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Nutztiere

Gibt es eine optimale Zwischenkalbezeit?

Die Zwischenkalbezeit prägt den Reproduktionserfolg genauso wie Kondition, Milchleistung und Tiergesundheit. Ob kurz oder lang, entscheidend ist, was zur Kuh und zum Betrieb passt. Zwei Praxisbeispiele zeigen, wie beide Strategien in der Praxis erfolgreich sind.

Die optimale Zwischenkalbezeit ist sehr betriebsspezifisch. 

Die optimale Zwischenkalbezeit ist sehr betriebsspezifisch. 

(UFA AG)

Publiziert am

Agronomin Marketing, UFA AG

Ressortleiter Rindvieh, UFA AG

Die Fruchtbarkeit ist ein zentraler Pfeiler der Milchproduktion. Sie entscheidet, wie regelmässig Kühe tragend werden und abkalben. Die Zwischenkalbezeit (ZKZ), also der Zeitraum zwischen zwei Abkalbungen, dient dabei als wichtige Kennzahl. Lange galt ein Kalb pro Kuh und Jahr als Ideal. Heute zeigt sich jedoch, dass die optimale ZKZ von Tier zu Tier und von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein kann. Faktoren wie Persistenz, Gesundheitsstatus, Milchleistung, Körperkondition und Fütterung bestimmen, welche Strategie passt. Auch betriebliche Rahmenbedingungen, zum Beispiel die Alpung oder die Arbeitsorganisation, beeinflussen die Wahl der Strategie.

Bei Milchleistungen bis etwa 9000 kg pro Jahr bringt eine kurze ZKZ von rund 340 bis 370 Tagen oft den höchsten Deckungsbeitrag. Häufigere Abkalbungen bedeuten mehr Laktationen, mehr Kälber und eine hohe Auslastung des Stallplatzes. Gleichzeitig steigt jedoch die Belastung rund um Geburt und Transitphase, mit höherem Risiko für Stoffwechsel- und Gesundheitsprobleme.

Mit Milchleistungen über 10 000 kg verschiebt sich das rein wirtschaftliche Optimum der Zwischenkalbezeit. Verlängerte Zwischenkalbezeiten von 401 bis 430 Tagen können dann vorteilhaft sein, wenn die Persistenz hoch ist. Dafür ist die passende Genetik entscheidend. Durch die spätere Besamung ist die Energieversorgung der Tiere meist gesichert, was den Besamungserfolg verbessern kann. Mehr Aufmerksamkeit benötigt jedoch die Körperkondition gegen Laktationsende, da Kühe in dieser Phase rasch verfetten können. Eine Ration mit ausreichend schnell verfügbaren Kohlenhydraten und Proteinen wirkt dem entgegen.

Beide Modelle, ob kurze oder lange Zwischenkalbezeit, funktionieren in der Praxis. Lange ZKZ schneiden wirtschaftlich oft besser ab, vor allem bei hohen Leistungen und guter Persistenz. Kürzere Zwischenkalbezeiten können jedoch genauso erfolgreich sein, wenn Fütterung, Kondition und Transitmanagement gut umgesetzt werden.

Aus der Praxis

Kurze Zwischenkalbezeit dank starkem Fütterungsmanagement

Pirmin und Adrian Rogger melken rund 85 Holstein-Kühe mit zwei Robotern. Mit 12 482 kg Herdendurchschnitt und einer Zwischenkalbezeit von 381 Tagen erreicht der Betrieb tiefe ZKZ, ohne diese gezielt anzustreben. Die Kühe werden in der Regel rund 30 Tage nach dem Kalben zum ersten Mal brünstig. Zwei bis drei Zyklen später, also bereits mit ungefähr 70 Tagen, werden sie belegt. «Wenn die Kühe die Brunst gut zeigen und die Gebärmutter in Ordnung ist, sehe ich keinen Grund zu warten», sagt Pirmin Rogger. Ein Vorteil für ihn ist, dass die Kühe durch die kürzere Zwischenkalbezeit gegen Ende der Laktation nicht verfetten. Dadurch treten rund um die Kalbung und zu Beginn der Laktation weniger Stoffwechsel- und Gesundheitsprobleme auf. Basis des Systems ist eine Mischration aus Dürrfutter, Luzerne, Gras-, Maiskolben- und Maissilage sowie Zuckerrübenschnitzel. In der Galtphase wird die Ration mit Häckselstroh verdünnt, dazu kommen saure Salze zur Milchfieberprävention. So kalben die Tiere gut, nehmen rasch viel Trockensubstanz auf und kommen schnell wieder in Brunst. Die grösste Herausforderung im System ist die kontinuierlich stabile Fütterung. Eine sichere Energieversorgung und ein gut geführtes Galtphasenmanagement sind zentral, damit Stoffwechsel, Fruchtbarkeit und Kondition im Gleichgewicht bleiben.

Aus der Praxis

Längere Zwischenkalbezeit dank hoher Persistenz

Auf dem Betrieb von Samuel Haslebacher werden rund 65 Holstein- und Red-Holstein-Kühe mit einem Melkroboter gemolken. Die Herde erzielt 11 000 kg Milch pro Kuh und Jahr bei einer bewusst verlängerten Zwischenkalbezeit von 429 Tagen. Das System funktioniert, weil die Kühe persistent Milch geben und die Leistungen auch gegen Ende der Laktation noch hoch sind. Gefüttert wird eine Mischung aus Heu, Gras- und Maissilage, Zuckerrübenschnitzeln und Malz. Die Galtkühe werden im Sommer geweidet, im Winter erhalten sie eine Mischung aus Heu, Ganzpflanzensilage, Herbstsilage und etwas Mais. Die erste Brunst tritt meist rund 60 Tage nach der Abkalbung auf, besamt wird jedoch zwei bis drei Zyklen später. Hochleistende Tiere werden zum Teil bis zum 150. Tag nicht belegt. «Seit wir etwas später besamen, ist die Fruchtbarkeit besser geworden», sagt Samuel Haslebacher. Besonders Erstkalbinnen zeigen hohe Persistenzen und teils sogar steigende Milchmengen im Laktationsverlauf. «Man soll die Milch nehmen, solange sie sie geben», fasst er zusammen. Die grösste Herausforderung auf dem Betrieb bleibt für Haslebacher die Gefahr der Überkonditionierung gegen Laktationsende. Um dem vorzubeugen, werden Kühe mit einer Tendenz zur raschen Verfettung früher besamt.

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