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Nutztiere

Bio-Ferkel: Absetzen, aber wie?

Die Ferkelaufzucht ist eine grosse Herausforderung in der Bio-Schweinehaltung. Die heikle Phase des Absetzens der Ferkel von der Muttersau führt oft zu Einbussen und Tierverlusten. Mit optimaler Fütterung und angepasstem Management kann entscheidend dazu beigetragen werden, die kritische Absetzphase erfolgreich zu gestalten.

Damit Aufzuchtferkel gesund und frohwüchsig sind, müssen sie vor und während dem Absetzen gut unterstützt werden.

Damit Aufzuchtferkel gesund und frohwüchsig sind, müssen sie vor und während dem Absetzen gut unterstützt werden.

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Schweinespezialist, UFA AG

Aus Sicht der Ferkel birgt die Absetzphase vor dem erfolgreichen Start ins Leben ohne Mutter etliche Hürden. Die Verdauung der Ferkel ist nach der Geburt auf Milch ausgerichtet. Mit einer angepassten Fütterung lernen die Tiere mit Festnahrung und ohne Milch auszukommen. Ein abruptes Umstellen stellt die Tiere vor grosse Schwierigkeiten und kann zu Verdauungsproblemen und Durchfall führen. Weiter fehlt die Mutter als Rhythmusgeberin für die Futteraufnahme der Ferkel. Dies führt zu weniger häufigen, dafür aber grösseren Mahlzeiten. Dadurch kann der Magen-Darm-Trakt überladen werden, was schliesslich Verdauungsschwierigkeiten hervorruft. Zusätzlich fehlt ohne Muttermilch die gewohnte Quelle zur Flüssigkeitsaufnahme. Dies hat zur Folge, dass ihr Immunsystem geschwächt ist.

Neben dem Umstellen auf Festfutter bringen weitere Veränderungen Stress für die Ferkel. Das unfreiwillige Trennen von der Mutter führt zu Verunsicherung. Auch die neue Umwelt bei der Umstallung und neue Buchtengenossen führen zu psychischem und physischem Stress durch Rangkämpfe und erhöhten Keimdruck. Diese Faktoren gilt es, durch Managemententscheidungen möglichst dem Tier angepasst einzustellen, damit eine erfolgreiche Absetzphase gewährleistet werden kann.

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Katrin und Urs-Peter Wymann in ihrem Bio-Abferkelstall in Grünenmatt.

(Bild: Eva Studinger)

Die Familie von Urs-Peter und Katrin Wymann betreibt nun im vierten Jahr Schweinezucht gemäss Bio Suisse Richtlinien in einem Abferkelring. Zuvor haben sie nach den CNf-Richtlinien produziert. Nebst den Schweinen haben sie 18 Milchkühe. Über die Umstellung auf die biologische Produktion hat sich das Ehepaar Wymann schon einige Jahre Gedanken gemacht. Mit der Gründung des ersten Bio-Abferkelringes durch UFA und Anicom ergab sich diese Chance. Die grösste Veränderung war der Auslauf. Ansonsten musste nicht viel angepasst werden. Da der Abferkelstall auf der einen Seite direkt an den Aufzuchtstall grenzt, konnte nur bei der Hälfte der 16 Buchten ein Auslauf gebaut werden. Deshalb werden die Sauen mit ihren Ferkeln drei Wochen nach dem Abferkeln umgestallt und erhalten von da an Auslauf. Dies bedeutet für die Familie Wymann aber zusätzlicher Aufwand, denn alle vier Wochen gehen acht Sauen zurück auf den Deckbetrieb. Diese Buchten werden gewaschen, die anderen acht Sauen in diese Buchten umgestallt, und anschliessend werden die leeren Buchten auch noch gewaschen.

Die Ferkel werden ab etwa einer Woche am Boden vor dem Ferkelnest mit einem Starterfutter angefüttert. Ab der vierten Woche erhalten sie das Futter in einem Trog, der zwei Mal täglich gefüllt wird. «Das Futter muss immer frisch sein, denn sobald es nach Stall riecht, fressen es die Ferkel nicht mehr so gut», erklärt Katrin Wymann, die hauptsächlich für die Stallarbeiten im Schweinestall zuständig ist. Der Aufzuchtstall hat 135 Plätze, aufgeteilt in sechs Buchten. Beim Absetzen werden die Ferkel nach Entwicklung und Grösse in Gruppen eingeteilt.

Auf die Frage, was denn die grösste Herausforderung sei bei der Bio-Ferkelaufzucht, antwortet Katrin Wymann: «Das Absetzen ist wirklich eine sehr grosse Herausforderung, da im Gegensatz zur konventionellen Produktion keine Säurezusätze eingesetzt werden dürfen.» Deshalb haben Wymanns auch schon vieles ausprobiert. Ab einer Woche vor dem Absetzen bis etwa zehn Tage danach wird ein Gemisch aus dem Ferkelfutter, Wühlerde, Pflanzenkohle und der Absetzspezialität UFA 391, welche die Ferkel mit Milchsäurebakterien und Vitaminen unterstützt, vorgelegt. Dadurch soll die Gefahr von Durchfall gesenkt werden. Bis jetzt haben sie damit gute Erfahrungen gemacht.

Auch setzen Wymanns auf vorbeugende Mittel. «Beim Absetzen setze ich manchmal homöopathische Mittel ein», so Katrin Wymann. «Wir probieren immer wieder etwas aus, um die Ferkel erfolgreich abzusetzen und um sie gesund zu erhalten.» Die Wirkung dieser Produkte sei natürlich schlecht messbar, da noch viele andere Faktoren eine Rolle spielen. Doch Katrin ist sich sicher, dass diese die Tiergesundheit positiv beeinflussen.

Gemäss Urs-Peter Wymann sind die Temperatur im Stall sowie die Wasservorlage zwei sehr wichtige Aspekte. Wymanns Schweinestall ist relativ alt und daher nicht so gut isoliert. Während den ersten Tagen nach dem Absetzen wird der Stall deshalb auf etwa 25 °C geheizt. Im Nest haben die Ferkel zudem eine Wärmelampe, denn die Ferkel dürfen beim Liegen keine Wärme verlieren. Sie achten auf frisches, sauberes Wasser mit genügend Durchfluss und nicht zu hohem Druck, damit die Ferkel genug Flüssigkeit aufnehmen.

Sanfte Übergänge beim Füttern

Das richtige Anfüttern der Ferkel kann die Gesundheit stark beeinflussen. Ziel muss es sein, den Verdauungstrakt und dessen Enzyme durch langsames Gewöhnen an das Festfutter nicht zu überfordern. Besonders wichtig ist es, zwischen den Phasen für sanfte Übergänge zu sorgen. Die Richtlinien in der Bio-Schweinehaltung unterstützen diese Vorgänge. Die Mindestsäugezeit von 42 Tagen gibt den Ferkeln einen längeren Zeitraum für das Anpassen an die neue Art der Nahrungsaufnahme und für die Entwicklung des Immunsystems.

Das bedingt aber, dass schon früh nach der Geburt Starterfutter zum Einsatz kommt.

Ein Vermischen mit Aufzuchtfutter vor oder eine Woche nach dem Absetzen gewährt einen fliessenden Übergang. Zusätzlich kann das Anbieten von Wühlerde, die das natürliche Wühlverhalten animiert, einen reibungslosen Übergang von Milch auf Festfutter stimulieren.

Nach dem Absetzen soll die Fütterung auf drei bis fünf Mahlzeiten pro Tag aufgeteilt werden. Die häufige, rationierte Futtervorlage erhöht dessen Attraktivität und trägt dazu bei, dass keine Hungerphase eintritt. Dadurch entsteht kein Überfressen der Ferkel und der Nährboden für krankmachende Coli-Keime fehlt. Um Krankheiten vorzubeugen, ist neben dem richtigen Anfüttern der Ferkel zur Stärkung ihres Immunsystems der freie Zugang zu frischem, idealerweise temperiertem Wasser essenziell.

Tipps für gute Ferkelgesundheit

• Frühes Anfüttern fördert eine gesunde Verdauung

• Weniger Haltungsstress fördert Immunität

• Alternative Heilmittel müssen gezielt angewendet werden

Weitere Managemententscheidungen können zum erfolgreichen Absetzen beitragen. Nach dem Absetzen auftretender psychischer und physischer Stress kann minimiert werden, indem die Ferkel schon während der Säugezeit mit ihren späteren Gruppenkollegen konfrontiert werden. Dies kann zum Beispiel durch Gruppenabferkeln, Gruppensäugen oder im Ferkelschlupf praktiziert werden. Nach dem Absetzen ist es unerlässlich, den Ferkeln einen trockenen, eingestreuten und zugluftfreien Liegebereich zur Verfügung zu stellen. Dieser muss mit einer Wärmequelle ausgerüstet sein und konstante Temperaturen zwischen 20 bis 25 °C liefern. Das Liegeverhalten der Tiere muss regelmässig überprüft werden, damit bei Haufenlage die Temperatur im Liegebereich erhöht werden kann. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass im Stall ausreichend frische und staubfreie Luft vorhanden ist.

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Bereits mit dem Alter von einer Woche ist es wichtig, die Ferkel neben der Muttermilch schon mit einem Ferkelstarter anzufüttern.

(Bild: Eva Studinger)

Alternativen zu Antibiotika

Nicht immer ist ein Einsatz von Antibiotika notwendig. Bei rechtzeitigem Eingreifen, zum Beispiel bei dünnem Kot, können Aufgüsse mit verdauungsfördernden Kräutern die Ferkel unterstützen, bevor die krankmachenden Keime im Verdauungstrakt Überhand nehmen. Diverse Betriebe setzen auch Homöopathika ein. Die Wirksamkeit der Präparate setzt jedoch vitale Ferkel und sichere und aussagekräftige Diagnosen eines Tierarztes voraus. Daher wird vor einer homöopathischen Behandlung am besten das Management mit dem Tierarzt analysiert und gegebenenfalls optimiert.

Damit die kritische Absetzphase erfolgreich gestaltet werden kann und weniger Abgänge resultieren, gilt es, früh Anzufüttern und etliche Managemententscheidungen zum Wohle der Tiere zu fällen. Es gibt keine gesamtheitliche Lösung, sondern jeder Betrieb hat seine Eigenheiten, welche bei den Entscheidungen miteinbezogen werden müssen, um erfolgreich Bio-Schweinehaltung zu betreiben. 

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