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Pflanzenbau

3 Fragen an Bruno Studer

Die UFA-Revue stellte Professor Bruno Studer drei Fragen zur Zukunft des Pflanzenbaus und der Züchtung sowie der Vereinbarkeit mit dem Bio-Anbau.

Bruno Studer ist Professor für Molekulare Pflanzenzüchtung an der ETH Zürich. 

Bruno Studer ist Professor für Molekulare Pflanzenzüchtung an der ETH Zürich. 

Publiziert am

Werden manche Kulturpflanzen in naher Zukunft das Maximum an möglicher Leistung erreicht haben?

Bei einzelnen Kulturpflanzen wie zum Beispiel dem Weizen ist dies bereits der Fall. Eine solche Leistungsgrenze kann verschiedene Ursachen haben: weniger Input in der Produktion oder verstärkte Stressbedingungen durch Klimaveränderung und extreme Wetterphänomene. Die Züchtung kann hier einen wesentlichen Beitrag leisten, um diese Leistungsgrenzen zu erweitern. Zudem kann durch Methoden der genomischen Selektion oder durch den Einsatz von neuen Züchtungstechnologien, wie zum Beispiel der Genom-Editierung, der Zuchtfortschritt pro Jahr erhöht werden.

Neue Züchtungsmethoden und Bio-Landbau: Passt das?

Nach offiziellen Definitionen und Richtlinien nicht, meiner Ansicht nach aber unbedingt: Stellen Sie sich vor, dass durch die Genom-Editierung besonders nährstoffeffiziente oder äusserst robuste Sorten gegen Pflanzenkrankheiten entwickelt werden könnten – und diese dürften im Bio-Landbau nicht eingesetzt werden. Gerade dort wären solche Sorten von unschätzbarem Wert. Um das Verständnis für neue Züchtungsmethoden zu fördern, ist Kommunikation sehr wichtig. Die Leute wollen verstehen, was Pflanzenzüchtung ist und wie dort neue Werkzeuge, zum Beispiel die Genom-Editierung, funktionieren und einzuordnen sind. Die Erfahrungen zeigen, dass der Wissensbedarf gross ist und fachlicher Input sehr geschätzt wird. Umgekehrt können wir durch den Austausch ebenfalls profitieren und auf die Vorurteile und Ängste der Bevölkerung eingehen. Durch diesen Austausch wird dann auch schnell klar, dass eine effiziente Pflanzenzüchtung wichtig für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion ist – weniger Pflanzenschutz braucht mehr Resistenz.

Was erwarten Sie für die Zukunft?

Ich erwarte im Bereich der Genom-Editierung – inhaltlich wie methodisch – noch über Jahrzehnte eine enorme Weiterentwicklung. Parallel dazu wird die nächste Revolution aus dem Bereich der Datenwissenschaften kommen: Es gilt, die gewaltigen Mengen an Daten unterschiedlichster Struktur aus der Pflanzenzüchtung sinnvoll auszuwerten und für die Züchtung nutzbar zu machen. Hier könnte auch künstliche Intelligenz eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Erklärt

Genom-Editierung Ein Werkzeug der sogenannten «neuen Züchtungsmethoden». Es kann dazu verwendet werden, die DNA an einer im Genom vorbestimmten Stelle zu verändern. Dabei können einzelne Bausteine der DNA modifiziert oder entfernt werden. Möglich ist es auch, neue DNA-Sequenzen einzubauen.

Genomische Selektion Selektion basierend auf Informationen aus dem gesamten Genom.

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