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Nutztiere

Je nach Rasse andere Klasse

Die Bedürfnisse der Milchwirtschaftsbetriebe sind bei der Wahl der Mastrassenstiere nicht immer deckungsgleich mit jenen der Grossviehmäster. Geburtsablauf, Trächtigkeitsdauer und Fruchtbarkeit sind den Milchviehbetrieben berechtigterweise wichtiger als Mastleistungen und Fettabdeckung. Dennoch verlangt der Markt passende Tiere für die Kälber- oder Grossviehmast.

Nicht alle Rassen eignen sich gut für die intensive Grossviehmast.

Nicht alle Rassen eignen sich gut für die intensive Grossviehmast.

(Bild: Jonas Salzmann)

Publiziert am

Mitarbeiterin Marketing, UFA AG

Ehem. Mitarbeiter, UFA AG

Rund 80 Prozent der Tiere für die Schweizer Fleischproduktion haben ihren Ursprung in der Milchwirtschaft. Somit entscheidet der Milchwirtschaftsbetrieb, welche Tiere in den Handel und somit in die Grossviehmast gelangen. Dabei sind die Interessen von Milchvieh- und Mastbetrieben nicht immer deckungsgleich.

Problemlos Abkalben

Unabhängig von der Betriebsstrategie sind auf dem Milchbetrieb leichte Geburtsabläufe gewünscht. Klein- und mittelrahmige Fleischrassen, wie beispielsweise Angus, können bei allen Milchrassen eingesetzt werden. Bei anderen Rassen kann bei der Wahl des Stieres der Zuchtwert Geburtsablauf Milchvieh konsultiert werden.

Auf dem Milchbetrieb spielt bei der Wahl des Mastrassenstiers mitunter die voraussichtliche Trächtigkeitsdauer eine Rolle. Diese ist auch von der Genetik abhängig. Eine Auswertung der Universität Zürich aus dem Jahr 2008 zeigte, dass die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer über alle Rassen bei 287 Tagen liegt. Männliche Kälber werden rund zwei Tage später geboren als weibliche. Spätreife Rassen wie Blonde d’Aquitaine und Piemonteser, aber auch Braunvieh weisen eine eher lange Trächtigkeit auf (Ø 290 Tage). Simmental und Limousin liegen mit durchschnittlich 289 Tagen im Mittelfeld. Von den gängigen Mastrassen hat Angus mit durchschnittlich 284 Tagen die kürzeste Trächtigkeit. Somit sind Angusträchtigkeiten näher an der Trächtigkeitsdauer von Holsteintieren. Je kürzer die Trächtigkeit im Schnitt ist, desto besser lassen sich also das Galtstellen und die Anfütterung der Galtkuh planen.

Anicom Tränker-Bon - Qualität wird belohnt

Ab Januar 2023 erhalten Produzenten der Anicom für jeden gelieferten Tränker der Top-Qualität AA / AAW einen Anicom Tränker-Bon im Wert von zehn Franken. Der Anicom Tränker-Bon ersetzt die bisherigen Veos-Gutscheine und ist eine Zusammenarbeit von Swissgenetics und Anicom. Der Bon kann für geprüfte Fleischrassengenetik eingelöst werden. Für die Rassen oder Mischsperma Produkten wie SiLiAn, Simmentalzweinutzungsstieren, Angus, Eringer und Galloway ist der Bon nicht einlösbar.

Ziel des Anicom Tränker-Bons ist es, den Einsatz von geprüfter Fleischrassengenetik zu fördern und einen Mehrwert in der Rindfleischproduktion und für den Milchviehhalter zu generieren.

Angus werden beliebter

Zahlen der Identitas zeigen, dass in den letzten sieben Jahren rund doppelt so viele Anguskälber geboren wurden. Beim grössten Besamungsdienst der Schweiz wurden 2022 rund 30 Prozent mehr Angussamendosen verkauft als 2018. Bei Limousin beispielsweise sind es im selben Zeitraum lediglich sieben Prozent mehr. Dennoch werden viermal mehr Besamungen mit Limousin getätigt als mit Angus. Ein Grund für die steigende Präferenz für Angus ist möglicherweise das tiefere Geburtsgewicht. Anguskälber sind laut derselben Studie der Universität Zürich rund vier Kilogramm leichter als Limousinkälber und rund acht Kilogramm leichter als Simmentalerkälber. Je leichter ein Kalb ist, desto geringer ist in der Regel die Gefahr von Schwergeburten. Leichtere Mastrassenkälber müssen jedoch länger auf dem Geburtsbetrieb bleiben, bis sie die vom Handel gewünschten 80 kg erreichen. Ein bei der Geburt 35 kg leichtes Kalb muss bei einem Tageszuwachs von 1000 g pro Tag (intensive Tränke) eine Woche länger auf dem Geburtsbetrieb bleiben als ein 42 kg schweres Kalb.

Intensive Rinder und Kälbermäster kämpfen mit überfetten Tieren.

Optimale Schlachtleistung

Mastrassenkälber, die das genetische Potenzial für eine optimale Schlachtleistung haben, sind für die Mäster von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Hohe Tageszunahmen, optimale Ausbeute und gute Fetttaxierung sind die entscheidenden Punkte. Während in der Munimast eher die Herausforderung von ungedeckten Muni (Fettklasse 2) besteht, kämpfen intensive Rinderund Kälbermäster vermehrt mit überfetten Tieren (Fettklasse 5). Hier hat die Genetik einen entscheidenden Einfluss. Auswertungen der UFA mit über 15 000 Tieren zeigen, dass bei den männlichen Tieren die Rassen Angus, Limousin und Simmental bezüglich Tageszuwachs und Fettabdeckung am ausgewogensten sind. Bei allen drei Rassen erreichen am meisten Tiere die Fettklasse 3 (79 Prozent). Bei Angus werden 14 Prozent in die Klasse 4 eingeteilt, wohingegen bei Limousin und Simmental je 18 Prozent Klasse 2 erreichen. Eher problematisch sind die spätreifen Rassen wie Weissblaue Bel gier oder Blonde d’Aquitaine, bei denen jeder zweite beziehungsweise jeder dritte Muni in die Fettklasse 2 eingeteilt wird.

Rinder verfetten schneller

Bei einer konventionellen Mastrassenbesamung (nicht gesext) ist nach Theorie jedes zweite Kalb ein weibliches Tier. Je nach Rasse ist die Verfettung der Rinder bei der intensiven Mast eine echte Herausforderung. Die Fettabdeckung beginnt bei den weiblichen und den männlichen Tieren im gleichen physiologischen Moment. Sobald der Muskelzuwachs das Maximum erreicht hat, nimmt die Fettabdeckung zu. Und hier ist der Unterschied zwischen Rindern und Muni. Muni haben ein längeres und umfangreicheres Muskelwachstum, weshalb der Fettansatz weniger schnell einsetzt. Deshalb sind die spätreifen Rassen Weissblaue Belgier und Blonde d’Aquitaine bei den Rindern die einzigen, bei welchen die Mehrheit der Tiere Fettklasse 3 erreicht. Alle anderen Rassen haben einen Anteil von über 50 Prozent in der Klasse 4. Besonders negativ wirkt sich das bei den weiblichen Angustieren aus. Dort ist jedes vierte Rind mit Klasse 5 taxiert, was zu erheblichen Abzügen führt. Die gängigen Mastrassen Limousin und Simmental haben mit acht beziehungsweise fünf Prozent deutlich weniger Tiere mit Fettklasse 5.

Wer Rinder mästet, sollte sich die Empfehlungen in der Tabelle stets vor Augen halten. Wenn das Angebot an Kälbern es zulässt, sollte der Zukauf von Mastrassentränkern passend zur Mastintensität erfolgen. 

Unser Tipp

Welche Rassen eignen sich wozu?

  • Geburtsbetriebe müssen die für sich passenden Mastrassenstiere auswählen, sollten dabei aber die Bedürfnisse des Mast betriebs nicht ausser Acht lassen. Der Preis für Tränker wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, was heisst, dass entsprechend der Nachfrage produziert werden sollte.
  • Frühreife weibliche Masttiere eignen sich besser für eine extensive Mast, beispielsweise die Weidemast. Spätreife und gross rahmige weibliche Tiere hingegen sollten in einem intensiveren Mastsystem Platz finden.

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