Pflanzenbau

«Rüebli machen den meisten Dreck»

In Bätterkinden steht die erste Paloxenwaschanlage der Schweiz. Hier werden Rückstände von Kartoffeln, Lagergemüse und das anhaftende Bodensubstrat aus den Grosspaloxen ausgewaschen. Dies geschieht effizient und nachhaltig, denn das verbrauchte Wasser wird wieder in den Kreislauf zurückgeführt.

Reinigung der Grosspaloxen

Die Reinigung der Grosspaloxen verläuft vollautomatisiert von links nach rechts.

(Dr. Katharina Kempf)

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Redaktorin UFA-Revue

Die Paloxenwaschanlage der Steffen-Ris fenaco Genossenschaft in Bätterkinden (BE) steht überdacht im Hof der Warenannahme, eingebunden in das betriebsame Gesamtgeschehen. Es scheint, als wäre sie schon immer da gewesen. Dabei ist sie etwas ganz Besonderes, sie ist nämlich die erste ihrer Art in der Schweiz. In den Niederlanden sind diese Anlagen schon häufiger in Betrieb und von dort wurde sie auch in die Schweiz importiert. Nun leistet sie seit April 2020 auch den Schweizer Landwirten wertvolle Dienste. Und genau diese Landwirte sind der Grund, warum es diese Anlage in der Schweiz überhaupt gibt. «Die Bauern machten uns auf die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Reinigung der gemieteten Grosspaloxen aufmerksam», sagt Bendicht Zehnder von der Steffen-Ris in Bätterkinden. Hochwertige Rohware vom Feld soll so sauber wie möglich transportiert werden. Schimmelbefall, durch Verunreinigung der Kisten, wäre für Zehnder ein schlimmes Szenario. Er betont dabei, dass die Anlage ein weiterer Schritt zur Maximierung der sehr guten Gesamthygiene sei. Die Lagerstandorte der fenaco werden schon regelmässig mit heissem Wasser und nachfolgend mit Desinfektionsmittel gereinigt und desinfiziert. Menno Florades ist ein Desinfektionsmittel mit einer sehr effektiven Wirkung gegen Bakterien, Pilze, Viren und Viroide. Menno Florades basiert auf Benzoesäure und ist speziell für die Landwirtschaft und den Gartenbau entwickelt und daher auch speziell auf pflanzenpathogene Krankheitserreger getestet. Die Paloxen wurden bisher noch nicht speziell gereinigt.

Die ausgewaschene Erde wird zu Gartenerde aufbereitet.

Die ausgewaschene Erde wird zu Gartenerde aufbereitet.

(Dr. Katharina Kempf)

Die automatisierte Reinigung

Die neue Paloxenreinigungsanlage erinnert entfernt an eine automatische Autowaschanlage. Die Paloxen, die hauptsächlichen für Kartoffeln und Rüebli benutzt wurden, werden direkt nach der Entleerung des Gemüses mit dem Gabelstapler an die Befüllstation der Anlage gefahren und zu Vierertürmen aufgestapelt. Die Anlage übernimmt automatisiert die Paloxen über ein Förderband. Im nächsten Schritt wird der Viererturm entstapelt, indem die drei obersten Paloxen angehoben werden, während die untere auf dem Förderband weitertransportiert wird. Nun wartet ein silberner Reinigungstank auf die Paloxe. Ein Lichtsensor im Tank erkennt deren Eintreffen. Seitliche Düsen spritzen mit einem Druck von acht bar 20 Grad warmes Wasser auf das Holz. Von oben wird zusätzlich Wasser mit einem Schwenkkopf abgegeben. Dieser Prozess dauert gerade einmal eine Minute. Diese eine Minute bewirkt aber schon visuell einen deutlichen Unterschied zu vorher. Chemikalien sind dabei nicht notwendig. Bei einem Arbeitstag von acht Stunden schafft es die Anlage, 480 Paloxen zu reinigen, so dass künftig sämtliche Gebinde am Standort Bätterkinden gewaschen werden können.

«Wir gehören dem Landwirt und sind für ihn da, wenn er etwas braucht.»

Bendicht Zehnder, Beratung fenaco Landesprodukte

Ein nachhaltiges System

In einem grossen Behälter im «Untergeschoss» der Anlage findet sich schliesslich das, was die Anlage herausgewaschen hat: ein Sammelsurium von Erde, Holzsplittern, Gemüsestückchen und Plastiketiketten. «Die Rüebli machen den meisten Dreck», meint Bendicht Zehnder. Für den Fachmann ist selbstverständlich, dass dieser «Dreck» und das Abwasser recycled werde. Die Erde, die nach dem Waschprozess zurückbleibt, wird aufbereitet und kann dank der guten Qualität sogar für den Gartenbau abgegeben werden. Das in der Anlage eingesetzte Wasser stammt aus der hauseigenen Wasseraufbereitungsanlage. Hier werden pro Woche etwa 3000 Kubikmeter Wasser in den riesigen Tanks umgesetzt. Das Wasser stammt aus den Prozessen des Betriebes, zum Beispiel der Reinigung der Rüebli und Kartoffeln. Abgeschieden werden dabei zum Beispiel lose Erde, Reste von Rüebli und Kartoffeln. Das gereinigte Wasser ist, ohne Zugabe von Chemikalien oder speziellen Bakterien, dazu geeignet in der Paloxenreinigungs anlage genutzt zu werden. Nach dem Einsatz in der Paloxenreinigungsanlage fliesst es wieder in den Kreislauf zurück und der Prozess beginnt von Neuem. Das ganzheitliche Konzept der Anlage geht auf, da auch die Lebensdauer der Grosspaloxen mit der regelmässigen Reinigung verlängert werden kann. Schon vor dem Eintreffen der Maschine wurden die Paloxen regelmässig kontrolliert und gegebenenfalls Schäden durch ein Handwerkerteam behoben.

Ein Zukunftsprojekt

«Die Reinigungsanlage wird nicht die Einzige ihrer Art in der Schweiz bleiben», verrät Zehnder. Nach einem erfolgreichen Anlaufen am Standort in Bätterkinden, sollen zwei weitere Anlagen in Frauenfeld (TG) und Bercher (VD) installiert werden. Diese Anlagen sollen dabei helfen, die Hygiene präventiv weiter zu verbessern. In Bätterkinden steht die Anlage sicher erst einmal nicht still. Der grosse Lagerbestand an Grosspaloxen lässt erahnen, dass die Arbeit nicht ausgehen wird. Nun steht der Frühling vor der Tür und alle im Lager befindlichen Paloxen werden gereinigt. 

Steffen-Ris

Die Steffen-Ris fenaco Genossenschaft ist Spezialist für die Lagerung, Aufbereitung und Verpackung von Kernobst, Bananen, Karotten, Zwiebeln und Kartoffeln. Weitere Kernkompetenzen sind Logistikdienstleistungen (Transporte, Lagerung, Kommissionierung). Die verschiedenen Standorte bieten besondere Highlights. Am Standort in Bätterkinden (BE) erfolgt die Sortierung der Rohware mittels elektronischen Qualitätssortierern. In Bercher (VD) kann das Sortiment nach Kundenwunsch kalibriert und in vielfältiger Form konsumgerecht konditioniert werden. In Utzendorf (BE) existiert eine optische Sortieranlage für Kirschen und eine Bananenreiferei. In Frauenfeld (TG) wurde eine der ersten optischen Sortier- und Kalibrieranlagen für Rüebli installiert.

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