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Nutztiere

Hilfe vom Tierarzt: Was tun gegen Vogelmilben?

Ich habe in meinem Legehennenstall schon seit Februar wieder sehr viele Vogelmilben. Warum ist das so und wie kann ich behandeln?

Landwirt R.V.

Huhn_Röthlisberger
(Bild: Peter Röthlisberger)

Publiziert am

Aktualisiert am

Tierärztin bei GalliVET

Die rote Vogelmilbe ist extrem widerstandsfähig. Sie überlebt ein Jahr ohne Blutmahlzeit und kann dabei Temperaturen zwischen – 25 °C und + 45 °C aushalten. Für ihre Vermehrung braucht die Milbe aber mindestens 15 °C. Bei optimalen Temperaturen liegt die Generationsdauer bei ungefähr sieben Tagen. Die Entwicklung der Vogelmilbe vollzieht sich über ein Larven- und zwei Nymphenstadien zur reifen Milbe. Der letzte Februar war extrem warm, weshalb sich die Milbe schon früh vermehren konnte.

Bekämpfungsmethoden

Eine gängige Art der Milbenbekämpfung ist der Einsatz von Silikatstaub. Diese Methode zählt zu den biophysikalischen Bekämpfungen. Die Silikate werden vor dem Einstallen auf die Einrichtung aufgebracht. Das Pulver trocknet die Milben aus.

Zu den chemischen Mitteln zählen die Kontaktinsektizide. Diese werden auf die Stalleinrichtung aufgesprüht. Sobald die Milbe das Mittel berührt, kommt es zu einer Lähmung ihres Atemzentrums. Gegen Insektizide entwickeln die Milben schnell eine Resistenz. Mit Fluralaner gibt es auch ein Insektizid, das man über das Trinkwasser geben kann. Dieser Wirkstoff reichert sich im Blut des Huhns an. Nimmt die Milbe dieses Blut auf, stirbt sie. Milbeneier und Larven saugen kein Blut, deshalb wird nach sieben Tagen noch einmal behandelt. Voraussetzung für die Unterbrechung des Milbenzyklus ist eine Mindesttemperatur von 18 °C. Bei niedrigeren Temperaturen ist der Zyklus verlangsamt: Die Larven schlüpfen erst später, zudem ist der Wirkstoffspiegel im Huhn zu niedrig, um die Population abzutöten. Repellentien (meist Pflanzenextrakte) sollen den Geruch des Huhns verändern. Sie werden ebenfalls über das Trinkwasser gegeben.

Der Einsatz von Raubmilben ist eine biologische Bekämpfungsmethode. Sie fressen die rote Vogelmilbe in allen Entwicklungsstadien vom Ei bis zum adulten Tier. Die Stalltemperatur muss mindestens 12 °C betragen und zu beachten ist, dass die Raubmilben nässeempfindlich sind.

Unabhängig von der Aussentemperatur sind physikalische Bekämpfungsmethoden. Dazu zählen das Erhitzen des Stalls auf über 45 °C, der Einsatz von elektromagnetischen Schwingungen oder stromführenden Drähten unter den Sitzstangen, sowie das Einstreichen der Sitzstangen mit Öl. Durch den öligen Film auf den Sitzstangen werden die Milben bei der Fortbewegung stark behindert. Ausserdem verschliesst das Öl die Atemöffnungen der Milben.

Vogelmilbe immer bekämpfen

Ein Befall mit der roten Vogelmilbe sollte immer bekämpft werden, zum einen aus Gründen des Tierschutzes und um wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. Nicht jede Methode ist für jeden Stall in jeder Jahreszeit geeignet. Einschränkungen bestehen vor allem in der kalten Jahreszeit. Gleichzeitig mit der Bekämpfung sollten Biosicherheitsmassnahmen durchgeführt werden, damit eine Reinfektion vermieden wird.

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