Nutztiere

Wann werden Nabelbrüche zum Problem?

Nabelbrüche kommen bei Schweinen immer wieder vor. Von kleinen, kaum sichtbaren Ausstülpungen bis zu Bruchsäcken, die bis an den Boden reichen, gibt es diverse Ausprägungen. Solange nur einzelne Tiere betroffen sind, sind keine speziellen Massnahmen zu treffen. Sobald aber vermehrt Tiere mit Nabelhernien im Bestand vorkommen, muss etwas unternommen werden.

Nabelbrüche entstehen meist schon in der Aufzucht, werden aber erst später in der Mast sichtbar. 

(Bild: zvg)

Publiziert am

Leiter Region Ostschweiz, Anicom

Die Gründe für Nabelbrüche, auch Nabelhernien genannt, sind vielfältig. Etwa 1 bis 1,5 Prozent der Schweine sind von Nabelbrüchen betroffen. Man geht davon aus, dass für rund 75 Prozent der Nabelbrüche Umweltfaktoren (vor allem die Hygiene) verantwortlich sind und für etwa 25 Prozent ist es die Genetik.

Eine gute Hygiene im Abferkelstall ist wichtig, um Nabelbrüche zu reduzieren.

Hygiene ist wichtig

Da die ersten Tage nach der Geburt entscheidend sind, damit der Nabel gut abheilt und nicht entzündet, ist eine gute Hygiene im Abferkelstall sehr wichtig. Abferkelställe sollten vor dem Einstallen gewaschen und desinfiziert werden, damit die Keimbelastung möglichst tief ist. Während und nach der Geburt ist ebenfalls auf eine gute Hygiene zu achten. Beispielsweise ist die Nachgeburt möglichst rasch zu entfernen, damit sich unerwünschte Keime nicht zu stark verbreiten. Wird bei den Saugferkeln die Nabelschnur gekürzt, sollte diese auf etwa zehn Zentimeter (handbreit) abgeschnitten werden. Vorher wird das im Nabel geronnene Blut am besten ausgestrichen. Das Werkzeug muss sauber sein und regelmässig gereinigt und desinfiziert werden. Beim Abschneiden der Nabelschnur darf kein Zug auf den Nabel ausgeübt werden, damit das Bindegewebe nicht reisst. Anschliessendes Desinfizieren des Nabels lässt die Nabelschnur schneller abtrocknen und vermindert die Gefahr einer Nabelentzündung. Oft können die Nabelbrüche beim Züchter noch nicht festgestellt werden und die Bruchsäcke werden erst mit der Zeit, wenn die Tiere bereits auf dem Mastbetrieb stehen, sichtbar. Grund dafür ist, dass die Därme der Tiere mit zunehmendem Gewicht schwerer werden und die Bauchdecke, welche durch Vernarbungen nicht so stabil ist wie normales Bindegewebe, wegen des erhöhten Gewichts reisst.

Nabelbrüche im Maststall

Ein Schwein mit einem Nabelbruch ist nicht im eigentlichen Sinne krank und kann in der Regel ausgemästet werden. Solange die Ausstülpung nicht zu gross ist und geschlossen bleibt, hat das Tier keinen Nachteil. Allerdings ist die Gefahr von Komplikationen durch den Nabelbruch erhöht. Bereits bei Brüchen von wenigen Zentimetern können sich Darmstücke in der Bruchpforte einklemmen und zu einem Darmverschluss führen, der für das Tier tödlich endet. Bei grossen Brüchen, die fast bis zum Boden reichen, besteht die Gefahr, dass sich die Tiere den Bruchsack aufreissen und es als Folge zu einem Darmvorfall kommt. Befinden sich solche Tiere im Bestand, müssen diese umgehend behandelt oder aber geschlachtet, respektive getötet werden. Sind bei leichten Schweinen, also bereits auf dem Zuchtbetrieb oder früh in der Mast, die Ausstülpungen gut sichtbar, macht es Sinn, diese Tiere auszusondern und als Spanferkel zu schlachten. Da sich der Verkauf von Spanferkeln für den Mäster wirtschaftlich nicht lohnt, sind Schweine mit Nabelbrüchen bei den Mästern nicht erwünscht. Das erhöhte Komplikationsrisiko trägt zusätzlich dazu bei, dass Schweine mit Brüchen nicht gerne gesehen sind.

Der Schweinegesundheitsdienst (SGD) empfiehlt, Schweine mit Nabelbrüchen separat in kleinen Gruppen zu halten, um das Komplikationsrisiko zu minimieren. Labelbetriebe müssen beachten, dass ein Tier mit Nabelbruch nicht per Definition krank ist und deshalb auch in separater Haltung in Gruppen und mit Auslauf gehalten werden muss. Sobald Schweine mit Nabelbrüchen das Zielgewicht zur Schlachtung erreicht haben und der Bruch nicht zu gross und geschlossen ist, können diese in den Schlachthof gebracht werden.

Tiere mit Nabelbrüchen müssen beim Anmelden für den Transport gemeldet werden.

Transportvorschriften

Der Bund hat in einer Fachinformation Tierschutz unter anderem definiert, wann besondere Vorkehrungen für den Transport getroffen werden müssen. Tiere mit Organvorfällen, wozu auch ein Nabelbruch zählt, dürfen transportiert werden, wenn die Ausstülpung nicht grösser als zehn Zentimeter ist. Anicom Chauffeure achten darauf, Schlachtschweine mit Nabelbrüchen von den anderen zu separieren und getrennt zu transportieren. Dazu ist es nötig, dass die Landwirte bereits bei der Anmeldung der Schlachtschweine melden, falls ein Tier mit einer Nabelhernie in den Schlachthof transportiert werden soll.

Im Schlachthof

Werden Tiere mit Brüchen aufgeladen, gilt es, diese auf dem Begleitdokument zu vermerken. Wie gross ein Bruch sein darf, damit das Tier «normal» geschlachtet werden kann, ist je nach Schlachthof unterschiedlich. Werden die Bauchhöhlen automatisiert eröffnet, kann die Maschine nicht um den Bruch herum schneiden, weshalb die Kontaminationsgefahr erhöht ist. Entsprechend sind Nabelbrüche in diesen Schlachthöfen nicht gerne gesehen. Zudem kann es sein, dass je nach Lokalisation und Grösse des Nabelbruchs, Fleischstücke nicht verwendet werden können, weshalb der Bruch für den Landwirten einen finanziellen Verlust bedeutet.

Ist der Landwirt unsicher, ob ein Schwein mit Nabelbruch transportiert werden kann, entscheidet schlussendlich der Chauffeur darüber, ob das Tier transportfähig ist. 

Zur Fachinformation Tierschutz: www.blv.admin.ch

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Dem Unkraut an den Kragen
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