Pflanzenbau

Pflanzenschutzmittel im Feldbau: Einsatz und Gewässerrisiken von 2009 bis 2018

Im Feldbau werden immer weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Die Menge allein bestimmt jedoch nicht das Risiko für die Umwelt. Das bestätigt eine neue Studie von Agroscope zum Einsatz und Risiko von Pflanzenschutzmitteln im Schweizer Feldbau.

(pixabay.com/ Konyvesotto)

Publiziert am

Pflanzenschutzmittel (PSM) schützen Nutzpflanzen vor Unkräutern (mit Herbiziden), vor Pilzkrankheiten (mit Fungiziden) und vor Schadinsekten (mit Insektiziden). Sie können jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen bei Mensch, Tier und Umwelt verursachen. Ein umfangreiches Zulassungsverfahren und agrarpolitische Massnahmen haben das Ziel, sowohl die Einsatzmenge als auch die möglichen Risiken von PSM zu senken. Agroscope hat nun detailliert analysiert, wie sich der PSM-Einsatz im Feldbau und das damit verbundene Risikopotenzial für Oberflächengewässer in den letzten zehn Jahren entwickelt hat.

Berechnung des PSM-Einsatzes und des Risikopotenzials

Seit 2009 erfassen 300 Betriebe, wie viele PSM sie wann und bei welcher Kultur einsetzen. Aus diesen Zahlen wurde der schweizweite Einsatz von Pflanzenschutzmitteln pro Kultur für den Feldbau hochgerechnet. Anschliessend wurden Risiken für Oberflächengewässer berechnet, einmal ohne und einmal mit Berücksichtigung der mit der Zulassung verfügten Auflagen zur Risikominderung.

Hauptresultate der Agroscope-Studie

Zwischen 2009 und 2018 wurden im Schweizer Feldbau zwischen 328 und 476 t Herbizide pro Jahr verwendet, wobei die eingesetzte Wirkstoffmenge von 2012 bis 2018 um knapp 31 Prozent sank. Fungizide wurden pro Jahr zwischen 99 und 146 t eingesetzt, 2018 knapp 27 Prozent weniger als 2009. Insektizide, die häufig schon in niedrigen Dosierungen hochwirksam sind, wurden in viel geringeren Mengen als Herbizide und Fungizide eingesetzt – ausser Paraffinöl im Kartoffelanbau. Die eingesetzte Menge Insektizide schwankte über die Jahre ohne deutlichen Trend. Neben Veränderungen in der Zulassung der PSM und der Zunahme von Bio- und Extenso-Anbau (Verzicht auf Fungizide und Insektizide) war auch der Rückgang der gesamten Anbaufläche von Getreide ein Grund für die Abnahme der schweizweit eingesetzten Wirkstoffmenge im Feldbau.

Die flächengewichteten Risikopotenziale (Quotient aus Umweltkonzentration und Toxizität, hochgerechnet für die Anbaufläche aller Feldbau-Kulturen) waren am grössten bei den Herbiziden, dann folgten die Insektizide und schliesslich die Fungizide. Die Risikopotenziale zeigten bei Herbiziden einen konstanten, bei Fungiziden einen abnehmenden und bei Insektiziden einen ansteigenden Trend. Wurden in der Berechnung die Wirkungen der mit der Zulassung verfügten Auflagen zur Risikominderung berücksichtigt, zeigte sich eine teils deutliche Reduktion aller Risikopotenziale und ein insgesamt abnehmender Trend für alle drei Wirkstoffgruppen. Ebenso kann die Wirkstoffwahl einen grossen Einfluss auf das Risikopotenzial haben. So war bei den Insektiziden 2014 ein starker Anstieg des Risikopotenzials im Vergleich zum Jahr 2013 zu verzeichnen. Grund dafür war die Zulassung eines Wirkstoffs zur Bekämpfung der Rapsglanzkäfer im Rapsanbau. Diese Zunahme konnte durch die Auflagen der Zulassung jedoch stark gemindert werden.

Fazit

  • Die Menge der schweizweit im Feldbau eingesetzten PSM und das Risikopotenzial für Oberflächengewässer nahmen in den letzten Jahren ab.
  • Die von der Zulassung verfügten Auflagen zur Risikominderung verringerten das Risikopotenzial für Oberflächengewässer teils deutlich.
  • Ohne Berücksichtigung der Auflagen nahmen die Risikopotenziale nur bei Fungiziden ab, bei Insektiziden stiegen sie und bei Herbiziden blieben sie konstant.
  • Die Wirkstoffwahl hatte einen grossen Einfluss auf die Risikopotenziale, da Wirkstoffe ein unterschiedliches Verhalten in der Umwelt und eine unterschiedliche Ökotoxizität haben.
  • Das Risikopotenzial von PSM für Oberflächengewässer korrelierte nicht mit der eingesetzten Menge: Einige Wirkstoffe waren, obwohl in geringen Mengen eingesetzt, Risiko-dominierend; andere Wirkstoffe, obwohl in grossen Mengen eingesetzt, wiesen ein geringes Risikopotenzial auf.
  • Eine gezielte Unterstützung der Betriebe hinsichtlich des Gebrauchs risikoärmerer Wirkstoffe kann einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Risikopotenzials bieten.

Quelle: Agroscope/ L. de Baan, J.F. Blom, O. Daniel: Agrarforschung Schweiz 11, 2020

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