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Pflanzenbau

Den Blick Richtung Nachfrage richten

Es ist wichtig, den Anbau von inländischem Getreide und heimischen Ölsaaten dort zu erhöhen, wo die Nachfrage besteht. Sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich herrscht hier ein Ungleichgewicht. In beiden Bereichen sind die gesuchten Kulturen vor allem Futtergetreide und Ölsaaten wie Sonnenblumen und Raps. Es gilt, gemeinsam entlang der Wertschöpfungskette, den Anbau in die notwendige Richtung zu steuern.

Für die Ernte 2023 melden die Abnehmer einen deutlichen Mehrbedarf für inländische Sonnenblumen. Es gilt, die Flächen auszudehnen.

Für die Ernte 2023 melden die Abnehmer einen deutlichen Mehrbedarf für inländische Sonnenblumen. Es gilt, die Flächen auszudehnen.

(Stephan Rüegg)

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Aktualisiert am

Redaktorin UFA-Revue

Den Bedarf an Rohwaren so weit wie möglich durch die Inlandproduktion zu decken, ist wichtiger denn je. Es gilt hier, mit Bedacht vorzugehen und die Nachfrage klar im Blick zu haben. Die Empfehlungen von fenaco GOF für den Anbau von Getreide, Ölsaaten und Futtermitteln sind seit Jahren eine Entscheidungshilfe , was gesucht ist und was sich lohnt, auf den heimischen Feldern anzubauen.

Dieses Jahr kommt neue Bewegung ins System Maxi, welches schon lange ein bewährtes Instrument der fenaco-LANDI Gruppe ist, um bedeutende Anteile der inländischen Rohwaren zu vermarkten. Nun hat die fenaco GOF das System und die Anbauempfehlungen für Sammelstellen sowie Produzentinnen und Produzenten überarbeitet.

Die Nachfrage gibt den Takt vor

«Das Angebot der produzierenden Landwirtschaft sollte sich qualitativ und quantitativ nach der Nachfrage im Inland richten», sagt Joseph von Rotz, interimistischer operativer Leiter von fenaco GOF. Die Ma-xi-Sammelstellen haben daher den Auftrag, das Angebot möglichst nahe an das Absatzpotenzial zu bringen. Bei vielen Kulturen gibt es zurzeit ungenutzte Anbaupotenziale. Nebst den Ölsaaten (Sonnenblumen, Raps, Sojabohnen) übersteigt die Nachfrage für Futterweizen, Körnermais und Ackerbohnen das Angebot deutlich.

«Bei vielen Kulturen gibt es zurzeit ungenutzte Anbaupotenziale.»

Joseph von Rotz

Konkrete Zielmengen beim Mahlweizen

fenaco GOF hat die Anbauempfehlungen für Mahlweizen Suisse Garantie der Ernte 2023 überarbeitet. Konkrete Zielmengen pro Qualitätsklasse und Sammelstelle sowie logistische Überlegungen bilden eine transparente Grundlage für die individuellen Anbauempfehlungen. Weiter sollen die betrieblichen Möglichkeiten und Bedürfnisse der Sammelstellen und der Landwirtschaftsbetriebe in die Anbauentscheidungen mit den Produzentinnen und Produzenten einfliessen. «Die Maxi-Sammelstellen sprechen die Produzentinnen und Produzenten gezielt an, um ihre Anbauplanung mit den Marktbedürfnissen abzugleichen. Am Ende des Tages steigern sie damit ihre Erlöse in der Gesamtbetrachtung der Fruchtfolge der Betriebe», sagt von Rotz. Abweichungen von den Zielmengen haben für die Ernte 2023 keine finanziellen Auswirkungen. Eine aktive Mengensteuerung mit finanziellen Auswirkungen ist aber zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen. «Das ist heute bei den Ölsaaten bereits der Fall», sagt von Rotz. «Wir sind damit in der Lage, die Produktion noch konsequenter auf die tatsächliche Nachfrage auszurichten.» Die Mengen sämtlicher Spezialitäten wie Biskuitweizen, Roggen und Dinkel werden wie bis anhin im Vertragsanbau gesteuert.

Schwache Bilanz im Bio-Anbau 2021

Auch der Bio-Anbau litt 2021 unter der schwachen Ernte. Gemäss Bio Suisse ist weniger Getreide auf dem Markt, als dies im Vorjahr der Fall war. Dabei ging der Inlandanteil beim Brotgetreide auf 48 Prozent (–17 Prozent) und beim Futtergetreide auf 59 Prozent (–22 Prozent) zurück. Beim Brotgetreide wies das Gros zudem relativ tiefe Proteingehalte auf. Beim Roggen musste praktisch die komplette Ernte aufgrund tiefer Fallzahlen als Futterroggen vermarktet werden. Die Wetterbedingungen als Hauptverursacher dieser schwierigen Produktionssituation machten besonders dem Körnermais zu schaffen, und es wurde nur die Hälfte der Vorjahresmenge in den Sammelstellen abgegeben. Bei den Ölsaaten enttäuschten sowohl die Sonnenblumen- als auch die Rapserträge. Bei Letzterem kam nur rund ein Drittel der geplanten Vertragsmenge bei den Sammelstellen an. Immerhin durften die Tofu-Hersteller von einer qualitativ hochwertigen und mengenmässig erfreulichen Sojaernte profitieren.

«Praktisch alles, was der Mähdrescher auf Schweizer Bio-Feldern erntet, ist gefragt.»

Andreas Rohner

Bio macht vorwärts

Wie sieht es nun aber beim Bio mit der Nachfrage aus? Andreas Rohner von der fenaco GOF formuliert es so: «Praktisch alles, was der Mähdrescher auf Schweizer Bio-Feldern erntet, ist gefragt.» Aber trotz der erfreulichen Zukunftsaussichten gilt es auch hier, sich explizit an der Nachfrage zu orientieren. Aktuell ist die Flächenausdehnung bei klassischen und HO-Sonnenblumen, bei Speiseflockenhafer, Futtersojabohnen und Ackerbohnen, Mahlweizen und Futterweizen besonders empfehlenswert. Weiter führt Rohner aus, dass spezielle Kulturen wie Flockenhafer, Sonnenblumen und Hülsenfrüchte noch in der Rentabilität zu anderen Kulturen aufholen müssen. Für solche Kulturen mit Förderbedarf verspricht die fenaco Zuschläge.

Sortenempfehlungen Bio

Mahlweizen: Rosatch (sehr resistent, begrannt, hoher Proteingehalt), Montalbano (begrannt und ertragsstark), Baretta (ertragsstark, für Standorte mit guter Stickstoffversorgung) und CH Nara (aufgrund der sehr kurzen Halme nicht auf der offiziellen Bio-Sortenliste geführt, wird aber von Mühlen gut aufgenommen). Diavel (begrannt, stark im Anbau als Sommerweizen) und Wiwa (Leadersorte aus der Züchtung GZPK).

Futterweizen: Poncione und Spontan (ertragsstarke Sorten), welche den bewährten Ludwig ablösen sollen.

Dinkel: alle Sorten der Sortenempfehlungsliste FiBL/ Bio Suisse (bioaktuell.ch)

Informationen zum Thema Saatgut, Sorten und Anbaueignung unter www.ufasamen.ch und im im UFA-Samen-Flyer Getreidesorten für die Ernte 2023.

Bio-Empfehlungen Brot- und Futtergetreide

Andreas Rohner konkretisiert, dass die Anbaufläche von Mahlweizen weiterhin Potenzial hat. Dinkel weist ebenfalls gute Absatzperspektiven auf, wobei alle Dinkelsorten der Bio-Sortenliste für die Vermarktung geeignet sind. Beim Roggen soll die Anbaufläche hingegen nur moderat ausgedehnt werden. «Weiterhin enorm gesucht ist einheimischer Futterweizen, auch aus Umstellung», betont Andreas Rohner. Bei den Körnermaisflächen sei es wichtig, dass vor allem Umstellbetriebe etwas moderater planen und stattdessen vermehrt auf Körnerleguminosen setzen. Im Mischkulturenanbau ist vor allem die Kombination Gerste/Erbse zu empfehlen, weil damit auch der Erbsenanbau gefördert werden kann. Bei Triticale und Futterhafer aus Umstellung sieht Rohner hingegen weniger Absatzpotenzial.

Perspektive Bio-Ölsaaten

Für alle Bio-Ölsaaten gilt eine strenge Anbauvertragspflicht mit den Sammelstellen. Ausgewählte Sammelstellen im System Maxi erhalten eine Zuteilungsmenge und vergeben Anbauverträge. Die künftige Ausrichtung des System Maxi bei den Bio-Ölsaaten sieht vor, den Bio-Sonnenblumenmarkt in Koordination mit den Ölsaatenkunden stark zu fördern, aber dennoch Raps als wertvolle Ölsaat im Vertragsanbau weiterzuführen. Die Sonnenblume erweist sich im Bio-Landbau im Vergleich zum Raps als ertragssicherer und damit auch als planbarer. Für die Ernte 2023 ist geplant, die Sonnenblumenfläche (Typ «klassisch» und Typ «HO») alleine im Rahmen des Maxi-Vertragsanbaus um mindestens 100 bis 200 Hektaren zu steigern.

Zahnräder, die ineinander greifen

Letztlich gilt es, im Hinterkopf zu behalten, dass die Anbauempfehlungen im System Maxi von fenaco GOF eine grosse Rolle für die Versorgungssicherheit in der Schweiz spielen. Sie reduzieren auch die Abhängigkeit von Importen. Wichtiger Teil des Systems sind zudem die strategischen Lagerreserven, mit welchen beispielsweise die schwache Ernte 2021 zu einem grossen Teil ausgeglichen werden konnte. Damit haben sie auch einen dämpfenden Effekt auf die Preisschwankungen – zugunsten der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten. 

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