Nutztiere

Die Schweiz ist nicht sicher

Regelmässig werden in den Medien neue Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gemeldet. Vor allem aus Asien hört man immer wieder Meldungen, aber die Seuche könnte jederzeit auch in die Schweiz gelangen. Um den eigenen Betrieb zu schützen, muss jeder Schweinehalter unbedingt Biosicherheitsmassnahmen umsetzen. Zudem sollte auch der Abschluss einer Versicherung geprüft werden.

Ein Zaun um das Betriebsareal wird vom BLV empfohlen, sodass die Hausschweine in keinem Fall mit Wildschweinen in Kontakt kommen.

(Bild: UFA AG)

Publiziert am

Redaktorin, UFA-Revue

Auf einmal eine hochansteckende Tierseuche im eigenen Nutztierbestand zu haben und deshalb alle Tiere töten zu müssen, ist für jeden Landwirt eine grausame Vorstellung. Die Existenz eines Betriebes wäre in einem solchen Fall gefährdet. Diese schlimme Erfahrung mussten in den letzten Jahren tausende Schweinebetriebe auf der Welt machen – betroffen ist insbesondere Asien, doch auch in Europa gibt es regelmässig Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

In China beispielsweise wurde der erste Ausbruch in einem Schweinebetrieb am 3. August 2018 bestätigt. Seither gab es bereits über 163 Ausbrüche und fast 1,2 Millionen Schweine, die an der Seuche starben oder getötet werden mussten. Die Zahlen aus Russland sind sogar noch erschreckender – seit dem Ausbruch von ASP bis und mit 2018 mussten rund acht Millionen Schweine getötet werden. Die Einbussen in dieser Zeit wurden auf insgesamt rund 507 Millionen Euro geschätzt.

Auch in Europa gibt es immer wieder Ausbrüche in Nutztierbeständen. In Bulgarien beispielsweise mussten Anfang Januar auf einigen Grossbetrieben insgesamt über 60 000 Schweine getötet werden. Bei Wildschweinen melden beispielsweise Ungarn oder Belgien regelmässig Funde im Wildschweinebestand; in Polen war die Seuche im Januar fast an die Grenze zu Deutschland vorgedrungen.

Was ist die ASP überhaupt?

Die ASP ist eine durch Viren ausgelöste Krankheit bei Haus- und Wildschweinen. Die hochansteckende Seuche verläuft meistens innerhalb von wenigen Tagen tödlich. Für den Menschen stellt die Krankheit zum Glück keine Gefahr dar.

Die Symptome (hohes Fieber, plötzliche Todesfälle, Hautblutungen, Aborte, Durchfall, Fressunlust oder tiefe Mastleistungen) sind nicht zwingend im ganzen Bestand erkennbar, sondern können auch nur bei einzelnen Tieren auftreten. Das Schlimme an der Seuche ist, dass keine Impfstoffe existieren und dass man alle Tiere im Bestand töten muss, wenn man den Virus in der Herde feststellt.

Der Virus kommt im Blut, Kot, Urin, Speichel sowie im Gewebe der erkrankten Tiere vor.

In Tierkadavern oder in nicht erhitztem Fleisch bleibt dieser monatelang infektiös, weshalb er einfach auf weitere Tiere übertragen wird. Bisher ist die Schweiz frei von ASP, doch gemäss BLV ist die Gefahr, dass die Seuche in die Schweiz gelangen kann, gross. Das Einschleppen der Seuche durch das Einführen infizierter Schweine- oder Wildschweinefleischprodukte in die Schweiz wird als grösste Gefahr genannt. Das Wegwerfen von Essensresten ist eine grosse Gefahrenquelle, weshalb die Risikoabschätzung sehr schwierig ist. Daher wird der Konsument dringlich davor gewarnt, Schweine- oder Wildschweinefleisch aus betroffenen Gebieten in die Schweiz zu bringen.

Entschädigung für Tierverluste gemäss Art. 32 im Tierseuchengesetz (TSG)

Folgende Tierverluste werden entschädigt: 

  • Tiere, die wegen einer Seuche um stehen oder abgetan werden müssen; 
  • Erkrankte Tiere, die wegen einer behördlich angeordneten Behandlung umstehen oder abgetan werden müssen; 
  • Tiere, die auf behördliche An ordnung hin geschlachtet oder abgetan und entsorgt werden müssen, um der Ausdehnung einer Seuche vor zubeugen; 
  • Gesunde Tiere, die wegen eines vom zuständigen Organ der Tierseuchen polizei angeordneten Eingriffs um stehen, geschlachtet oder abgetan und entsorgt werden müssen.

Früherkennungsprogramm

Um einen allfälligen Ausbruch bei Schweizer Wildschweinen möglichst schnell zu erkennen und so eine Ausbreitung in der Wildschweinepopulation zu verhindern, wurde 2018 vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) das nationale Früherkennungsprogramm für ASP beim Wildschwein erarbeitet. Seither werden sämtliche tot aufgefundenen Wildschweine oder Abschüsse von kranken Tieren und Unfallwild untersucht. Kommt es so weit, dass die ASP bei einem Wildschwein in der Schweiz diagnostiziert wird, so muss die Seuche durch enge Zusammenarbeit aller betroffenen Behörden im Veterinärwesen, in der Landund Forstwirtschaft und in der Jagdaufsicht wirksam bekämpft werden. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen bei den Ausbrüchen in der EU, wurden technische Weisungen erarbeitet. In Waldabschnitten, wo die ASP bei Wildschweinen vorkommt, müssten beispielsweise Ruhegebiete für Wildtiere eingerichtet werden und es würden Einschränkungen gelten für Jagd und Waldwirtschaft. Es wird zudem Pflicht sein, auf den Waldwegen zu bleiben und Hunde an der Leine zu halten, so das BLV.

Versicherungsabschluss prüfen

Ein Ausbruch der ASP in einem Schweinebetrieb verursacht grosse Verluste für den Tierhalter. Die Kosten der Tierseuchenbekämpfung werden von unterschiedlichen Kos tenträgern übernommen. Nach Art. 31 des Tierseuchengesetzes (TSG) leisten die Kantone die Entschädigung für Tierverluste und übernehmen ganz oder teilweise die Bekämpfungskosten. Im Zusammenhang mit hochansteckenden Seuchen (z.B. Maul- und Klauenseuche, Afrikanische Schweinepest, klassische Schweinepest, Vesikulärkrankheit der Schweine) leistet der Bund die Entschädigungen für Tierverluste. Im Kastenist aufgezeigt, wann es Entschädigungen gibt für Tierverluste.Da ein ASP-Ausbruch nebst den Tierverlusten Folgeschäden mit sich zieht, gibt es die Möglichkeit, den Ertragsausfall zu versichern, was mit der Epidemieversicherung bei der AXA möglich ist.

Betroffene Betriebe erhalten, je nach Einstufung der Seuche, Unterstützung vom Bund oder Kanton plus zusätzlich Entschädigung durch die Versicherung, falls sie gegen die eingetretene Gefahr versichert sind. Die AXA vergütet nur denjenigen Anteil an den Kosten, der nicht anderweitig versichert ist (Subsidiär-Deckung). Gemäss Aussage von Robert Wyss von AXA wird im Falle ASP mit einem entfal lenen Deckungsbeitrag von einem Jahr gerechnet, der mit der Versicherung entschädigt würde. Mit der aktuellen Lage der ASP mache es auf jeden Fall Sinn, einen Abschluss zu prüfen. Dies muss aber zeitnah erfolgen, denn sobald die Seuche zu nahe an der Schweiz ist, kann die Versicherung nicht mehr abgeschlossen werden. «Wir prüfen die Situation regelmäs sig. Bei einem Ausbruch der ASP in einem direkt angrenzenden Nachbarland, werden wir den Abschluss der Versicherung sperren müssen», so Wyss.

Jeder Betrieb muss sich schützen

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Nicht nur das Stiefel wechseln, sondern auch Wechseln der Kleider, Hände waschen und ein Desinfektionsbad gehören zu einer Hygieneschleuse.

(Bild: UFA AG)

Jeder einzelne Schweinebetrieb muss die nötigen Biosicherheitsregeln einhalten. Nicht nur Zuchtbetriebe, sondern auch Schweinemastbetriebe müssen sich schützen. Das Umsetzen von Hygienemassnahmen kostet den Landwirt und die Angestellten zwar Zeit, das ist aber nichts gegenüber den Verlusten bei einem Ausbruch einer Seuche. Nicht nur betreffend ASP, sondern auch zum Schutz vor weiteren Krankheiten müssen die Hygienemassnahmen umgesetzt werden. Im Kasten untensind die Massnahmen aufgelistet, die vom BLV empfohlen werden, um den Betrieb vor ASP zu schützen.

Schützen Sie Ihre Schweine durch Einhalten folgender Biosicherheitsregeln:

  • Verfüttern Sie keine Speisereste an Ihre Schweine. 
  • Achten Sie auf eine strikte Zutrittskontrolle für betriebsfremde Personen (z.B. Fahrer von Transportfahrzeugen, Berater, Kontrolleure oder Tierarzt). 
  • Betreten Sie beziehungsweise Ihr Betriebspersonal den Stall nur über eine Hygieneschleuse, inklusive Anziehen stalleigener Kleidung und Stiefel; dies gilt für jede Person mit Stallzutritt. 
  • Schulen Sie auch sämtliche Mitarbeiter des Betriebs. Verschiedene Informationsmaterialien sind auf der Webseite des BLV erhältlich. 
  • Beziehen Sie keine Futtermittel aus ASP-betroffenen Gebieten. 
  • Verhindern Sie jeden Kontakt Ihrer Hausschweine mit Wildschweinen durch: Doppelte, sichere Umzäunung der Ausläufe, unzugängliche Lagerung von Futter und Einstreu etc. 
  • Ziehen Sie bei Anzeichen fieberhafter Allgemeinerkrankungen in Ihrem Schweinebestand den Bestandstierarzt bei. Dieser kann eine Ausschlussuntersuchung auf ASP einleiten.

Quelle BLV

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