Nutztiere

Vom Tränker zum Fresser

Die Remontenproduktion ist ein Schritt hin zur spezialisierten Tierhaltung, den immer mehr Landwirte wagen. Mäster überlassen die Aufzucht der Tränker spezialisierten Betrieben und kaufen die Remonten zur Ausmast zu. Damit hat sich auch eine Branche für spezialisierte Remontenproduzenten eröffnet.

Für gesunde Kälber benötigt es eine intensive Betreuung.

(Bild: Anicom AG)

Publiziert am

Mitarbeiter Handel, Anicom

Rindviehspezialist, UFA AG

Die Haltung von Tränkern bedeutet zusätzlichen Arbeitsaufwand, da eine intensive Betreuung der Kälber nötig ist. Diese Zeit haben nicht alle Grossviehmäster. Mit dem Zukauf von Remonten erhält der Mäster bereits ein Tier, das keine Milch mehr benötigt und sofort mit Grundfutter gefüttert werden kann. Doch diese Remonten müssen dadurch auf einem anderen Betrieb grossgezogen werden.

Genetik und Markt

In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach Mastremonten deutlich zugenommen. 2020 wurden durch Anicom rund 20 Prozent mehr Mastremonten vermarktet als 2016. Dies ist leicht nachzuvollziehen, wenn man beachtet, dass die Anzahl Schlachtungen im Bereich Muni, Rinder und Ochsen stark gestiegen sind. Wurden 2016 schweizweit noch 238 672 Banktiere geschlachtet, waren es 2020 mit ei ner Anzahl von 253 478 rund sechs Prozent mehr.

Genetik spielt eine Rolle

Beim genaueren Betrachten der Rassen ist ersichtlich, dass ein Grossteil der vermarkteten Mastremonten Kreuzungstiere aus einem Fleischrassenstier als Vater und einer Milchrassenkuh als Mutter sind. Am häufigsten ist der Vater ein Limou-sin-Stier, gefolgt von Simmental und Angus. Diese Verteilung erstaunt nicht, denn im vergangenen Geschäftsjahr hat Swissgenetics von allen verkauften Samendosen in der Schweiz (Milch- und Fleischrassen) am meisten Limousin-Samendosen verkauft. Bei den Fleischrassen folgt an zweiter Stelle das Mischsperma «Silian», welches sich aus den Rassen Simmental, Limousin und Angus zusammensetzt.

Der Milchviehhalter hat es in der Hand, ob qualitativ hochwertige Tränker in den Verkauf gelangen.

Die meisten Grossviehmäster ziehen Kreuzungstiere mit Limousinabstammung den anderen Rassen vor. Da Limousin eine früh- bis mittelreife Rasse ist, wird die gewünschte Fettabdeckung bei entsprechender Fütterung erreicht, wenn das Schlachtgewicht dem Ideal von 280 bis 290 kg entspricht. Spätreife Rassen wie beispielsweise Charolais, Blonde d’Aquitaine, Piemon teser oder Weissblaue Belgier sind unerwünscht, da die Tiere bereits zu schwer sind, wenn die optimale Fettabdeckung erreicht ist.

Der Milchviehhalter hat es also bereits bei der Genetikauswahl für Mastrassenbesamungen in der Hand, ob qualitativ hochwertige Tränker in den Verkauf gelangen.

Anforderungen an Remonten

Durch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Remonten-Aufzuchtbetrieben kann Anicom den Rindviehmästern ein breites Angebot bieten. Grossviehmäster möchten während des ganzen Jahres regelmässig Remontengruppen im idealen Gewicht von 180 bis 200 kg Lebendgewicht (LG) einstallen. Dies bedingt, dass bereits die Remontenaufzüchter konstant mit hochwertigen Tränkern beliefert werden. Besonders im Frühling werden Remonten durch Grossviehmäster nachgefragt. Im Winter nimmt das Tränkerangebot zu, weshalb die Mastremontenplätze in dieser Zeit gefragt sind.

Remontenpreis abhängig vom Tränkerpreis

Der Preis für eine Remonte setzt sich aus dem Tränkerpreis beim Einstallen und den Aufzuchtkosten zusammen. Je nachdem kommen Zuschläge für eine Impfung oder für weibliche Remonten dazu. Sind die Remonten beim Verkauf älter als 180 Tage, gibt es einen Preisabzug.

Zur Berechnung der Preise wird in der Praxis die Mastremontentabelle verwendet. Diese zeigt, wie viel eine Remonte bei welchem Gewicht gilt. Die grösste Rentabilität erreicht der Remontenaufzüchter, wenn er die Tiere mit einem LG zwischen 180 bis 200 kg verkauft.

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Immer mehr Mäster lagern die Aufzucht aus und können sich so auf die Mast konzentrieren.

(Bild: Anicom AG)

Haltung und Fütterung

Einstallerfolg entscheidet

Die Einstallung der Tränker mit einem Alter von drei bis vier Wochen ist für die Kälber die heikelste Phase und somit eine Herausforderung für die Remontenproduzenten. Verschiedene Herkunftsbetriebe, Stress, Immunloch und Keimdruck sind die bekannten Faktoren, welche die Gesundheit beeinflussen. Wichtig beim Einstallen ist, dass die Kälber schnell angetränkt werden und früh einen hohen Konsum aufweisen. Dies führt zu vitaleren Kälbern und spart Arbeitszeit. Besonders am ersten Tag sollte die TS der Tränke etwas tiefer sein. Dies, weil die Kälber durch den Transportstress mehr Wasser verlieren und der Verdauungstrakt entleert wurde. Allenfalls können am ersten Tag zwei bis drei Liter Elek trolytlösung vertränkt werden, um die Dehydration auszugleichen. Mit einer Dosierung von rund 100 g Milchpulver pro Liter in der ersten Woche wird die Verdauung nicht überlastet. Eine Versorgung mit Eisen in der ersten und zweiten Woche nach der Ankunft ist ebenfalls angezeigt, da viele Kälber mit einem Eisenmangel auf den Mastbetrieb gelangen. Bei der Eisengabe mittels Paste ist ein Aufteilen der Gaben von Vorteil, da die Aufnahmekapazität an Eisen beschränkt ist. Die Kälber haben eine Obergrenze bei der Aufnahme von Eisen aus dem Darm. Teilt man es in zwei Gaben im Abstand von sieben Tagen auf, kann das Kalb mehr Eisen aufnehmen.

Eisen ist Ausgangsstoff des Hämoglobins, welches im Körper für den Sauerstofftransport zuständig ist. Untersuchungen auf dem Versuchsbetrieb UFA-Bühl haben ergeben, dass ein tiefer Hämoglobingehalt bei Kälbern in Zusammenhang mit schlechteren Tageszunahmen steht.

Tränken nach Plan

Viele Tränker erhalten bereits auf dem Geburtsbetrieb eine ad libitum Tränke und sind sich gewohnt, zehn bis zwölf Liter zu trinken. Deshalb sollten dem Kalb bereits in der ersten Woche mindestens acht Liter pro Tag zur Verfügung gestellt werden. Beim Tränkeautomat wird die maximale Menge pro Abruf am besten auf 2,5 l eingestellt. Der Einsatz von speziell rezeptierten Einstallmilchpulvern mit erhöhtem Vita-min- und Spurenelementgehalt hat sich in der Praxis bewährt. Einstallmilchen sind sehr süffig, weshalb die Kälber früh einen hohen Konsum aufweisen und schnell selbständig trinken. Ab der zweiten Woche kann die Dosierung auf 130 bis 150 g Milchpulver pro Liter eingestellt werden. Ab der fünften Woche beginnt das Abtränken. Ein sukzessives Reduzieren um zwei Liter pro Woche während vier Wochen hilft, den Absetzstress zu verringern. So können die Kälber nach rund 55 bis 60 Tagen abgetränkt werden und haben während der gesamten Tränkephase 35 bis 40 kg Milchpulver erhalten.

Festfutter

Der Einsatz von Grund- und Kraftfutter muss von Beginn an sichergestellt werden. Nur wenn dieses täglich frisch vorgelegt wird, kann man eine maximale Aufnahme gewährleisten. Da Kälber zu Beginn oft etwas im Futter wühlen und somit Feuchtigkeit übertragen, erhält das Futter mit zunehmender Vorlagedauer einen unappetitlichen Geruch, was die Aufnahme hemmt.

In den ersten vier Wochen sollten die Tränker vorzugsweise eine Trockenmischung (Mash) aus Heu, Luzerne, Molablend und einem Kälberaufzuchtfutter erhalten. Ab der fünften Woche kann mit dem Verschneiden der Vormastmischung begonnen werden. Das heisst, die eine Hälfte des vorgelegten Futters besteht aus einem Kälbermash und die andere aus einer Vormastmischung. Diese werden jedoch nicht zusammengemischt, sondern separat vorgelegt. Beim Absetzen sollte kein Futterwechsel stattfinden, um einen Absetzknick zu vermeiden. Das bedeutet, die komplette Umstellung auf die Vormastration erfolgt zwei Wochen nach dem Absetzen.

Damit die Remonten die gewünschten Tageszunahmen von bis zu 1200 g pro Tag erreichen und nach 100 Tagen verkauft werden können, sind besonders das Einstall- und Absetzmanagement entscheidend.

Der Einsatz von Grund- und Kraftfutter muss von Beginn an sichergestellt werden.

Entscheid für die Remontenproduktion

Futterbauliche Voraussetzungen können den Entscheid zur Remontenproduktion mitbestimmen. So kann diese Produktionsform der Mast auch auf Betrieben mit eingeschränktem Maisanbau und mehr Grasland erfolgreich betrieben werden. Zudem richtet sich der Verkaufspreis nach den Tränkerpreisen, weshalb der Erlös abschätzbar ist. 

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