Nutztiere

Wasser: Mehr als das Zünglein an der Waage

Wie bei uns Menschen ist auch bei allen Tierarten die Wasserversorgung mit genügend und vor allem qualitativ gutem Wasser essenziell. Im Schweinestall wird oft aber erst bei Problemen bei der Tiergesundheit bemerkt, dass die Qualität nicht stimmt. Um Problemen aktiv vorzubeugen, müssen die Leitungen regelmässig kontrolliert werden.

Die Durchflussmenge, aber auch die Wasserqualität an den Tränkenippeln muss regelmässig kontrolliert werden.

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Leiter SPP, UFA AG

Schweinespezialist, UFA AG

Zwei bis drei Liter Wasser sollten Menschen täglich konsumieren. Dass es das wichtigste Lebensmittel in der menschlichen Ernährung ist, ist den meisten klar. Dies ist beim Schwein nicht anders. Bereits die Tatsache, dass ein Schwein zu über 60 Prozent aus Wasser besteht, zeigt die Relevanz von diesem Gut. Der Körper benötigt Wasser für diverse Aufgaben: vom Nährstofftransport im Blut über die Milchproduktion bei säugenden Sauen bis zur Thermoregulation. Können diese Funktionen nicht ausgeübt werden, bedeutet das für die meisten Tiere Stress. Eines der am meisten erforschten Beispiele dafür ist der Hitzestress.

Schwein kann nicht schwitzen

Hitzestress ist für die Schweine hal t er eine jährlich wiederkehrende Her ausforderung. Für die Thermoregulation ist Wasser das wichtigste Element. Die physikalischen Eigenschaften des Wassers führen dazu, dass es viel Energie – in diesem Fall in Form von Wärme – speichern kann. Schweine haben gegenüber Menschen einen grossen Nachteil, da sie nicht schwitzen können (ausser am Rüssel). Das heisst, die Körpertemperatur kann nicht durch Schwitzen gesenkt werden. Um die Körpertemperatur zu senken, müssen Schweine das Wasser auf andere Arten nutzen. Zum Beispiel, indem sie sich in feuchten Stellen wälzen, wobei die Verdunstung des Wassers den Körper anschliessend abkühlt. Ist die Luftfeuchtigkeit jedoch zu hoch, verdunstet das Wasser weniger gut, und die Körpertemperatur kann weniger sinken.

Wasserversorgung nach Lebensabschnitt

Der Wasserbedarf der Tiere ist unterschiedlich je nach Alter, Körpergewicht und Leistungsniveau. Die Tiere in den verschiedenen Produktionsabschnitten haben unterschiedliche Bedürfnisse.

Ferkel

Bei Saugferkeln ist die Milch der wichtigste Flüssigkeitslieferant. Trotzdem sind die jungen Tiere auf frisches Trinkwasser angewiesen, denn sie nehmen schon während den ersten Lebenstagen Wasser auf. Da die Ferkel sehr empfindlich auf pathogene Keime sind, hat die Qualität des Wassers eine besondere Relevanz. Für die Ferkel ist das Absetzen nicht nur bezüglich Futterwechsel, sondern auch in Bezug auf die Wasserversorgung ein kritischer Punkt. Die Umstellung von Milch auf feste Nahrung bedeutet, dass eine Flüssigkeitsquelle wegfällt. Wird nicht genügend Wasser angeboten, kann dies zu Durchfall führen, weil die Verdauung nicht richtig funktioniert.

Mastschweine

Bei Mastschweinen entwickelt sich der Wasserbedarf mit dem Mastverlauf, da die Tiere eine grosse Gewichtszunahme erleben. Wenn Mastschweine nicht Zugang zu ausreichend Wasser haben, kann dies zu Leistungseinbussen führen. Schlimmer ist es, wenn es sogar zu Verstopfungen, Darmverdrehungen oder zum Tod führt.

Muttersau

Im Produktionszyklus der Sauen gewinnt das Wasser in der Säugezeit besonders an Bedeutung. Die Milchproduktion benötigt viel Wasser. Der Wasserbedarf ist daher in der Säugezeit deutlich erhöht (siehe Tabelle). Aber auch die Phase rund um die Geburt ist heikel. Die Krankheit Postpartales Dysgalaktie-Syndrom (PPDS) hängt direkt mit der Wasseraufnahme zusammen. Um Verstopfungen zu vermeiden, ist eine genügende Versorgung mit sauberem Wasser zwingend. Eine Nippeltränke reicht in der Regel nicht aus, es benötigt zusätzliches Wasser, das über ein Selbsttränkebecken oder einen Trog angeboten wird.

Qualität des Trinkwassers

Eine ausreichende Wasserversorgung ist nur die halbe Miete. Selbst wenn die Durchflussmenge und die Gesamtmenge an aufgenommenem Wasser genügend ist, kann man trotzdem Probleme haben. Eine mögliche Ursache ist die Wasserqualität. Wasser, das mit Schadstoffen oder Keimen belastet ist, kann Gesundheitsprobleme auf Betrieben auslösen. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Sogenannte Stumpenleitungen sind oft anzutreffen. Diese entstehen zum Beispiel, wenn ein Teil der Leitung nicht mehr gebraucht wird (leere Bucht, Wasserhahn zur Reinigung etc.). Das Wasser bleibt stehen, weshalb sich Bakterien entwickeln können. Wenn bei der Einmündung der Leitung Wasser durchfliesst, wird durch den Sog ein Teil des gestandenen Wassers mitgezogen und gelangt in den «sauberen» Teil des Kreislaufs. Weiter bieten beispielsweise alte Gummischläuche, die spröde geworden sind, einen guten Nährboden für Bakterien.

Eigene Wasserquelle

Falls für die Wasserversorgung der Tiere eine eigene Quelle vorhanden ist, sollte die Qualität regelmässig überprüft werden. Gerade in trockenen Jahren besteht die Möglichkeit, dass der Wasserstand sehr niedrig ist, wobei die Konzentration der Schadkeime zunehmen kann.

Wasser von der öffentlichen Wasserversorgung zu beziehen, bedeutet aber nicht, dass man keine Probleme haben kann. Das Wasser ist zwar bis zum «Stalleingang» sauber, es muss aber sauber bis zum Tier gelangen.

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Regelmässige Kontrolle

Um möglichst wenig Probleme mit der Wasserqualität zu haben, ist es zwingend notwendig, regelmässig die Qualität zu überprüfen. Weiter müssen die Tränken regelmässig gereinigt werden. Ist das Wasser mit Schadkeimen belastet, kann am Anfang des Kreislaufes Wasserreinigungsmittel beigemischt werden. Nebst der Sauberkeit muss der Durchfluss der Nippeltränken überprüft werden. Ist er zu tief, können die Schweine zu wenig Wasser aufnehmen. Ist er zu hoch, kann es für die Tiere unangenehm sein und sie trinken deshalb weniger.

Es lohnt sich immer, ein Auge auf die Wasserversorgung der Tiere zu richten. Beim Stallrundgang sollte einmal speziell auf die Komponenten des Wasserkreislaufes geachtet werden, am besten mit einer zweiten Person. 

Kontrollhäufigkeit

Um Probleme frühzeitig zu erkennen, sollte ungefähr ein Mal pro Monat beim Stalldurchgang ein Augenmerk auf die Wasserleitungen gerichtet und der Wasserdurchfluss kontrolliert werden.

Mindestens zwei Mal pro Jahr sollten die Leitungen gründlich kontrolliert und allenfalls gereinigt werden.

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