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Nutztiere

Kuhsignale: Jetzt kommen die Kühe zu Wort

Geht es meinen Kühen gut? Muss ich Haltungsbedingungen oder Abläufe anpassen? Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Tiere beobachten und Signale richtig interpretieren, kennen die Antwort. Kuhsignale zu erkennen, hilft, richtig zu handeln.

Kuhsignale: Jetzt kommen die Kühe zu Wort
(zvg)

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Inhaber kuhsignale.ch

Quer gelesen

  • Genaues Beobachten der Herde liefert wichtige Hinweise, ob Stall, Haltung und Abläufe passen.
  • Gesunde Tiere verursachen weniger Aufwand, tiefere Kosten und machen mehr Freude.
  • Bereits kleine Änderungen bei Liegeboxen, Laufwegen oder Melkbereichen erhöhen Komfort und Leistung deutlich.

Die Arbeit als Kuh-Signal-Berater dreht sich um Fragen wie: «Wäre ich in diesem Stall gerne die schwächste Kuh? Würde ich hier gerne arbeiten?» Sei es bei einer Beratung, um einen bestehenden Stall zu optimieren, oder die Begleitung bei einem Um- oder Neubau: Menschen und Tier müssen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Ein Betriebsbesuch beginnt mit einem Blick in die Herde. Es geht darum, möglichst schnell fast alles zu sehen. Ein frischer Blick von aussen, etwa durch einen Nachbarn oder Berufskollegen, hilft, Auffälligkeiten im Stall zu erkennen. Erste Hinweise ergeben sich aus folgenden Beobachtungen:

  • Wie ist die Herde im Stall verteilt?
  • Sind die Kühe aufmerksam und neugierig?
  • Stehen sie gleichmässig auf allen vier Füssen und bewegen sie sich normal?
  • Gibt es Auffälligkeiten an der Wirbelsäule, an den Rippen oder an den Gelenken?
  • Ist der Pansen gut gefüllt und die Kotkonsistenz normal?
  • Sind die Tiere sauber? Wo sind sie vor allem verschmutzt?
  • Liegen die Kühe schmerzfrei und entspannt?
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Ein breiter Ausgang und temperiertes Wasser können Roboterbesuche fördern.

(Bild: zvg)

Gesunde Tiere machen Freude

Landwirtinnen und Landwirte, die gezielt in die Tiergesundheit investieren, verbessern das Wohl der Tiere und stärken die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Gesunde Kühe verursachen weniger Arbeit und Kosten, benötigen seltener Behandlungen, fressen besser, leisten mehr und bleiben länger im Bestand. Gesunde Tiere sehen zudem besser aus, was sich gut auf das Image des Betriebs auswirkt. Ein Aspekt wird oft unterschätzt: Gesunde Tiere bringen nicht nur mehr Leistung, sondern auch mehr Freude an der täglichen Arbeit. Wer im Stall seltener mit Problemen konfrontiert ist, erlebt den Arbeitsalltag deutlich entspannter.

Kuhsignale wahrnehmen

Positive Kuhsignale wie beispielsweise saubere, ruhige Tiere, ein gut gefüllter Pansen oder eine normale Kot Konsistenz zeigen, dass vieles im Stall und bei der Betreuung passt. Solche Rückmeldungen der Kühe muss der Tierhalter als Wertschätzung und Dankbarkeit erkennen und geniessen. Will sich der Betrieb weiterentwickeln, muss der Landwirt oder die Landwirtin kritische Signale erkennen und hinterfragen: Warum kommen die Kühe nicht gerne zum Melken? Warum legen sie sich erst nach einigen Minuten in die Liegebox? Warum entlasten viele Kühe den Fuss hinten rechts? Solche Signale zeigen, dass Anpassungen not wendig sind. Kühe simulieren nicht und deswegen sind ihre Signale sehr zuverlässig.

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Liegen die Kühe schmerzfrei und entspannt?

(Bild: zvg)

Kühe zeigen zuverlässig, wo im Stall Handlungsbedarf besteht.

Kleine Änderung, grosse Wirkung

Einige Zentimeter können für Kühe die Welt bedeuten. Es geht nicht darum, alles zu drehen und zu verändern. Details haben oft eine grosse Wirkung. Ist beispielsweise das Nackenband am richtigen Ort, reduziert das den Aufwand bei der Boxenpflege. Durch die Verlängerung der Liegefläche legen sich Kühe zügiger hin, da sie sowohl an den Karpal gelenken als auch am Hüft- oder Sitzbeinhöcker weniger mit dem Bug- oder Kotholz in Kontakt kommen. Bei der Fütterung geht es oft um die Frage, weshalb die Kuh nicht genügend Trockensubstanz aufnimmt. Die Rationen auf den Schweizer Betrieben sind meist qualitativ hochstehend und homogen gemischt. Mögliche Gründe sind fehlende Fressplätze, zu selten angeschobenes Futter, glatte Böden im Fressgang, ungünstig platzierte Tränken oder eine ungenügende Klauengesundheit. Insbesondere bei der Klauengesundheit liegt Potenzial: Ein ruhiger Umgang mit den Tieren, griffige Böden, das Entfernen von Unebenheiten sowie gezielt eingesetzte Gummibeläge können die Situation deutlich verbessern. Ebenso trägt eine der Klauenanatomie angepasste Klauenpflege wesentlich zur Tiergesundheit bei.

Abläufe ums Melken optimieren

Auch bei Melkständen und Melkrobotern gibt es Schwachstellen: Oft sind Ein- und Ausgänge nicht kuhgerecht gestaltet. Kühe mögen keine schmalen Durchgänge und engen Kurven. Engstellen schmerzen an den Rippen und bei engen Drehungen wirken hohe Scherkräfte auf die Klauen und Gelenke. Grundsätzlich gilt es zu hinterfragen, warum die vorderste Kuh nicht gerne in den Melkstand kommt. Wird sie nach dem Melken allenfalls von den nachfolgenden Tieren durch einen zu engen Ausgang gedrängt?

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