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Nutztiere

Mit Konzept gegen Mortellaro

Die Klauenerkrankung Mortellaro hat sich in den letzten Jahren zu einem immer grösseren Problem entfacht. Die Krankheit verursacht auf Schweizer Milchviehbetrieben hohe Kosten und kann ohne gezieltes Konzept kaum reduziert werden. Das Tierwohl wird durch Schmerzen und Lahmheit deutlich eingeschränkt.

Die Krankheit, hier in der aktiven Form (M2), findet sich oft an den hinteren Klauen. 

Die Krankheit, hier in der aktiven Form (M2), findet sich oft an den hinteren Klauen. 

(Bild: Hansueli Rüegsegger)

Publiziert am

Aktualisiert am

Leitung Departement für klinische Veterinärmedizin, Wiederkäuerklinik

Leiter Marketing & Mitglied der Geschäftsleitung, UFA AG

Mortellaro ist eine Klauenerkrankung, die in aktiver Form sehr schmerzhaft ist. Verursacht wird sie durch die verschiedenen Arten von Treponemen, einer Bakterienform. Es handelt sich um eine ansteckende Krankheit, die von Tier zu Tier übertragen wird. Damit sich die Krankheit entwickeln kann, müssen folgende Faktoren vorhanden sein: Feuchtigkeit, Hautkonditionierung (schlechter Hautzustand – Aufweichung der Haut) und Sauerstoffarmut. Hat sich die infektiöse Klauenerkrankung im Stall ausgebreitet, kann sie vor allem im Laufstall kaum saniert werden.

Stress und ein geschwächtes Immunsystem haben einen bedeuteten Einfluss auf den Zustand der Haut und somit auf die Gefahr durch Eindringen der Bakterien in die Haut.

Je feuchter der Stall, bzw. der Standort wo sich die Tiere befinden, desto schneller können sich die Bakterien vermehren.

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Oft geht die Krankheit in die chronische Form (M4)über. 

(Bild: Zinpro)

Aktive und passive Form

Speziell bei Mortellaro ist, dass die Krankheit in zwei Formen auftritt. Das bekannte Krankheitsbild von Mortellaro ist das aktive und ansteckende Stadium M2. Dieses ist schmerzhaft und muss unmittelbar behandelt werden. Nach einer Behandlung heilt die Krankheit meist innerhalb von einigen Tagen ab. Das Bakterium geht dabei von der aktiven Form in die passive Form (Ruhestadium) über. In dieser Zeit kann keine direkte Behandlung durchgeführt werden, jedoch mit vorbeugenden Massnahmen ein weiterer Ausbruch verhindert werden. Das Bakterienreservoir ist tief in der verhornten Haut und kann bei ungünstigen Bedingungen wieder aktiv werden und die Krankheit bricht erneut aus.

Konzept

Unabhängig voneinander haben der Rindergesundheitsdienst (RGD) und die UFA in den letzten Jahren auf Schweizer Milchviehbetrieben mit Mortellaro viele Erfahrungen gesammelt. Von den Freilaufställen sind die meisten Betriebe von der Krankheit betroffen, aber auch in Anbindeställen steigt der Befallsdruck stetig an. Erfahrungen zeigen, dass die meisten Betriebe bis anhin kein Konzept hatten, um Mortellaro zu reduzieren. Obschon die Krankheit seit jüngster Zeit in aller Munde ist, sind fundierte Kenntnisse meist nicht vorhanden. Klauenbäder werden nur selten und oft fehlerhaft angewendet. Diese Erkenntnisse haben uns dazu bewegt, verschiedene Massnahmen auf den Betrieben zu testen und umzusetzen. Die Erkenntnisse waren eindeutig: Werden die Massnahmen zur Reduktion konsequent umgesetzt, kann der Befallsdruck deutlich reduziert werden. Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen haben der RGD und die UFA beschlossen, zusammen ein Gesundheitskonzept zur Reduktion von Mortellaro zu entwickeln.

Gesundheitskonzept

Dieses Gesundheitskonzept umfasst fünf Massnahmen (Vorbeugung und direkte Behandlung), die gleichzeitig umzusetzen sind, um Mortellaro zu reduzieren.

  1. Hygiene: Die Hygiene nimmt dabei den wichtigsten Part ein, denn der Verschmutzungsgrad von Laufgängen, Liegeboxen und Kühen, steht im direkten Zusammenhang mit der Ausbreitung von Mortellaro. Je schlechter die Hygiene in Problembeständen (> 10 % betroffene Tiere), desto höher ist der Befallsdruck. Die Mistschieber sollen mehrmals täglich laufen (mind. 6-mal), wobei sichergestellt werden muss, dass sämtlicher Mist abgeführt wird. Ebenfalls sind Quergänge und Laufhof sauber zu halten. Während der Mistschieber in Betrieb ist, sollten die Kühe so wenig wie möglich in den Laufgängen stehen. Der Liegebereich muss möglichst trocken und für die Kühe komfortabel sein, so dass sie zirka zwölf Stunden pro Tag liegen. Auch in Anbindeställen muss dieses Ziel verfolgt werden, da Mortellaro nicht nur in Laufställen ein Thema ist. Weidehaltung unter guten (trockenen) Bedingungen reduziert den Krankheitsdruck ebenfalls.
  2. Klauenpflege: Die regelmässige Klauenpflege ist zentral. Einerseits für die korrekte Beinstellung und andererseits zur Kontrolle der Mortellaroentwicklung im Bestand. Anhand der Dokumentation von Krankheiten und deren Veränderungen an den Klauen, behält man den Überblick über die Entwicklung und Ausbreitung der Klauenerkrankungen.
  3. Klauenbad Das Klauenbad bietet eine gute Möglichkeit zur wirksamen Vorbeugung der gesamten Herde vor allem der passiven Stadien. Die aktiven M2 Läsionen können mit dem Klauenbad nicht kuriert werden. Wichtig sind korrekte Masse beim Klauenbad: Länge mind. 3 Meter, Breite 50 – 60 cm und Eintrittstiefe von 25 cm (12 cm Flüssigkeit). Vor dem Durchgang durchs Klauenbad sollten die Klauen möglichst sauber sein, damit die Flüssigkeit auf der Haut und nicht am Schmutz haftet. Wodurch sich ein Reinigungsbad vor dem Klauenbad empfiehlt. Je nach Befallsdruck von Mortellaro ist das Klauenbad täglich bis mindestens alle 2 bis 3 Wochen anzuwenden. Die Flüssigkeit sollte je nach Verschmutzungsgrad nach rund 150 Durchgängen gewechselt werden.
  4. Pflege vom Einzeltier: Aktive Läsionen (M2), aber auch M1 Stadien/ M4.1 Stadien müssen sofort behandelt werden. Vor der Behandlung sind die Klaue und der Klauenzwischenspalt gründlich zu reinigen und zu trocknen. Zur Behandlung kann beispielweise Intra Hoof Fit Gel oder Intra-Repiderma Spray verwendet werden. Ein Verband steigert die Abheilungsrate, muss jedoch nach fünf bis sieben Tagen erneuert werden.
  5. Fütterung: Eine ausgewogene Fütterung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Herdengesundheit und somit auch auf die Klauengesundheit der Kühe. Mit einer pansenorientierten Fütterung nach UFA W-FOS wird der Grundstein für gesunde Klauen gelegt. Eine unausgewogene Fütterung kann zu schlechter (dünner) Kotkonsistenz führen, was wiederum die allgemeine Stallhygiene verschlechtert und das Infektionsrisiko erhöht. Das Immunsystem spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Je stärker das Immunsystem, desto besser die Tiergesundheit, die Hautqualität und somit auch der Infektionsschutz. Dabei ist die Mineral- und Wirkstoffversorgung zentral. Eine Unterversorgung mit Spurenelementen und Mineralstoffen kann die körpereigene Abwehr massiv schwächen. Besonders die Spurenelemente Zink, Mangan und Kupfer haben einen Einfluss auf das Immunsystem sowie auf die Klauengesundheit und die Hautqualität. Deshalb sind diese Elemente in gut verfügbarer, organischer Form zuzufüttern.

Reduktion von Mortellaro

Werden die beschriebenen fünf Punkte des Gesundheitskonzeptes umgesetzt, können betroffene Betriebe den Anteil an Mortellaro deutlich reduzieren. Erfahrungen zeigen, dass auch Betriebe mit einer hohen Mortellarobefallsrate (>60 %), den Anteil betroffener Rinder deutlich reduzieren können, sofern die Massnahmen konsequent und langanhaltend umgesetzt werden. Eine Ausrottungsmöglichkeit von Mortellaro in betroffenen Beständen besteht momentan nicht, aber die Befallsrate auf einen Bruchteil zu bringen, ist realistisch.

Bei der Aufzucht ansetzen

Bei Rindern, die bereits in der Aufzucht an Mortellaro erkrankt sind, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit nach der Abkalbung an Mortellaro zu erkranken deutlich. Eine regelmässige Klauenpflege bei den Rindern hilft, betroffene Tiere früh zu erkennen und das Risiko eines neuen Ausbruchs bei der Integration in die laktierende Herde zu reduzieren. Eine wichtige Prophylaxe-Massnahme ist daher die Stärkung der körpereigenen Abwehr. Dies beginnt schon bei der Fütterung der Galtkuh. Korrekt gefütterte Muttertiere bringen gesunde Kälber zur Welt. Anschliessend gilt es die metabolische Programmierung umzusetzen. Kolostrum, Eisen-/ Selenversorgung und eine hohe Nährstoffkonzentration sind nicht nur für das Wachstum, sondern auch für die Ausbildung des Darmes wichtig. Letzterer übernimmt eine zentrale Funktion für eine hohe Immunität. Die Rinder gilt es bedarfsgerecht zu versorgen und drei bis vier Wochen vor der Abkalbung in die Herde zu integrieren. Einerseits um den Nährstoffbedarf sicherzustellen und andererseits um den Stress vor der Abkalbung möglichst tief zu halten.

Weiter sind das Aufstallungssystem, die entsprechende Hygiene und die bedarfsgerechte Fütterung mit der entsprechenden Mineralstoff- und Wirkstoffversorgung bei den Aufzuchttieren entscheidend.

Betriebe ohne Mortellaro

Betriebe, die frei von Mortellaro sind, sollen alles daran setzen, dies auch in Zukunft beizubehalten. Oft wird Mortellaro durch infizierte Tiere in den Stall geschleppt. Sofern Tiere zugekauft werden, sind diese vor Eintritt in den Stall unbedingt im Klauenstand zu untersuchen. Auch Rinder, die von der Alp oder vom Aufzuchtbetrieb kommen, sind zu kontrollieren, bevor sie in die Herde eingegliedert werden. Beim kleinsten Anzeichen müssen diese konsequent behandelt werden, um einen weiteren Ausbruch zu verhindern. An Ausstellungen kann das Bakterium ebenfalls übertragen werden und in den Stall gelangen. Der Klauenpfleger soll auf die Gefahr der Übertragung durch nicht desinfizierte Klauenpflegewerkzeuge hingewiesen werden. 

Spurenelemente helfen

Zink, Mangan und Kupfer spielen eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der Klauengesundheit und sind wesentlich für das Immunsystem, die Hautqualität und die Wundheilung.

Auf Betrieben mit Mortellaro-Problemen empfehlen UFA und der RGD den Einsatz von Mineralstoff mit dem Zusatz der Spurenelemente Availa Plus. Dazu gibt es zwei neue Produkte, die gezielt zur Unterstützung des Immunsystems entwickelt wurden.

UFA 291 Immunity für die Aufzucht- und die Galtphase und Minex 977 Immunity für laktierende Kühe, um die Klauengesundheit zu fördern und den Heilungsprozess zu unterstützen. Wichtig ist, dass die Spurenelemente bei Problembetrieben während 365 Tagen verabreicht werden, also unbedingt auch in der Galtzeit.

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