Pflanzenbau

Parasitäre Pilze rücken Larven zu Leibe

Der Schreck war oft gross, als sich im Jahr 2018 die vertrockneten Rasenflächen im Herbst nicht erholten und die Grasnarbe meist ohne grossen Aufwand vom Boden gelöst werden konnte. Zum Vorschein kamen Engerlinge, die grossflächig die feinen Graswurzeln abgefressen hatten. Was kann gegen Engerlinge unternommen werden, bevor diese im Herbst wieder in tiefere Bodenschichten zum Überwintern wandern?

Engerlinge

Engerlinge schädigen Grünflächen durch Wurzelfrass.

(Bild: UFA-Samen Nützlinge)

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Engerlinge sind die Larven verschiedener Käferarten. Zu den kulturschädigenden Engerlingsarten gehören neben dem Junikäfer auch der Mai-und Gartenlaubkäfer. Häufig fressen die Engerlinge die feinen Wurzeln des Rasens, was zu einer vertrockneten und gelockerten Grasnarbe führt, so dass sich der Rasen leicht abrollen lässt. Engerlinge sind auch eine Delikatesse für Vögel, Igel oder Dachse, beim Suchen nach Engerlingen wird die Rasenfläche abgeschabt und ein weiterer Schaden angerichtet. Mit parasitären Pilzen können Engerlinge bekämpft werden.

Engerling ist nicht gleich Engerling

Im Aussehen ähneln sich die Engerlinge der Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfer. Die Larven sind weisslichgelb, c-förmig gekrümmt mit einer braunen Kopfkapsel und drei deutlich sichtbaren Beinpaaren. Für den Laien ist es auf den ersten Blick daher schwierig, die Engerlinge voneinander zu unterscheiden. Anhand von Merkmalen wie dem Käferflug, der Fortbewegung und der anatomischen Beschaffenheit (charakteristisches Aussehen der Analfalte) lassen sich die verschiedenen Engerlinge gut voneinander unterscheiden.

Für die Bekämpfung der Engerlinge ist es wichtig zu wissen, welche Engerlings-Art im Boden vorkommt und mit welchem Mittel der jeweilige Engerling bekämpft werden kann. Das Team von UFA-Samen Nützlinge hatte 2018 alle Hände voll zu tun, um die Engerlinge zu bestimmen und die Kunden zu beraten, welches Produkt gegen welchen Engerling eingesetzt werden kann. Im Herbst 2018 waren es meistens Engerlinge des Junikäfers, die die feinen Rasenwurzeln abgefressen hatten.

Junikäfer

In vielen Regionen der Schweiz war 2018 ein Hauptschadensjahr durch Junikäfer-Engerlinge. Der Junikäfer hat einen zweijährigen Entwicklungszyklus, der Hauptschaden tritt nach dem Flugjahr auf, so wie in 2018. Für gewöhnlich sind die Schäden an Grünflächen durch Junikäfer-Engerlinge nicht so massiv wie bei Maikäfer-Engerlingen. Aber die extreme Wettersituation 2018 (geringe Niederschläge und hohe Tagesmitteltemperaturen) könnte für das vermehrte Auftreten der Junikäfer-Engerlinge mit verantwortlich sein. Dies führte – neben der extremen Trockenheit – zusätzlich zu grossen Schäden vieler Grünflächen.

Der Junikäfer ist an seinem karamellfarbenen, behaarten Körper zu erkennen. Der Käfer wird bis zu 19 mm gross und die Engerlinge sind zwischen zehn und 30 mm lang. Kennzeichnend ist die Analfalte, die einem «Mercedes»-Stern ähnelt. Der Käferflug mit anschliessender Eiablage findet bei Dämmerung ab Ende Juni bis Anfang Juli statt. Im Folgejahr fressen die Engerlinge von April bis September an den feinen Graswurzeln. Durch die geschädigten Wurzeln wird der Rasen nesterweise dürr und kann später komplett vertrocknen.

Erkennungsmerkmale von Junikäfer-Engerlingen

  • Grösse: 10 – 30 mm
  • Analfalte ähnelt dem «Mercedes»-Stern
  • Bekämpfung mit dem Pilz Metarhizium anisopilae

Erkennungsmerkmale von Maikäfer-Engerlingen

  • Grösse: 10 – 50 mm
  • Analfalte zeigt Dreitagebart mit Strich
  • Bekämpfung mit dem Pilz Beauveria brongniartii

Erkennungsmerkmale von Gartenlaubkäfer-Engerlingen

  • Grösse: 10 – 20 mm
  • Analfalte ähnelt einem Smiley
  • Bekämpfung mit der Nematode Heterorhabditis bacteriophora

Parasitäre Pilze

Zur Bekämpfung der Junikäfer-Engerlinge wird ein spezifisch wirksamer parasitischer Pilz Metarhizium anisopilae (Produkt GranMet, UFA-Samen Nützlinge), der natürlicherweise im Boden vorkommt, eingesetzt. Der Pilz ist auf sterilisierten, nicht mehr keimungsfähigen, Gerstenkörnern aufgebracht. Für eine optimale Bekämpfung der Engerlinge müssen die Gerstenkörner fünf bis zehn Zentimeter in den Boden eingearbeitet werden, da der Pilz nicht lichtbeständig ist. Die Ausbringung erfolgt im Frühling (ab April bis Juli) und im September. Auf einer Fläche von 100 m2 wird ein Kilogramm des Pilzproduktes ausgebracht. Für die Ausbringung auf kleineren Flächen eignet sich ein Spaten, ein Setzholz oder eine Aerifiziergabel. Dabei werden Löcher auf der Rasenfläche verteilt, in die der Pilz eingefüllt und die anschliessend mit Rasenerde geschlossen werden. Für grössere Flächen oder Neuansaaten wird das Einarbeiten der Pilz-Gerstenkörner per Aerifiziermaschine oder per Sämaschine empfohlen (zur Miete erhältlich bei Gartenbaubetrieben oder im Agro-Bereich der LANDI). Hierbei werden die Gerstenkörner ebenfalls in die Löcher verteilt und anschliessend mit Rasenerde bedeckt. Dabei ist zu beachten, dass der Boden feucht gehalten wird, damit der Pilz sich ausbreiten kann. Berühren die Junikäfer-Engerlinge die Gerstenkörner, auf denen der Pilz aufgebracht ist, bleiben die Pilzsporen am Engerling haften, keimen aus, dringen in das Körperinnere des Engerlings und dieser verpilzt. Auf dem abgestorbenen Engerling bildet sich ein dichter, weisser Pilzbelag, der wiederum andere Junikäfer-Engerlinge befallen kann.

Generell ist es so, dass der Pilz sich bei einem hohen Auftreten von Engerlingen im Boden durch das Infizieren neuer Engerlinge vermehren kann. Um eine grössere Wirkung zu erreichen, sollte eine Ausbringung im Frühling und Herbst erfolgen.

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Dieser Engerling ist von einem parasitären Pilz befallen.

(Bild: UFA-Samen Nützlinge)

Flugjahr 2019

Nach den teilweise grossen Frassschäden durch Junikäfer-Engerlinge im Jahr 2018, war 2019 wieder ein Juni-käfer-Flugjahr. Ende Juni und Anfang Juli schwärmten die Junikäfer wieder aus und begannen mit der Eiablage. Die Eier wurden vor allem in Grünflächen mit lückiger Grasnarbe oder kurz geschnittenem Rasen (z. B. Sportplatzrasen) abgelegt. Eine dichte und hochgewachsene Rasenfläche kann die Eiablage hingegen verringern. Nach der Eiablage schlüpfen bald die ersten Junikäfer-Larven, die sich vorrangig von Humus ernähren. Im Folgejahr beginnen die Engerlinge wieder mit dem Frass an den Graswurzeln und der Kreislauf beginnt von neuem. Um die Engerlings-Population der Junikäfer zu verringern, sollte im Herbst nochmals eine Behandlung mit dem Pilz-Produkt durchgeführt werden.

Ob 2019 wieder grosse Schäden durch Junikäfer-Engerlinge entstehen, hängt zum einen vom Auftreten der Engerlingspopulationen ab. Zum anderen spielen auch Witterungsbedingungen eine Rolle und ob sich die Grünflächen regenerieren konnten. Schadschwellen wie bei Maikäfer-Engerlingen sind bei Junikäfer-Engerlingen nicht bekannt.

Maikäfer

Der Maikäfer ist an seinen typisch weissen Dreiecken an der Körperseite zu erkennen und wird bis zu 30 mm gross. Die Engerlinge sind zehn bis 50 mm lang und der Entwicklungszyklus dauert zirka drei Jahre. Der Käferflug mit anschliessender Eiablage findet tagsüber ab Ende April bis Anfang Juni statt, der Wurzelfrass der verschiedenen Engerlingsstadien von April bis September. Im Herbst wandern die Engerlinge in tiefere Bodenschichten zum Überwintern. Die Analfalte, das wichtigste Bestimmungsmerkmal, ähnelt einem Dreitagebart mit Strich. Für die Bekämpfung der Maikäfer-Engerlinge wird, wie beim Junikäfer-Engerling, ein spezifisch wirksamer Pilz Beauveria brongniartii (Produkt Melocont, UFA-Samen Nützlinge), der natürlicherweise im Boden vorkommt, eingesetzt. Die Ausbringung und die Wirkungsweise des Pilzproduktes sind wie bei der Bekämpfung der Junikäfer-Engerlinge. Die Ausbringung erfolgt ebenfalls im Frühling (ab April bis Juli) sowie im September, wenn sich die Engerlinge unmittelbar unterhalb der Grasnarbe befinden.

Gartenlaubkäfer

Der Gartenlaubkäfer ist an seinem metallisch-grünem Halsschild zu erkennen. Der Käfer wird bis zu 10 mm gross. Die Engerlinge sind zehn bis 20 mm lang und somit deutlich kleiner als die Engerlinge der Mai- und Junikäfer. Der Entwicklungszyklus ist einjährig, der Käferflug mit anschliessender Eiablage findet vormittags ab Ende Mai bis Mitte Juni statt. Nach zirka drei Wochen beginnen die Engerlinge mit dem Wurzelfrass. Ab Mitte Oktober wandern die Engerlinge in tiefere Bodenschichten und stellen den Frass bis zum Flug ein. Die Analfalte ähnelt einem «Smiley». Der Gartenlaubkäfer-Engerling wird durch Nematoden, mikroskopisch kleine Fadenwürmer Heterorhabditis bacteriophora, bekämpft (Produkt Nemagreen, UFA-Samen Nützlinge). Die Nematoden dringen in den Gartenlaubkäfer-Engerling ein, es kommt zu einer Bakterieninfektion und der Engerling stirbt ab. Nach zirka sechs Wochen sind 80 Prozent der Gartenlaubkäfer-Engerlinge befallen und abgetötet. Die Nematoden werden in Wasser aufgelöst und mit der Giesskanne oder bei grösseren Flächen mit dem Nema-Sprayer ausgebracht. Danach sollten die Nematoden gut eingewässert und die Rasenfläche über mehrere Wochen feucht gehalten werden. Der optimale Ausbringungszeitpunkt ist Mitte Juli bis Ende September.

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