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Nutztiere

Konfiskate beim Schwein deuten und nutzen

Ein Tier wirkt im Stall gesund und am Schlachthof wird dennoch ein Teil- oder Totalkonfiskat ausgesprochen. Das sorgt oft für Unverständnis bei den Produzenten. Weshalb Konfiskate entstehen und mit welchen Massnahmen sie sich verhindern lassen.

Viereckige Hautveränderungen aufgrund von Rotlauf am Schlachtkörper.

Viereckige Hautveränderungen aufgrund von Rotlauf am Schlachtkörper.

(zvg)

Publiziert am

Tierarzt, SUISAG

Handel Schweine, Anicom AG

Ein Totalkonfiskat bedeutet, dass der gesamte Schlachtkörper als ungeniessbar beurteilt wird. Beim Teilkonfiskat werden nur einzelne Organe oder Körperteile verworfen. Für den Betrieb haben beide direkte finanzielle Folgen. Gleichzeitig liefern diese Befunde wertvolle Hinweise zu Tiergesundheit, Fütterung und Management.

Brustfell- und Herzbeutelentzündungen

Lungenentzündungen oder Entzündungen von Brust- oder Herzbeutel gehören zu den häufigsten Beanstandungen. Im Stall zeigen sich oft nur schwache Symptome wie gelegentliches Husten, insbesondere zu Beginn der Mast. Vereinzelt fallen Tiere durch Entlastungshaltung, aufgekrümmten Rücken, Zehenspitzengang oder leicht gehemmtes Verhalten auf. Häufige Ursachen sind die glässerische Krankheit (HPS) sowie weitere bakterielle Erreger. Stress, Zugluft, Temperaturschwankungen oder eine ungenügende Isolierung des Liegebereichs begünstigen das Auftreten solcher Erkrankungen. Da die Erreger weit verbreitet sind, stehen Anpassungen bei Management und Stallklima im Vordergrund. Wichtig sind ein zugluftfreier Liegebereich, trockene und gut ein gestreute Buchten, möglichst konstante Temperaturen sowie eine ruhige Einstallung ohne zusätzlichen Stress. Neu eingestallte Tiere sollten besonders aufmerksam kontrolliert und erste Krankheitsanzeichen früh behandelt werden.

Leberveränderungen Milkspots

Weisse Flecken auf der Leber sind ein häufiger Befund am Schlachthof. Hinter den sogenannten Milkspots steckt ein Spulwurmbefall, der im Stall oft nur mit unspezifischen Symptomen auffällt. Tageszunahmen können tiefer ausfallen, Tiere kommen nicht richtig auf Touren, lassen die Schwänze hängen oder zeigen unruhiges Verhalten. Treten solche Leberveränderungen gehäuft auf, sollte die Entwurmungsstrategie des Betriebs gemeinsam mit dem Tierarzt und dem Zulieferer überprüft werden. Wichtig sind zudem eine konsequente Stallhygiene sowie gründliche Reinigung und Desinfektion nach jedem Umtrieb. Für eine wirksame Desinfektion mit Kresol muss der Stall leer sein, damit das Mittel in ausreichender Konzentration eingesetzt werden kann.

Abszesse

Abszesse entstehen meist über Wunden, die durch Schwanzbeissen, Kannibalismus oder Verletzungen an der Stalleinrichtung entstehen. Sie führen häufig zu Teilkonfiskaten, bei mehreren Abszessen kann ein Tier auch zum Totalkonfiskat erklärt werden. Entscheidend zur Vorbeugung sind eine tiergerechte Haltung, ausreichend Beschäftigungsmaterial sowie das frühzeitige Erkennen und Separieren verletzter Tiere. Ebenso wichtig ist, Stalleinrichtungen regelmässig auf scharfe Kanten oder andere Verletzungsquellen zu kontrollieren und Mängel rasch zu beheben.

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Spulwürmer verursachen Leberschäden und hinterlassen die typischen weissen Flecken.

(Chat GPT)

Weisse Organe

Weisse Organe weisen in der Regel darauf hin, dass das Abwehrsystem im Darm aktiviert ist. Da sich dort viele weisse Blutkörperchen befinden, wird von weissen Organen gesprochen. Dieser Befund kann auch ein Hinweis auf eine Blutarmut sein, meist ist es ein Nebenbefund.

Rotlauf

Im Schlachthof wird der Schlachtkörper vollständig entsorgt, obwohl auf dem Betrieb keine Krankheitsanzeichen sichtbar waren. Die Bakterien, die Rotlauf auslösen, breiten sich über die Nerven bis in die Haut aus. Dies kann innert wenigen Stunden geschehen, etwa während des Transports, und wird häufig durch Stress begünstigt. Bei der Schlachtung zeigen sich dann die typischen viereckigen Hautveränderungen. Um den Infektionsdruck möglichst tief zu halten, sind eine konsequente Leerung, Reinigung und Desinfektion der Stallungen wichtig. Reicht dies nicht aus, kann eine Impfung auf dem Mastbetrieb, wie sie auf Alp betrieben häufig praktiziert wird, sinnvoll sein.

Befunde richtig interpretieren

Einzelne Beanstandungen sind nicht aussergewöhnlich. Handlungsbedarf besteht, wenn Befunde gehäuft auftreten oder sich wiederholen. Schlachtprotokolle sollten deshalb systematisch ausgewertet und mit den Beobachtungen im Stall abgeglichen werden. Der Nutzen für den Betrieb ist klar: Weniger Konfiskate bedeuten höhere Erlöse, bessere Mastleistungen und tiefere Tierarztkosten. Die Befunde aus dem Schlachthof sind damit mehr als eine Rückmeldung zum Einzeltier, sie liefern zugleich eine kostenlose Gesundheitskontrolle des Bestandes.

Fachberatung einholen

Sind Befunde unklar oder nicht schlüssig, lohnt es sich, bei Fachleuten nachzufragen oder beim Schlachtbetrieb zusätzliche Informationen einzuholen. Dies kann auch bedeuten, beim Vermarkter nach Fotos der Befunde zu fragen. Bei der Einschätzung der Befunde und der Umsetzung gezielter Massnahmen lohnt sich oft der Einbezug externer Berater. Bei nicht dringenden Befunden kann dies beispielsweise im Rahmen des jährlichen Gesundheitsbesuchs erfolgen.

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