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Nutztiere

Mastschweine vollständig mit Bio-Rohwaren füttern

Seit dem 1. Januar 2022 gelten für Bio-Schweinemastbetriebe neue Fütterungsvorschriften. Die Mastfutter müssen zu 100 Prozent aus biologischen Rohwaren bestehen. Das beeinflusst die Futterzusammensetzung und führt zu Gehaltsänderungen.

100 Prozent Bio-Rohwaren: Das gilt für Bio-Mastschweine seit dem 1. Januar 2022. In einem Jahr gilt diese Regel für alle Bio-Schweine ausser für Ferkel.

100 Prozent Bio-Rohwaren: Das gilt für Bio-Mastschweine seit dem 1. Januar 2022. In einem Jahr gilt diese Regel für alle Bio-Schweine ausser für Ferkel.

(Bild: Peter Röthlisberger)

Publiziert am

Leiter Schweineproduktionsprogramm, UFA AG

Ressortleiterin Forschung und Versuche, UFA AG

Ab 2023 tritt seitens der Bioverordnung des Bundes die Regelung in Kraft, dass Schweine zu 100 Prozent mit Bio-Rohwaren gefüttert werden müssen. Der Labelgeber und die Branche haben sich dazu entschieden, diesen Schritt in der Bio-Schweinemastfütterung bereits per 1. Januar 2022 zu vollziehen. Somit fällt der Einsatz von fünf Prozent konventionellen Futterkomponenten in der biologischen Schweinemastfütterung weg.

Kein Kartoffelprotein mehr

Die fünf Prozent konventionellen Komponenten im Bio-Schweinemastfutter bestanden bisher hauptsächlich aus Kartoffelprotein. Diese Rohware zeichnet sich durch einen sehr hohen Proteingehalt und ein ausgeglichenes und hochverdauliches Aminosäurenmuster aus. Ein Manko an Aminosäuren aus den vorhandenen Bio-Rohwaren kann dadurch kompensiert werden. Dies ermöglicht eine optimale Mastleistung und einen Schlachtkörper mit einem markttauglichen Magerfleischanteil (MFA). Gleichzeitiger Vorteil ist der tiefe Fettgehalt und der dadurch tiefe Anteil an einfach (MUFA) und mehrfach (PUFA) ungesättigten Fettsäuren. Diese Parameter bestimmen die Fettqualität im Schlachtkörper. Je höher der Anteil an MUFA und PUFA ist, desto weniger stabil ist das Körperfett, weshalb es schneller oxidiert. Das Risiko des Abzugs wegen erhöhten PUFA- und Jodzahlen im Schlachthof steigt. Aktuell ist Kartoffelprotein in Bio-Qualität auf dem Markt nicht verfügbar und eine gleichwertige Alternative ist nicht vorhanden. Der Einsatz von synthetisch hergestellten (isolierten) Aminosäuren ist vom Labelgeber nicht zugelassen, womit die beiden grossen Vorteile des Kartoffelproteins in den Rezepturen verloren gehen.

Aktuell ist Kartoffelprotein in Bio-Qualität auf dem Markt nicht verfügbar.

Konsequenzen in den Rezepturen

Leguminosen (Erbsen und Ackerbohnen) und Kuchenprodukte (Soja und Raps) der Speiseölgewinnung stehen als Alternative zur Verfügung. Keine dieser Produktegruppen erfüllt aber die kombinierten Vorteile von Kartoffelprotein. Für die biologische Schweinefütterung sind Ölkuchen eigentlich prädestiniert. Dank ihrer hohen Proteinqualität und ihrer Nachhaltigkeit als Nebenprodukt der Lebensmittelherstellung passen sie gut in ein Bio-Mastfutter. Das gute Aminosäurenmuster der Kuchenprodukte wird aber durch den hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren und die vorhandenen Fettqualitätsgrenzen im Schlachtkörper relativiert. Dies schränkt den Einsatz ein. Umgekehrt verhält es sich bei den Leguminosen. Bezüglich Fettsäurenmuster können sie in grossen Anteilen eingesetzt werden. Es ergibt sich aber ein Manko bei den Aminosäuren, insbesondere beim Methionin. Ein negativer Einfluss auf die Fleischigkeit der Schlachtkörper ist dadurch nicht auszuschliessen. Die Umstellung bei den künftig zur Verfügung stehenden Rohkomponenten für Bio-Mastschweine macht Anpassungen bei den Futtergehalten unumgänglich. Ziel der Futterzusammenstellung ist die möglichst optimale Versorgung der Bio-Mastschweine mit Energie, Protein/Aminosäuren und Mineralstoffen für die verschiedenen Mastabschnitte.

Neues Bio-Schweinefuttersortiment

Die neuen Gehalte des Bio-Schweinemastsortiments ab 2022 sind jetzt hier online abrufbar.

Im Jahr 2021 gekauftes Bio-Futter darf noch eingesetzt werden.

Spagat zwischen Fett- und Fleischqualität

Die Balance zwischen Fett- und Fleischqualität konnte bis jetzt noch nicht gefunden werden. Im gemeinsamen Projekt «Bioschwein 100.0» von Agroscope, Suisag und HAFL wurde ein Mastversuch auf vier Praxisbetrieben durchgeführt. Es wurde jeweils das gleiche 100-Prozent-Bio-Futter mit dem aktuellen 95-Prozent-Bio-Futter verglichen. Alle Versuchsgruppen gerieten in die Abzugsstufen für die Fettqualität. Obwohl auf allen vier Betrieben das gleiche Futter getestet wurde, waren die PUFA- und Jodzahlen sehr unterschiedlich zwischen den Betrieben. Dies zeigt, dass neben dem Futter weitere Einflussgrössen auf die Fettqualität vorhanden sind (siehe «Unser Tipp»). Es ist somit zu erwarten, dass der Anteil Schlachttiere mit Abzügen ab März 2022 ansteigen wird. Die Verarbeitungsversuche im Projekt «Bioschwein 100.0» haben jedoch gezeigt, dass Produkte aus Rückenspeck mit hohem PUFA-Wert (18,3) ohne Schwierigkeiten und ohne Qualitätseinbussen hergestellt werden können. Auch bei den Sensorik-Untersuchungen und der Konsumentenstudie liessen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Varianten feststellen. Die ganze Branche ist daher gefordert, den diversen Ansprüchen in der Gesamtkette vom Labelgeber bis hin zu den Konsumenten gerecht zu werden.

Angepasste Abzugsmaske als Übergangslösung

Die Abnehmer der Schlachttiere haben ab dem 1. März 2022 ihr Abzugsschema für Bio-Schweinefleisch mit erhöhten Fettqualitätsparametern vorerst während zweier Jahre zugunsten einer 100-Prozent-Bio-Fütterung angepasst. So besteht für Produzierende, Futtermühlen und Verarbeitungsbetriebe die Möglichkeit, weitere Erfahrungen mit der 100-Prozent-Bio-Fütterung zu machen und diese zu optimieren. 

Unser Tipp

Schnell erkennen und handeln

  • Die konsequente Phasenfütterung nutzt das Potenzial für den Körperansatz der Tiere in den einzelnen Mastabschnitten ideal.
  • Geschlechtsgetrennte Mast lässt eine gezielte Fütterung zu.
  • Das richtige Endgewicht beeinflusst die Schlachtkörperzusammensetzung positiv.
  • Nur gesunde, wurmfreie Tiere in einem optimalen Stallklima erbringen die erwünschten Leistungen.

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