category icon
Pflanzenbau

Gezielte Aufwertung für höheren Q2-Beitrag

Viele Heuwiesen könnten ökologisch aufblühen – tun es aber nicht. Mit der Streifensaat lassen sich wertvolle Arten zurückholen, Q2 sichern und Biodiversität gezielt fördern.

Für die Aufwertung hat sich die Streifensaatmethode bewährt. Dabei wird nur eine Teilfläche (20 – 25 %) mit einer dafür passenden Mischung eingesät.

Für die Aufwertung hat sich die Streifensaatmethode bewährt. Dabei wird nur eine Teilfläche (20 – 25 %) mit einer dafür passenden Mischung eingesät.

(Johannes Burri)

Publiziert am

Leitung Wildblumen, UFA-Samen

Um die Biodiversität in der Landwirtschaft zu fördern, gilt die extensiv genutzte Heuwiese als das häufigste Element. Viele Wiesen erreichen die ökologische Qualitätsstufe 2 (Q2) nicht oder nur knapp. Dabei hätten sie viel Potenzial: Fromentalwiesen können über 40 Arten enthalten. Es lohnt sich auch finanziell: Wenn die Q2 erreicht wird, steigt der Biodiversitätsbeitrag um 1140 Franken pro Hektare. Um Q2 zurückzugewinnen, reicht eine extensivere Bewirtschaftung jedoch meist nicht aus. Arten, die verschwunden sind, kommen nicht von selbst zurück. In der Praxis hat sich die Neuansaat auf bearbeitetem Boden bewährt. 

Streifensaatmethode für Teilflächen

Handelt es sich bereits um eine extensive Wiese mit entsprechendem Charakter, kann auch nur eine Teilfläche neu angesät werden (Streifensaatmethode). Daraus resultieren viele Vorteile: Einige Arten, die sich über Jahre auf der Fläche etabliert haben, werden verschont. Steile Hanglagen können meist nicht flächig bearbeitet werden. In vielen Fällen lässt sich jedoch eine Teilfläche oberhalb des steilen Hanges als Streifen oder Fenster neu anlegen. Zudem ist die Methode kostengünstiger als eine flächige Neuansaat.

Für die Streifensaatmethode muss der Bestand eher lückig sein und eine extensive Gräserstruktur aufweisen, also Arten wie Fromental, Trespe, Ruchgras oder Wiesenschwingel enthalten. Optimalerweise sind noch einige Q2-Arten auf der Fläche vorhanden, auch wenn Q2 nicht (mehr) erreicht wird. Bei reinem Kräuterbestand (ohne Gräser), massenhaften Problemunkräutern oder altem Kunstwiesenbestand (reine Raigräser, keine Wildblumen) macht die Streifensaatmethode keinen Sinn. Es dauert mindestens fünf Jahre, bis sich die Arten aus den Streifen heraus in die ganze Fläche verbreiten.

Für die Streifensaatmethode muss der Bestand eher lückig sein und eine extensive Gräser-Struktur aufweisen

Vorgehen bei der Streifensaat

20–25 % der ganzen Fläche sind als Streifen oder Fenster zu bearbeiten. Je näher die Streifen zusammenliegen, desto schneller erreicht die ganze Fläche Q2. Ein Wiesenumbruch ist bewilligungspflichtig, auch wenn «nur» Streifen geöffnet werden. Hangabwärts geht die Verbreitung schneller. Streifen oben am Hang sind daher besser geeignet als solche unten am Hang.

Die erste Bodenbearbeitung sollte bereits im Herbst, spätestens aber zeitig im Frühling erfolgen. Der Grubber eignet sich am besten dafür. Die Breite der Streifen richtet sich nach der Maschine; ideal sind 3–6 m. Es ist besser, weniger, dafür breitere Streifen anzulegen. Unmittelbar nach der ersten tiefen Bodenbearbeitung auf 10–12 cm erfolgt die Bearbeitung mit der Kreiselegge. Bei günstigen vegetationsfreundlichen Bedingungen keimen bereits nach 3–6 Wochen zahlreiche Samenunkräuter – der Streifen ist bald wieder grün. Es folgt eine weitere Bearbeitung mit der flach eingestellten Kreiselegge oder der Federzinkenegge. Oft braucht es bis zur Saat noch weitere Durchgänge. Die Bearbeitungstiefe ist bei jeder folgenden Bearbeitung flacher zu wählen als bei der vorherigen.

Der beste Saatzeitpunkt ist ab April, sobald der Löwenzahn blüht, bis Mitte Juni. Zu frühe oder zu späte Saaten haben eine Gräserdominanz und einen Artenverlust zur Folge. Zum Saattermin soll die Fläche sauber und trittfest sein. Die Saat erfolgt oberflächlich; das Saatgut darf nicht eingearbeitet werden. Am besten gelingt dies von Hand oder mit dem Krummenacher-Sägerät. Die Mischung «UFA Aufwertung Q2 CH-i-G» ist speziell dafür entwickelt worden. Eine «UFA Salvia CH-G» hat einen zu kleinen Blumenanteil und funktioniert für die Streifensaat nicht. Die Saatgutmenge ist genau abzuwägen – doppelte Saatmenge = halber Erfolg. Anschliessend wird die Saat mit einer Cambridge-Walze angewalzt.

Im Aussaatjahr darf der Altbestand neben den Streifen nicht in die neu angesäten Streifen absamen. Der Bestand neben den Streifen ist das ganze Jahr über tief zu halten, das Schnittgut ist abzuführen. Dies beugt auch dem Schneckendruck vor. Die angesäten Wildblumen haben eine Keimzeit von bis zu drei Monaten und sind erst im Herbst als Rosetten sichtbar. Immer dann, wenn die schneller wachsende Spontanvegetation in den Streifen kniehoch ist und kein Licht mehr auf den Boden fällt, wird ein Säuberungsschnitt durchgeführt. Das Schnittgut wird abgeführt.

Doppelte Saatmenge = halber Erfolg

Die Initialstreifen als Saatgutquelle

Die neu angesäten Wildpflanzen in den Streifen produzieren nun eine sehr grosse Menge an Saatgut – bis zu 12 Gramm pro Quadratmeter. Über das Heuen wird das Saatgut aus den Streifen heraus auf die ganze Fläche verteilt. Bei guten Bedingungen und lückigem Bestand kann dieses sofort keimen. Mit einer Übersaat würde niemals so viel Saatgut auf die Fläche kommen. Die Blumen wandern aus den Streifen heraus und besiedeln über die Jahre die ganze Fläche. UFA-Samen forscht aktuell, ob Striegeln neben den Streifen einen beschleunigenden Effekt hätte.

Ab sofort wird die ganze Fläche so gepflegt, wie wenn sie komplett neu ausgesät worden wäre. Ein dreitägiges Bodenheu ist Pflicht. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist von Art zu Art verschieden. Um möglichst vielen Arten gerecht zu werden, muss im einen Jahr ein früher erster Schnitt erfolgen, während im darauffolgenden Jahr ein später erster Schnitt vorgesehen ist.

Falls die Kriterien für eine Streifensaat nicht erfüllt werden oder Q2 sofort auf der ganzen Fläche erreicht werden soll, ist eine Neuansaat auf der gesamten Fläche zu empfehlen. Die Mischung «UFA Q2 Blumenwiese Favorit CH-G» hat einen doppelt so hohen Anteil an Blumensamen wie die Standardmischungen, beispielsweise die «Salvia». Dadurch wird die Qualität Q2 schnell und sicher erreicht – auch unter schwierigen Bedingungen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen inklusive Anbauanleitung sind für die Streifensaatmethode im Prospekt «UFA Aufwertung Q2 CH-i-G» und für die Flächensaat im Prospekt «UFA Q2 Blumenwiese Favorit CH-G» sowie auf der Homepage wildblumen.ufasamen.ch zu finden.

Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung
Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung

Testen Sie Ihr Wissen. Machen Sie mit am Agrar-Quiz der UFA-Revue. Die Fragen beziehen sich auf die Unkrautbekämpfung und Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung.

Zum Quiz

Meistgelesene Artikel