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Pflanzenbau

3 Fragen an Andrea Patocchi

Die UFA-Revue stellte Dr. Andrea Patocchi, dem Leiter der Gruppe Züchtungsforschung, Agroscope Wädenswil, drei Fragen zur Apfelforschung, welche Probleme künftig im Apfelanbau auf den Landwirt zukommen und welche Rolle die neuen Züchtungsmethoden spielen.

Dr. Andrea Patocchi, Leiter der Gruppe Züchtungsforschung Agroscope Wädenswil

Dr. Andrea Patocchi, Leiter der Gruppe Züchtungsforschung Agroscope Wädenswil

(Agroscope)

Publiziert am

Zu welchen künftigen Problemen im Apfelanbau forschen Sie?

Krankheiten wie Apfelschorf, Mehltau und Feuerbrand bleiben weiterhin wichtig. Seit etwa zehn Jahren ist der Apfelanbau mit der neuen Marssonina-Blattfallkrankheit konfrontiert. Die Krankheit ist besonders problematisch in Anlagen mit reduziertem oder biologischem Pflanzenschutz. Mit dem Wegfall oder der weiteren Reduktion von Pflanzenschutzmitteln werden zusätzlich verstärkt Lagerkrankheiten, wie zum Beispiel Lentizellenfäulnis, vermehrt auftreten. Aus diesem Grund haben wir angefangen, auch Resistenzen und assoziierte molekulare Marker für die Züchtung gegen diese Krankheiten zu suchen. Der fortschreitende Klimawandel bringt zusätzliche Risiken mit sich. Direkt über die sich ändernden Anbaubedingungen, indirekt über neu auftretende Schaderreger. Das Ziel ist daher, Pflanzen zu züchten, die gut mit klimatischen Stressfaktoren, Krankheiten und Schädlingen zurechtkommen sowie eine hohe Fruchtqualität aufweisen.

Werden sich in der Zukunft die Sorten im Anbau stark verändern?

Ich hoffe es sehr. Die Gesellschaft verlangt eine agrarökologische Wende mit einer signifikanten Verringerung der eingesetzten Pflanzenschutzmittel, wobei die Produktivität und die Qualität erhalten werden müssen. Daher investiert Agroscope seit Jahren in die Züchtung und Forschung von resistenten Apfelsorten mit ausgezeichneten Baum- und Fruchteigenschaften. Der Markt muss sich jedoch auch weiterentwickeln und mitspielen. Momentan ist es nicht einfach, eine neue, robuste Sorte auf den Markt zu bringen.

Werden auch bestehende Sorten verbessert?

Beim Apfelbaum kann eine spezifische Sorte nur mit Gentechnik, NZT inbegriffen, verbessert werden. In der klassischen Züchtung entsteht mit jeder Kreuzung eine grosse genetische Diversität und somit immer eine neue Sorte, die sich stark von ihren Eltern unterscheiden kann. Cisgene, schorfresistente und feuerbrand resistente Gala-Linien mit je einem Resistenzgen wurden zu Forschungszwecken entwickelt. Resistente Sorten für den Markt sollten jedoch zwingend mehrere Resistenzgene gegen dieselbe Krankheit oder denselben Schädling kombinieren, um dauerhaft robust zu sein. In Kanada und in den USA wurden zwei gentechnisch veränderte Sorten, Arctic Golden and Arctic Granny, der Firma «Okanagan Specialty Fruits» auf den Markt gebracht. Deren Fruchtfleisch wird nach dem Aufschneiden nicht braun, was für den Verkauf von Apfelschnitzen einen Mehrwert bringt.

Erklärt

Molekulare Marker  Kurze Abschnitte in der DNA, die mit einer molekulare Methode sichtbar gemacht werden können. Treten sie in der Nähe einer gewünschten Eigenschaft in der Pflanze auf (assoziiert), können sie als Auswahlkriterium für die Zucht genutzt werden.

NZT  Neue Züchtungstechnologien, zum Beispiel die Crispr-Cas-Methode. Sie kann dazu verwendet werden, die DNA an einer im Genom vorbestimmten Stelle zu verändern.

Cisgene  Gene einer Art, werden mithilfe von Gentechnik in ein artverwandtes Individuum eingebracht. Beim Apfel z. B. von anderen Sorten oder Wildäpfeln.

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