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Nutztiere

Blauzungenvirus beim Rind – was haben wir gelernt?

Seit Herbst 2024 zirkuliert das Blauzungenvirus in der Schweiz. Mit den Serotypen BTV-3 und BTV-8 ist die Krankheit inzwischen landesweit präsent, weitere Varianten drohen. Für Wiederkäuerhalter bedeutet dies erhöhte Wachsamkeit und konsequente Prävention.

Blauzungenvirus beim Rind – was haben wir gelernt?
(Nicole Matt)

Publiziert am

Med. vet. Ruth Sigerist, Vizepräsidentin Schweizer Kälbergesundheitsdienst (KGD)

Mit steigenden Temperaturen werden die übertragenden Gnitzen wieder aktiv und erhöhen das Ausbreitungsrisiko. Zudem besteht aufgrund der Lage in den Nachbarländern ein Risiko für einen Eintrag weiterer Serotypen, insbesondere von BTV-4.

So wirkt das Virus im Tier

Die Blauzungenkrankheit ist eine Viruserkrankung der Wiederkäuer. Übertragen wird das Virus durch Gnitzen, eine kleine Mückenart. Ihre Aktivität im Jahres verlauf bestimmt massgeblich die Dynamik der Erkrankung. Wird ein Wiederkäuer von einer infizierten Gnitze gestochen, vermehrt sich das Virus zuerst in den Lymphknoten, gelangt anschliessend über das Blut in die Gefässwände, wo es sich weiter ausbreitet und Entzündungen verursacht. Durch die Entzündung werden die Gefässe undicht oder verstopfen. In der Folge treten Ödeme auf und Gewebe stirbt ab, was zu Wunden im Maul, an Zitzen oder am Kronsaum führt. Aus züchterischer Sicht ist besonders tückisch, dass BTV-3 und BTV-8 plazentagängig sind und somit die Schranke zwischen Muttertier und ungeborenem Kalb überwinden können. Je nach Trächtigkeitsstadium des in fizierten Muttertieres kommt es zu Umrindern, Aborten, Missbildungen oder zur Geburt lebensschwacher Jungtiere.

Unspezifische Symptomatik

Beim Rind äussert sich die Blauzungenkrankheit meist mit unspezifischen, aber wirtschaftlich relevanten Symptomen. Die Milchleistung sinkt schlagartig ab. Kronsaum- und Lederhautentzündungen führen zu Lahmheiten und Klauenproblemen. Es kommt zu Fruchtbarkeitsproblemen und Kälberverlusten. Die Sorgenkinder im Kälberstall sind die sogenannten dummen Kälber. Sie zeigen Koordinationsstörungen, sind blind oder können nur mit grosser Unterstützung trinken.

Impfung als wirksame Schutzmassnahme

Die zweifache Impfung ist die einzig wirksame Massnahme, um Tiere vor einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen. Es bestehen keine Kreuzimmunitäten zwischen den verschiedenen Serotypen der Blauzungenkrankheit, was bedeutet, dass gegen jeden einzelnen Stamm geimpft werden muss. Die Impfung soll vor der Vektorsaison 2026 (Mai) abgeschlossen sein. In der Schweiz stehen Impfstoffe gegen BTV-3 und BTV-4 / 8 zur Verfügung, der Bestandestierarzt gibt dazu mehr Auskunft.

Mückenschutz

Die regelmässige Anwendung von Insektenabwehrmitteln wie Pour-on-Präparaten sowie das Entfernen von Brutplätzen für Mücken wie stehendem Wasser oder Mist sind zentrale Präventionsmassnahmen. Zudem empfiehlt sich der Einsatz von Ventilatoren sowie die Tiere während der Morgenund Abenddämmerung im Stall zu lassen.

Meldung von Verdachtsfällen und Behandlung

Die frühe Erkennung und Behandlung von erkrankten Tieren mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln sind essenziell für den Verlauf. Da die Symptome der Blauzungenkrankheit denen von anderen Tierseuchen (z. B. Maul- und Klauen seuche) sehr ähnlich sind, müssen Verdachtsfälle dem Tierarzt gemeldet werden.

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