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Pflanzenbau

Anbauempfehlungen für 2019

In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass Maiskulturen auch mit einem wärmeren Klima und weniger Niederschlag zurechtkommen. Aufgrund von steigenden Temperatursummen stellt sich die Frage: Soll künftig zu spätreiferen Maissorten gegriffen werden?

Jean-Paul Krattiger

Jean-Paul Krattiger

Publiziert am

Aktualisiert am

Bereichsleiter, UFA-Samen

Maïs

Trotz der Auswirkungen des Klimawandels wächst Mais in zahlreichen Regionen Europas weiterhin gut. Das weist darauf hin, dass sich diese Kultur dem Klimawandel anpassen kann. Im Zuge der eher schlechten Aussichten für manche Kulturen wie die Zuckerrübe, aufgrund des Futtermangels oder des ungünstigen Zustands der Winterkulturen Ende Winter könnte die Bedeutung von Mais auch hierzulande weiterhin zunehmen.

Im Jahr 2018 war einmal mehr zu beobachten, dass der Trockensubstanzertrag des Silomaises viel höher ausfiel, als jener auf den Wiesen, insbesondere in den Regionen, die von der Trockenheit betroffen waren.

Anbauwürdigkeit

Der Mais kann als widerstandsfähige und für die Biodiversität interessante Pflanze betrachtet werden. Er bedarf lediglich eines gut erwärmten Bodens, der eine schnelle Jugendentwicklung begünstigt, sowie der Unkrautbekämpfung und einer dem erwarteten Ertragspotenzial angepassten Düngung. Wärme und Wasser erledigen den Rest. Mais zieht eine beträchtliche Anzahl Insekten an, was bei einem Besuch der Parzellen im August oder September gut zu beobachten ist.

IMIR-Tagung

Der Internationale Mais- und Informationsring (IMIR) veranstaltet am Dienstag, 12. Februar 2019 eine Tagung in Aesch (BL) mit dem Schwerpunkt «Maisanbau unter dem Klimawandel». Folgende Themen stehen dabei auf dem Programm:

  • Sachgerechte Maisdüngung unter Berücksichtigung von Standort und Klima (Jean-Louis Galais, Chambre d’Agriculture de région Alsace) 

  • Züchtung von Trocken- und Hitzestress-toleranten Sorten: «Von der Forschung zum Produkt?» (Dr. Pascal Schopp, KWS-Saat AG, D-Einbeck) 

  • Digitale Technologien im praktischen Einsatz auf der Swiss Future Farm (Florian Abt, Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg, CH-Salenstein)

Die Veranstaltung beginnt um 9.30 Uhr und endet zirka um 13 Uhr. Tagungsort ist der Gasthof Mühle, Hauptstrasse 61 in 4127 Aesch.

Die richtige Sortenwahl

Das Ertragspotenzial steigt mit der Spätreife der Sorten. Die spätreiferen Sorten bedürfen einer höheren Temperatursumme als die frühreifen Sorten, um die Reife zu erreichen.

Auf Grundlage der Daten, die Agroscope am Standort Reckenholz in den letzten Jahren erfasst hat ( siehe Grafik), ist zum Beispiel festzustellen, dass im Jahr 2018 am 28. August eine Temperatursumme von 1500 °C erreicht wurde, während das im Jahr 2016 erst am 25. Oktober der Fall war. Diese Feststellung führt zur Frage, ob 2019 spätreifere Sorten als gewöhnlich gesät werden sollten. Für die Silomaisproduktion ziehen Landwirte oftmals die Verwendung von zwei oder mehreren Sorten vor. Sollten ähnliche Witterungsbedingungen herrschen wie 2017 oder 2018, wäre es vorstellbar, die eine oder andere Sorte aus einer spätreiferen Gruppe zu nehmen. Auf diese Weise könnte der Trockensubstanzgehalt bei der Ernte auch besser reguliert werden.

Beim Körnermais ist eine Mischung von Sorten nicht empfehlenswert. Ziel ist es, eine Sorte zu wählen, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ertrag und Wassergehalt bei der Ernte aufweist.

Manche Produzenten säen Mais als zweite Kultur nach einem Grasschnitt oder einer frühreifen Gersten- oder Kartoffelkultur. In diesem Fall gilt es, sehr frühreife Sorten zu wählen, um eine Verzögerung der Herbstsaat durch eine zu späte Ernte des Mais zu vermeiden.

Im Moment ist es zu früh, um zu sagen, ob die Entwicklung der Witterungsverhältnisse in den kommenden Jahren anhalten wird. Deshalb ist ein etappenweises Vorgehen mit schrittweisen Versuchen angezeigter.

Mesurol  Ein Beizmittel auf der Kippe

Das Beizmittel Mesurol steht in der Diskussion. Aufgrund eines EU-Entscheides könnte diese Beize für Mais auch in der Schweiz verboten werden. Für Maisproduzenten wäre das ein Problem, denn bislang sind noch keine alternativen Saatgutbehandlungen in Sicht.

Mesurol ist ein häufig verwendetes Beizmittel für Maissaatgut und dient als Repellent für Vögel. In der EU läuft die Zulassung des Wirkstoffs Methiocarb, auf dem das Produkt Mesurol basiert, am 31. Juli 2019 aus. Dieser Entscheid könnte auch die Produktzulassung in der Schweiz beeinflussen. «Liegen für zugelassene Pflanzenschutzmittel neue wissenschaftliche Kenntnisse vor, dann werden die Mittel im Rahmen gezielter Überprüfungen erneut beurteilt», erklärt Olivier Félix, Leiter des Fachbereichs Nachhaltiger Pflanzenschutz vom Bundesamt für Landwirtschaft. Somit könnte aufgrund des Entscheides der EU Mesurol in der Schweiz erneut geprüft und gegebenenfalls seine Zulassung entzogen werden. «Ob Mesuol auch nach 2019 zur Verfügung stehen wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir müssen die Ergebnisse der Überprüfung abwarten», sagt Félix. Fest stehe aber, dass ein Verbot eine Lücke hinterlassen und die Landwirte vor ein Problem beim Schutz der Maiskulturen stellen würde, denn bisher seien ihm keine alternativen Mittel bekannt.

Häufigste Saatgutbehandlung

UFA-Samen vermarktet Mesurol seit rund zehn Jahren. Mesurol ist als Repellent für Krähen bekannt. Die Biomaisproduzenten, die keine mit Mesurol behandelten Samen verwenden können, müssen manchmal aufgrund des Schadens, den diese Vögel verursachen, mehrmals aussäen. Anfänglich waren rund 40 Prozent der verkauften Samen mit Mesurol behandelt. Derzeit liegt die Rate bei fast 90 Prozent. Versuche, die Anwendung von Mesurol zu vermeiden, insbesondere durch das tiefere Säen oder Samenmischungen mit und ohne Mesurol-Behandlung, haben keine positiven Resultate erzielt.

Ein Verbot von Mesurol in der Schweiz könnte zu einem Rückgang der Maisfläche führen, vermutet UFA-Samen, und dies, wo doch die Importmengen von Mais bereits heute 100 000 Tonnen pro Jahr überschreiten. Zu beachten sei auch, dass die Landwirte bereits Massnahmen im Umgang mit Mesurol getroffen haben. So wurden beispielsweise Sämaschinen mit Deflektoren ausgestattet, damit eine Staubemission beim Aussäen vermieden wird. Aus demselben Grund sind die Samen auch ummantelt. Derzeit gäbe es keine echten Alternativen zu diesem effektiven Abwehrmittel gegen Krähen. Ein Verzicht auf Mesurol könne den Maisanbau in der Schweiz in Frage stellen, meint UFA-Samen.

Verena Säle, Jean-Paul Krattiger

Autor   Jean-Paul Krattiger, UFA-Samen, 1510 Moudon

www.ufasamen.ch

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