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Pflanzenbau

Standards für eine hohe Qualität

Zertifiziertes Saatgut erfüllt strenge Normen hinsichtlich Keimfähigkeit und Reinheit. Die Standards werden von der Internationalen Vereinigung für Saatgutprüfung festgelegt. Generalsekretär Dr. Andreas Wais erklärt, was hinter der Vereinigung steckt und warum es länderübergreifende Regeln braucht.

Laboranalyse für zertifiziertes Saatgut

Das Saatgut wird im Labor genau unter die Lupe genommen.  

(Verena Säle)

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Aktualisiert am

Qualitativ hochwertiges Saatgut ist die Grundlage für pflanzliche Produktion. Viele Landwirte verlassen sich dabei auf zertifiziertes Saatgut. In der Schweiz übernimmt Agroscope die Zertifizierung, die nach strengen internationalen Standards erfolgt. Doch wer legt diese Standards fest? Dr. Andreas Wais ist Generalsekretär der Internationalen Vereinigung für Saatgutprüfung (International Seed Testing Association, kurz ISTA). Er erläutert die Hintergründe der international gültigen Regeln der Saatgutzertifizierung.

UFA-Revue: Was sind die Aufgaben der ISTA?
Andreas Wais: Die Hauptaufgabe der ISTA ist die Qualitätssicherung des Saatgutes. ISTA ist 1924 nach dem zweiten internationalen Kongress für Saatgut gegründet worden. Vorher hatten die einzelnen Staaten bereits eigene Gesetze und Vorschriften zur Saatgutprüfung. Diese waren aber nur national verbindlich. Die ISTA wurde gegründet, um eine zentrale Stelle zu haben, die interna tional gültige Richtlinien zur Saatgutprüfung herausgibt. Diese Saatgutprüfrichtlinien braucht es, denn nur so kann sichergestellt werden, dass der Landwirt das Saatgut erhält, welches seinen Qualitätsansprüchen genügt.   Das heisst, die Keimfähigkeit, das Trockengewicht, die Reinheit und Gesundheit des Saatguts müssen stimmen. Nur so kann am Ende auch der Ertrag für den Bauern gesichert werden.

Warum ist es wichtig, dass es internationale Regeln sind und nicht jedes Land seine eigenen hat?
Wais: Saatgut wird heute in verschiedenen Ländern produziert. Der grosse Produzent zum Beispiel von Maissaatgut ist Sambia. Das dort produzierte Saatgut wird in andere Länder verschifft. Damit wandert das Saatgut über Grenzen und braucht somit einen gewissen Ausweis, also eine Art Pass. So ein Ausweis sind die Zertifikate, welche die ISTA akkreditierten Labore in den einzelnen Ländern herausgeben. Damit kann freier Handel mit dem Saatgut betrieben werden, weil eine entsprechende Qualitätsprüfung im Ursprungsland stattgefunden hat. ISTA legt   grossen Wert darauf, dass die durchgeführten Prüfungen an allen Standorten die gleiche Qualität haben. Darum dürfen nur akkreditierte Labore das Zertifikat ausstellen.

Wie ist die ISTA organisiert?
Wais: ISTA ist rund um den Globus präsent. Wir haben insgesamt 225 Mitgliedslabore und sind in 83 Staaten vertreten. Die Hauptmitglieder kommen aus Europa mit 97 Laboren und aus Asien mit 66 Laboren. Damit bleiben noch 62 Labore für die restliche Welt. Afrika ist hierbei relativ stark vertreten. Ägypten war zum Beispiel auch eines der Gründungsmitglieder. Die europäischen Länder sind fast alle vertreten, viele Länder auch mit mehr als einem Labor. Beispielsweise in Deutschland, wo die Saatgutprüfung auf Ebene der Bundesländer organisiert ist. Dort gibt es in jedem Bundesland ein Saatgutlabor. In der Schweiz ist Agroscope akkreditiert und macht die Saatgutprüfung und die Zertifizierung nach den ISTA Richtlinien für die gesamte Schweiz.  

Welche Bedeutung hat die ISTA für die Schweizer Landwirtschaft?
Wais: Der Landwirt kann sich auf gehandeltes Saatgut, das gemäss ISTA zertifiziert ist, verlassen. Es ist gleich, ob das Saatgut in der Schweiz produziert worden ist oder ob es aus dem Ausland importiert wurde – die Qualität, die von den Laboren bescheinigt wird, ist immer dieselbe. Dies ist für die Schweiz sehr wichtig, da zwar auch inländisches Saatgut produziert wird, jedoch der Grossteil aus Importen stammt. Eine kleine Menge wird auch exportiert.  

Wodurch zeichnet sich nach ISTA zertifiziertes Saatgut aus?
Wais: Durch die nachvollziehbare Reinheit und Keimfähigkeit des Saatgutes. Das heisst, das Saatgut ist frei von Pathogenen und Unkrautsamen. Lezteres ist insbesondere bei importiertem Saatgut wichtig, ansonsten könnten möglicherweise Arten eingeschleppt werden, die in der Schweiz nicht vorkommen und hier unerwünscht sind.  

Werden die ISTA Richtlinien im Laufe der Zeit angepasst oder erneuert?
Wais: Unser Regelwerk, die sogenannten ISTA-Rules, werden jedes Jahr angepasst. Die Vorschläge zu den Anpassungen werden von den technischen Komitees gemacht. Die technischen Komitees befassen sich mit Einzelpunkten wie Reinheit, Feuchtigkeit, GMO, Saatgutgesundheit und weiteren Endpunkten. Verschiedene Labore überprüfen die Änderungsvorschläge. Die Methoden werden validiert, indem die Untersuchungsergebnisse der verschiedenen Labore miteinander verglichen werden. Es muss sichergestellt sein, dass alle Labore dieselben Ergebnisse erhalten. Die Ergebnisse werden in einem Bericht zusammengefasst, der veröffentlicht wird. Das Exekutivkomitee, also der Vorstand der Vereinigung, überprüft den Bericht und anschliessend werden die Änderungen der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorgelegt. ISTA ist staatlich organisiert. Nicht jedes Labor oder persönliches Mitglied darf abstimmen, sondern nur ein Mitglied pro Mitgliedsstaat. Und dieses wird von den Regierungen bestimmt. Das heisst, im Endeffekt stimmen die Regierungen über die Regeländerungen ab und erkennen diese damit auch an. Das ist für den Transport und für den Handel des Saatguts wichtig. Jeweils Ende des Jahres werden die neuen Regeln veröffentlicht und den Mitgliedslaboren bekannt gegeben. Ab dem 1. Januar sind die Regeln dann gültig. Dieser Prozess wiederholt sich jedes Jahr.  

In welchen Bereichen ergaben sich in letzter Zeit die meisten Anpassungen?
Wais: In den letzten Jahren gab es viele Änderungen im Bereich der Saatgutgesundheit. Dazu kommen auch Untersuchungen, ob es sich um genmanipuliertes Saatgut handelt oder nicht. Dieselben Methoden, die für die Untersuchungen für genmanipuliertes Saatgut verwendet werden, kommen inzwischen auch zum Einsatz, um die Saatgutreinheit zu bestimmen, denn diese Bestimmung ist manchmal optisch nicht so ganz einfach. Vor allem bei Gräsern wird auf Ebene der Genome getestet, um die Sortenreinheit zu bestimmen.

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Dr. Andreas Wais ist studierter Chemiker und promovierter Agronom. Seit über einem Jahr ist er als Generalsekretär bei der ISTA tätig.

«Egal in welchem Land das Saatgut zertifiziert wurde – eserfüllt immer die gleichen Standards.

Hauptsitz Schweiz

Die International Seed Testing Association (ISTA) ist eine internationale Vereinigung für Saatgutprüfung, die im Jahr 1924 gegründet wurde. Die Schweiz ist eines der Gründungsmitglieder. Der Verbandssitz befindet sich in Bassersdorf (ZH), wo derzeit zwölf, zukünftig 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Hauptaufgaben sind Verwaltungsaufgaben der Vereinigung. Dazu gehören auch Aufgaben im Bereich der Akkreditierung sowie Qualitätskontrollen. Weiter werden von Bassersdorf aus Veranstaltungen, Workshops und Jahrestreffen geplant. Marketing und Finanzen werden ebenfalls über die Schweiz geregelt.

ISTA hat weltweit 300 freiwillige Mitarbeiter aus der Forschung, aus den Saatgutlaboren und aus der Industrie.

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