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Nutztiere

Wenn die Sau keine Milch hat

Auch wenn die Geburt ohne Komplikationen verläuft, tritt oft kurz nach der Geburt überraschend Milchmangel auf. Die Verlustrate bei den neugeborenen Ferkeln ist in den ersten Lebenstagen am höchsten. Die betriebsspezifischen Ursachen herauszufinden ist dabei ebenso schwierig wie eine erfolgversprechende Behandlung.

Ein gerötetes Gesäuge ist ein typisches Anzeichen für daspostpartale Dysgalaktie-Syndrom (PPDS).

Ein gerötetes Gesäuge ist ein typisches Anzeichen für daspostpartale Dysgalaktie-Syndrom (PPDS).

(Bild: Sepp Bühlmann, Ruswil)

Publiziert am

Aktualisiert am

PigVets GmbH

Was bisher weitläufig als MMA (Mastitis = Gesäugeentzündung, Metritis = Gebärmutterentzündung, Agalaktie = Milchmangel) bezeichnet wurde, hat einen neuen Namen. PPDS (Postpartales Dysgalaktie-Syndrom) bringt noch deutlicher zum Ausdruck, dass erkrankte Sauen zu wenig Milch geben. Die Folgen für die neugeborenen Ferkel sind fatal: Unterernährung und Mangel an Antikörpern führen zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit. Das wirkt sich negativ auf die Tageszunahmen der Saugferkel aus, und Abgangsraten über 15 Prozent sind keine Seltenheit.

Symptome

PPDS zeigt sich nicht immer an erhöhter Körpertemperatur (39,5 – 42 °C). Oft stehen ein gerötetes und verhärtetes Gesäuge, Fressunlust, Verstopfung, Mattigkeit, Milchmangel, Liegen auf dem Gesäuge und eitriger Scheidenausfluss im Vordergrund. Eine gute Tierbeobachtung ist wichtig, denn nur rechtzeitiges Handeln kann grösseren Schaden verhindern.

Vielfältige Ursachen

PPDS kann auch als Faktorenkrankheit bezeichnet werden. Betriebsspezifische Managementfehler führen, zusammen mit vorhandenen Infektionserregern zur Erkrankung. Bei Bestandsproblemen ist eine genaue Analyse des Betriebes nötig. Rein-Raus-Belegung im Abferkelstall mit konsequenter Reinigung und Desinfektion der Buchten reduziert den Keimdruck genauso effizient wie das Waschen der Sauen vor dem Umstallen in die Abferkelbucht. Wichtige Faktoren sind, Verstopfungen mit einer bedarfsgerechten Fütterung der Sauen um die Geburt zu vermeiden sowie eine ausreichende Wasserversorgung. Überkonditionierte Sauen sind anfälliger für PPDS. Auch Futterzusätze können helfen, den Keimdruck zu reduzieren. Dadurch wird der Harn-pH-Wert gezielt abgesenkt und der Keimgehalt in den Harnwegen reduziert. Nachgeburten sollten umgehend aus den Buchten entfernt werden, um eine Keimvermehrung zu verhindern. Nach der Geburt sind Sauen anfälliger für Infektionserreger. Stress reduziert die Immunabwehr der Sauen und offene Geburtswege und Bissverletzungen an den Zitzen und der Haut des Gesäuges führen schneller zum Auftreten von PPDS. Saugen die Ferkel schlecht, kann die Milchproduktion ebenfalls zurückgehen. Dies ist oft bei Durchfallerkrankungen der Saugferkel in den ersten Lebenstagen der Fall.

Temperatur und Hygiene im Abferkelstall

«Sauwohl» ist es den Sauen im Abferkelstall bei 18 bis 22 °C. Bei tieferen Temperaturen benötigen die Ferkel und die Sauen zu viel Energie zur Wärmeproduktion. Höhere Temperaturen führen zu Hitzestress bei den Sauen. Kühlmöglichkeiten im Sommer haben sich bewährt. Nicht frieren dürfen aber die Saugferkel. Die Temperaturen im Ferkelnest nach der Geburt sollten 32 bis 35 °C betragen. Eine gute Investition sind Ferkelnester mit vorprogrammierten Temperaturkurven. Mit einem Infrarotthermometer oder besser noch mit Temperaturloggern sollte die Temperatur im Stall und im Ferkelnest überprüft werden.

Hygienepulver können helfen, den Keimdruck zu reduzieren. Der Kot sollte zweimal täglich aus den Buchten entfernt werden. Bei ausgeprägten Bissverletzungen am Gesäuge kann das kontrollierte Abschleifen der Ferkelzähne Abhilfe schaffen.

Wasserversorgung der Sauen

Freier Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser ist zwingend. Dabei muss der Tränkenippel eine Durchflussrate von zwei bis vier Liter pro Minute haben. Zusätzliche Wassergaben im Trog, rund um die Geburt, haben sich bewährt. Nehmen die Sauen zu wenig Wasser auf, trocknet der Darminhalt aus und es kommt zur Verstopfung. Bakterien können sich im Darm rasant vermehren und Toxine freisetzen. Gleichzeitig kommt es durch konzentrierten und keimbelasteten Harn zu Blasenoder Nierenentzündungen, ebenfalls mit Keimvermehrung und Toxinfreisetzung. Toxine lähmen die Darmmuskulatur und hemmen die Bildung von Prolaktin, das Hormon, welches zur Milchproduktion benötigt wird.

Behandlung den Symptomen anpassen

Beim Auftreten von PPDS gibt es keine Standardbehandlung. Ziel der Behandlung muss eine ungestörte Futteraufnahme der Sau sein. Nur so kann eine ausreichende Milchproduktion erreicht werden. Bei starken Entzündungssymptomen am Euter mit hohem Fieber besteht der Verdacht, dass bakterielle Erreger im Vordergrund stehen. Antibiotika helfen dann, die bakteriellen Erreger abzutöten, sie führen aber nicht immer zum Ziel. Die Wahl des Antibiotikums muss bestandsspezifisch mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Hat die Sau kaum Fieber, frisst nicht, oder hat wenig Milch, sind oft die freigesetzten Toxine der Auslöser für die Erkrankung. Fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente sind dann die richtige Wahl. Oxytocin dient dazu, den Milcheinschuss zu fördern, hat aber keinen positiven Einfluss auf die Milchproduktion. Zu hohe Dosierungen von kurz- oder langwirkendem Oxytocin sind zu vermeiden. Bei ungenügender Kolostrumversorgung oder Milchmangel kann ein gezieltes Versetzen der Ferkel hilfreich sein. Eitrigem Ausfluss aus der Gebärmutter kann mit der Verabreichung von lang wirkendem Oxytocin oder Prostaglandin abgeholfen werden. Die Behandlungsstrategie sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.

Spätfolgen für Sau und Ferkel

Sauen mit PPDS verlieren in der Säugezeit mehr Gewicht und weisen einen höheren Anteil an Spätrauschern und Umrauschern auf, als gesunde Sauen. Zudem sind bei PPDS-Sauen die Ferkelzunahmen auch in der nächsten Laktation tiefer und die Ferkelverluste höher.

Das konsequente Überwachen der Sauen um die Geburt und ein rechtzeitiges Eingreifen zahlt sich also auch in der nächsten Laktation aus. 

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