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Pflanzenbau

Mit dem roten Flitzer zur Baumnussernte

Baumnüsse sind ein Teil der Schweiz. Dennoch werden sie eher selten im grossen Stil angebaut. Eine Betriebsgemeinschaft im Raum Luzern tut aber genau das. Sie erntet jährlich die Nüsse von etwa 1000 Bäumen. Dabei kommen Spezialmaschinen zum Einsatz, die anderswo kaum zu sehen sind.

Die Baumnuss-Erntemaschine liest die Nüsse vom Boden auf.

Die Baumnuss-Erntemaschine liest die Nüsse vom Boden auf.

(Dr. Katharina Kempf)

Publiziert am

Redaktorin UFA-Revue

Quer gelesen

  • Baumnüsse brauchen tiefgründige Böden und vertragen wenig Frost. 
  • Bis ein Baum nach der Pflanzung trägt, vergehen zehn Jahre. 
  • Als Prävention vor Krankheiten wird vor allem auf robuste Sorten gesetzt.

Wer die geschwungenen Strassen zu den Baumnussanlagen der Betriebsgemeinschaft Meier und Pfister in Altishofen (LU) bergauf fährt, dürfte um den Begriff «Idylle» kaum herumkommen. Hier drücken Obst- und Baumnussbäume der Landschaft ihren Stempel auf. Die UFA-Revue besuchte das Ehepaar Stefan und Sabine Meier Anfang Oktober, mitten in der heissen Phase der Baumnussernte.

Eine passende Nische

Die Familien Meier und Pfister sind seit 1999 als Betriebsgemeinschaft (BG) «bg meierpfister» verbunden. Dabei stand zuerst die Sauen- und Milchproduktion im Vordergrund. Im Jahr 2011 kam ein weiteres Standbein hinzu: Baumnüsse. Es war der Wunsch von Stefan und Sabine Meier sowie Urs und Eveline Pfister, eine Nischenkultur anzubauen, welche zur Schweiz und zur Gegend passt. Ein schwerer Unfall von Stefan Meier führte vor zwei Jahren dazu, dass die Baumnussproduktion für ihn und seine Frau noch einmal wichtiger wurde. «Seither bin ich mit dem rechten Arm massiv eingeschränkt», erklärt Stefan Meier. Da dies die Arbeit mit den Tieren erschwert, entschied er sich, die Milchproduktion einzustellen. Die Tiere sind beim Besuch der UFA-Revue schon fast alle weg. Nur noch einzelne trächtige Mutterkühe geniessen grasend den warmen Herbst. War die Aufgabe der Tiere schwer für sie? «Sehr schwer», erwidert Sabine Meier und muss sichtlich schlucken.

Letztlich sichern robuste Baumnusssorten den Ertrag ab.

Baumnüsse und ihre Ansprüche

Stefan Meier erklärt, dass Baumnussbäume mittlere Ansprüche haben. Ein tiefgründiger Boden und eine gewisse Frostsicherheit seien aber wichtig. Im Frühjahr werden die Bäume mit Stickstoff, Kalzium, Magnesium und Selen gedüngt. Der Schnitt erfolgt anders als bei Obstbäumen. In der Jugendentwicklung wird ein Erziehungsschnitt gemacht, und jedes Jahr werden einzelne Triebe und Äste weggeschnitten. Gibt es denn gar keine Schädlinge oder Krankheiten, die Baumnussbäumen Probleme machen? Als Schädling tritt die Walnussfruchtfliege in Erscheinung. Und mit der Intensivierung steigt, wie bei anderen Kulturen auch, der Krankheitsdruck. Marsonnina und Bakteriose können dann ein Problem werden. Vorbeugend helfe es, das Laub abzuführen, erklärt Stefan Meier. Zudem verwendet die BG Produkte mit Kupfer und Schachtelhalm. Letztlich sichern aber robuste Baumnusssorten den Ertrag. Starker Frost während der Blüte kann zu einem Totalausfall der Ernte führen.

Profimaschinen für die Baumnussprofis

Beim Betriebsrundgang zeigt sich, dass sich hier alles um Baumnüsse dreht. Auf dem Hof steht erhöht eine grosse Waschtrommel, darunter noch frisch die Schalenreste vom letzten Waschgang. Ein paar Meter entfernt in der Scheune befinden sich Sortierband und Trocknungsanlage. In dieser wird über die Luft ausgeworfen, was nicht Nuss ist. Danach sortiert ein Trommeltrieure mit Lochblecheinsätzen die Früchte nach Grösse. Das Knacken der Nüsse übernimmt die BG nicht selbst. Dafür werden die Nüsse ins «Nussknackzentrum» nach Malans (bei Landquart GR) gebracht. Die Abwicklung läuft über die Genossenschaft Swiss Nuss. Dort ist die BG Mitglied, und ihr wird die Abnahme der Nüsse garantiert.

Starker Frost während der Blüte kann zu einem Totalausfall der Ernte führen.

Am Ende des Rundgangs durch die Scheune präsentiert Stefan Meier noch die neueste Anschaffung. Es ist eine knallrote Baumnusserntemaschine, die er «Ferrari» nennt. Dieses Spezialgerät wurde vor Kurzem aus Frankreich, dem Baumnussland schlechthin, importiert.

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Die Erntemaschine für Baumnüsse ist die neueste Anschaffung der Betriebsgemeinschaft.

(Sabine Meier)

Die Baumnussanlage

Die BG besitzt insgesamt drei Baumnussplantagen mit insgesamt 1000 Bäumen auf 13 Hektaren. Die Bäume wurden von der Baumschule Gubler bezogen. 600 davon sind Hochstämmer, 400 stehen in einer Intensivanlage und sind kürzer. Jeder dieser Bäume wurde dreijährig gesetzt. Zehn Jahre später kann erstmals geerntet werden. Wie hoch der Baum werden darf, hängt auch davon ab, wann man das erste Mal ernten möchte. Stefan Meier erklärt: «10 cm mehr an Baumlänge bedeutet, ein Jahr länger mit der Ernte zu warten.» Der Rundgang mit der UFA-Revue führt zur ältesten Plantage. Seit 2011 stehen sich hier die Bäume in fussballfeldlangen Kolonnen gegenüber. Der Pflanzabstand beträgt 7 m und der Reihenabstand 14 m. Die Walnussbäume können auch leicht alternieren, was zu Schwankungen bei der Erntemenge führen kann.

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Die älteste von drei Baumnussplantagen der bg-meierpfister.

(Dr. Katharina Kempf)
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Neun Baumnuss-Sorten wachsen in den Plantagen, darunter auch die spezielle, rote Nuss.

(Sabine Meier)

Die Baumnussernte

Die Ernte selbst hat es in sich. Bei Meiers und Pfisters geschieht alles mithilfe von Technik, aber vollen Körpereinsatz braucht es dennoch. Das zeigt sich, als Sabine Meier die Manschette der Schüttelmaschine an einen Baum anlegt. Mit vollem Körpergewicht lehnt sie sich nach hinten, um sie festzuziehen. Dann drückt Stefan Meier einen Knopf, und der ganze Baum vibriert – für einen Moment schneit es Blätter und Nüsse. Plötzlich gellt ein Schrei durch die Plantage. Er kommt von der aktiven Vogelschreckanlage.

Sind die Baumnüsse auf den Boden geschüttelt, kommt die Erntemaschine, der «Ferrari», zum Einsatz. Sie erinnert an eine Strassenkehrmaschine. Die Baumnüsse werden mit rotierenden Bürsten vom Boden aufgenommen und in einen Auffangbehälter hinten in die Maschine hineinbefördert. Wenn die Bäume im Vollertrag sind, rechnet die BG mit 30 bis 40 kg Ertrag je Baum und Saison.

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Mit der Spezialmaschine aus Frankreich werden die Nüsse vom Boden aufgelesen.

(Dr. Katharina Kempf)

Die Familien hinter der Betriebsgemeinschaft

Stefan und Sabine Meier sowie Urs und Eveline Pfister führen beide ihren Betrieb in der vierten Generation. Früher war ihr gemeinsames Hauptstandbein der Bereich Sauen und Milchvieh.

Gemeinsam hat die BG drei Baumnussplantagen von insgesamt 13 ha Fläche. Die Betriebsfläche macht 22 ha aus, davon sind 11 ha Ackerbau mit Mais, Raps, Brot- und Futterweizen sowie Sonnenblumen.

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Stefan und Sabine Meier

(Dr. Katharina Kempf)
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Urs und Eveline Pfister

(Sabine Meier)

 

Direktvermarktung in Schwarzgold

Der Verkauf der ganzen Baumnüsse geschieht mehrheitlich via Swiss Nuss in Malans. Ein kleiner Teil zudem über die Direktvermarktung im Laden und online. Die BG hat neun Baumnusssorten im Angebot, diese sind Züchtungen aus Frankreich, Tschechien und Ungarn. Eine Besonderheit darunter ist die rote Walnuss.

Verkauft werden die Baumnüsse abgepackt in schwarzen Papiertüten mit dem goldenen Baumemblem der BG. Entwickelt hat das Design Sabine Meier selbst. Weitere Spezialitäten im Sortiment sind Senfe, Baumnuss-Salami und Baumnuss-Trockenwurst, Öl, Mehl, Mus und Schnäpse. Als besondere Delikatesse gibt es zudem die «Schwarzen Nüsse». Dies sind Baumnüsse, die noch mit der grünen Schale bis zum Johannistag (24. Juni) geerntet wurden und dann für vier Wochen in Zuckerwasser eingelegt werden. Das Ergebnis sind süssliche, schneidbare schwarze «Früchte», welche sich als Beilage zu Raclette, Käsedessert, Salat oder auch zum Verfeinern von Fleischgerichten eignen.

www.bg-meierpfister.ch

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Aus Baumnüssen lässt sich so einiges herstellen. Unter anderem Öle, Aufstriche und verfeinerte Salami.

(Sabine Meier)
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Aus den heimischen Baumnüssen wird auch die exotische Delikatesse "Schwarze Nüsse" hergestellt.

(Sabine Meier)

 

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