontrolle (Abortkontrolle). Beraten Sie sich mit Ihrem Tierarzt für eine optimale Strategie.

Alter und Gewicht der Rinder

Weitläufig anerkanntes Erstkalbealter liegt bei 24 Monaten, was bedeutet, dass die Rinder ab einem Alter von 15 Monaten besamt werden können. Daneben spielt das Gewicht bei der Erstbesamung eine Rolle: Rinder sollten dabei um die 350 kg Lebendgewicht haben. Leichte Anpassungen des Erstkalbealters gegen oben hin (z. B. 26 Monate) sind je nach Rasse und Betriebsstrukturen sinnvoll. Werden die Rinder erst nach der Alpung respektive nach dem Einstallen besamt, können wertvolle Zeit und Geld (tiefere Milchleistung, höhere Aufzuchtkosten, Risiko von verfrühten Abgängen bei verfetteten Rindern etc.) verloren gehen. Eine gute Fruchtbarkeit bei den Rindern spiegelt sich in einem tiefen Besamungsindex von 1.3 Besamungen für eine Trächtigkeit (oder anders ausgedrückt von zehn Rindern müssen Sie drei nachbesamen.

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