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Nutztiere

Optimale Versorgung der Galtkuh

Während des Trockenstehens entscheidet sich, ob die Kühe einen erfolgreichen Laktationsstart haben und ihr Milchleistungspotenzial ausschöpfen. Die Fütterung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Doch worauf muss man achten und wie hat man die Kontrolle?

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(Bild: pixabay.com)

Publiziert am

Aktualisiert am

Leiter Marketing, UFA AG

UFA-Beratungsdienst

Was lange Zeit in den Köpfen war – die Galtkuh sei unproduktiv und müsse restriktiv gehalten werden, ist definitiv Schnee von gestern. Bereits vor mehr als zehn Jahren gewann man die Erkenntnis, dass die Galtkuh eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung benötigt. Dies wird heute auf den meisten Betrieben umgesetzt. Die Entwicklung blieb jedoch nicht stehen. Viele Studien und entsprechende Praxiserfahrungen zeigen, dass Management und Fütterung viel weiter gehen als «nur» eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung.

Futteraufnahme über alles
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Den pH-Wert über den Harn messen: Anhand der Farbe kann der pH-Wert zugeordnet werden. 

(Bild: zvg)

Die Futteraufnahme in der Galtphase entscheidet über den Trockensubstanz (TS)-Verzehr nach dem Abkalben. Viele Versuche zeigen diesen Zusammenhang deutlich auf. Nur eine Galtkuh, die das Pansenvolumen aufrechterhält, kann nach dem Abkalben viel Futter verzehren und deutlich mehr Nährstoffe aufnehmen. Können die Kühe in der Galtphase das maximale Verzehrspotenzial nicht ausschöpfen, erhöht sich das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Ketose oder Gebärmutterentzündungen um ein Vielfaches. Die Kühe müssen somit uneingeschränkten Zugang zu Wasser und Futter haben, damit der angestrebte TS-Verzehr von rund zwölf bis vierzehn Kilogramm, je nach Grösse und Kapazität der Galtkuh, ausgeschöpft wird. Bei restriktiver Fütterung kommen vor allem rangniedere Tiere zu kurz. Damit die Kuh die gewünschte Menge an Futter aufnimmt, müssen folgende drei Aspekte sichergestellt sein: Ad-libitum Fütterung, qualitativ einwandfreies Futter und eine bedarfsgerechte Nährstoffkonzentration.

Wie kann der Landwirt den DCAB-Wert ermitteln?

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die etwas aufwändigere, aber sehr genaue Methode, ist das Bestimmen der Mineralstoffe anhand von Raufutteranalysen. Tabellenwerte liefern bei Grassilagen und Dürrfutter wenig aussagekräftige Resultate, da die Werte starken Schwankungen unterworfen sind.
  • Die einfachere Variante ist die pH-Messung des Urins. Da der pH-Wert des Urins stark mit demjenigen des Blutes korreliert, gibt dies einen guten Anhaltspunkt, in welchem Bereich er sich befindet.

Optimale Versorgung
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Nebst einem guten Start für die Kuh, wirkt sich die korrekte Fütterung während der Galtzeit auch positiv auf die Kolostrumqualität und somit die Immunität des Kalbes aus. 

(Bild: UFA AG)

  • 40 % Dürrfutter mittlerer Qualität 
  • 15 % Stroh 
  • Max. 20 % Grassilage, je nach DCAB 
  • 20 % Maissilage 
  • 1 kg Galtphasenfutter UFA 266 Extra

Ist es nicht möglich, eine separate Mischung zu erstellen, besteht die Möglichkeit, die Ration der laktierenden Kühe mit Stroh zu verdünnen. Sofern die Mineralstoffe bereits in der Mischung sind, stimmt die Versorgung betreffend Mineralstoffen nicht, was ein Nachteil dieser Variante ist. Wird die Ration verdünnt, soll, wenn möglich qualitativ einwandfreies Raps- anstelle von Weizenstroh eingesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass einerseits bereits mit geringer Menge der Energiegehalt stark reduziert werden kann. Andererseits hat Häckselstroh einen sehr tiefen DCAB-Wert (Kationen-Anionen-Bilanz), was sich für die Galtkühe ideal eignet.

Aus arbeitstechnischen Gründen werden den Galtkühen oft Krippenreste der Laktierenden verabreicht. Sofern die Mischung der Laktierenden mit Mineralstoffen angereichert ist und die Krippenreste somit auch, darf diese Menge maximal einen Drittel der Galtration ausmachen. Der Hauptgrund ist, dass die Mineralisierung nicht auf die Bedürfnisse der Galtkühe zugeschnitten ist und unter anderem die Milchfiebergefahr erhöht.

UFA 266 Extra

UFA 266 ist speziell für die Galt- und Transitphase konzipiert. Auch die Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine entsprechen dem Bedarf der Galtkuh. Bei korrekter Verabreichung kann auf eine zusätzliche Mineralstoffgabe verzichtet werden; es ist also ein «all in one» Futter. Neben Lebendhefen und Pflanzenextrakten, die den Appetit fördern und Antioxidantien, die das Immunsystem unterstützen, enthält UFA 266 auch Beta-Carotin, um die genannten Vorteile für die Kuh und das Kalb zu erlangen.

Einsatz: 1 kg pro Tier und Tag während der Galtphase; 21 Tage vor dem Abkalben Steigerung auf 2 kg pro Tier und Tag.

Milchfieber vorbeugen

Um die Milchfiebergefahr zu reduzieren, muss der DCAB-Wert, vor allem in den letzten zwei Wochen vor dem Abkalben, möglichst tief sein. Ideal liegt er zwischen 100 und 150 meq /kg TS. Ein negativer Wert ist bei praxisüblichen Rationen jedoch kaum erreichbar. Ein zu hoher DCAB-Wert verhindert ein Absinken des pH-Wertes im Blut und Urin und vermindert die Kalzium-Absorption aus dem Darm und aus den Knochen. Für die Berechnung vom DCAB-Wert werden die Gehalte der positiven Ionen Natrium und Kalium und der negativen Ionen Chlorid und Schwefel berücksichtigt. Bei hohem Einsatz von Hofdünger hat das Grundfutter meist hohe Kaliumwerte und der DCAB ist erhöht.

Als erstes gilt es, die Galtration genauer unter die Lupe zu nehmen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Neuzeitliche Rationsberechnungsprogramme, wie beispielsweise UFA W-FOS berechnen den DCAB-Wert, womit das Verbesserungspotenzial rasch ersichtlich wird.

Galtkühe sollten zwei Wochen vor dem Abkalben einen Harn-pH zwischen 7,5 und 7,8 aufweisen, was ein DCAB-Wert von < 150 meq/kg TS bedeutet. Ist der Harn-pH grösser als 8, ist die Milchfiebergefahr erhöht. Die Verfütterung von sauren Salzen ist eine gute Möglichkeit fürs Kalziumtraining und somit zur Reduktion der Milchfiebergefahr.

Magnesium nimmt in der Transitphase ebenfalls eine sehr wichtige Rolle ein. Der Bedarf liegt bei mindestens 3 g/kg TS, also tendenziell sogar leicht höher als während der Laktation. Ein Magnesiummangel führt zu einer geringeren Kalziummobilisation aus den Knochen und zu einer verringerten Kalziumabsorption. Auch für die optimale Wirkung des Vitamin D3 ist Magnesium unverzichtbar. Mit einem höheren Magnesiumgehalt und einem tieferen DCAB-Wert, lässt sich die Milchfiebergefahr reduzieren.

Gesundes Kalb heranwachsen

Mit einer bedarfsgerecht versorgten Galtkuh, wird die Basis für die optimale Entwicklung des Fötus gelegt. Den Start für die Kälbergesundheit legt die Galtkuh mit der Produktion der Kolostralmilch. Deren Qualität und Antikörpergehalt können durch die Fütterung beeinflusst werden. Allen voran durch die bedarfsgerechte Versorgung an Nähr-, Mineralstoffen und Spurenelementen. Sechs Wochen Trockenstehzeit sind einzuhalten, damit ausreichend Zeit zur Erholung und Regeneration der Euterzellen zu Verfügung stehen.

Durch die Verabreichung von zusätzlichem Beta-Carotin, mindestens zwei Wochen vor dem Abkalben, kann die Kolostralmilchqualität ebenfalls positiv beeinflusst werden.

Diese Erkenntnis wurde in zwei Bachelorarbeiten, die in Zusammenarbeit mit der HAFL in Zollikofen durchgeführt wurden, gemacht. Der Antikörpergehalt im Kolostrum war signifikant höher bei Kühen, die eine Beta-Carotin Gabe erhielten. Nach der raschen Verabreichung von rund vier Liter Kolostrum innerhalb der ersten sechs Lebensstunden wurde durch Blutentnahme beim Kalb ebenfalls der Gehalt an IgG (Immunglobulin G) gemessen. Es war deutlich ersichtlich, dass die Kälber, von denen die Muttertiere zusätzlich Beta-Carotin verabreicht bekamen, signifikant höhere IgG-Werte aufwiesen, als die Kontrollgruppe ohne Beta-Carotin. Die Zufütterung von Beta-Carotin beim Muttertier hat somit einen positiven Einfluss auf die IgG-Aufnahme des Kalbes.

Schnell gelesen

  • Fütterungsfehler in der Galtphase werden zu Laktationsbeginn bestraft
  • Galtkuh bedarfsgerecht füttern
  • Milchfieber vorbeugen: DCAB-Wert bestimmen, bzw. Harn-pH messen
  • 2 Wochen vor dem Abkalben: Nährstoffkonzentration erhöhen
  • Beta-Carotin-Verabreichung der Galtkuh erhöht die Antikörper-Aufnahme beim Kalb

Anfütterung

Ein kontrovers diskutiertes Thema ist die Anfütterung vor dem Abkalben. Besteht die Ration der Galtkühe aus komplett anderen Komponenten (z. B. Silagen für die Galtkühe), als die Ration der laktierenden Kühe, muss sich die Pansenmikroben-Population wieder anpassen können. Werden den Galtkühen dieselben Komponenten, nur in verdünnter Form, verabreicht, so braucht es keine eigentliche Anfütterung, sondern lediglich eine Erhöhung der Nährstoffkonzentration. Während der TSVerzehr vor dem Abkalben sinkt, wächst der Fötus stark. Die Konzentration muss somit erhöht werden. Am einfachsten geschieht dies mit einem Galtphasenfutter).

Und im Sommer?

Die genannten Fütterungsmassnahmen gelten grundsätzlich für 365 Tage. Werden die Galtkühe 24 Stunden geweidet, müssen Kompromisse eingegangen werden, da die Nährstoffkonzentration auf der Weide nicht in jedem Fall ideal ist.

Während den ersten Wochen Galtzeit ist das Weiden möglich, sofern die Verabreichung von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen sichergestellt ist. In der Transitphase, also drei Wochen vor dem Abkalben, ist die Stallhaltung klar zu bevorzugen, um die Nährstoffkonzentration zu erhöhen und den Verzehr möglichst hoch zu halten. Auch die Adaption an die entsprechenden Komponenten ist zwingend vorzunehmen, was bei reiner Weidehaltung nicht möglich ist. Einem zeitweisen Zugang zu einer Weide spricht jedoch nichts entgegen. 

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