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Nutztiere

Der neue alte Problemkeim Streptokokkus uberis

Der bekannte Keim Streptokokkus uberis ist eine wichtige Ursache für Euterentzündungen. Neue Studien zeigen, dass der bisher als Umwelterreger eingestufte Problemkeim auch von Kuh zu Kuh übertragen werden kann, was einen wesentlichen Einfluss auf die Vorbeugemassnahmen hat.

Gute Hygiene im Stall und somit auch saubere und trockene Einstreu ist wichtig.

Gute Hygiene im Stall und somit auch saubere und trockene Einstreu ist wichtig.

Gute Hygiene im Stall und somit auch saubere und trockene Einstreu ist wichtig.

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Aktualisiert am

Tierärztliche Bestandesbetreuung

Der Landwirt B kontaktierte die tierärztliche Bestandesbetreuung tbb und bat um Hilfe. Grundsätzlich sei er mit der Euter­gesundheit seiner Herde zufrieden, dennoch haben einige Kühe immer wieder Euterentzündungen mit Streptokokkus uberis. Aktuell hatte er eine Kuh, die vier Wochen zuvor behandelt wurde und nun bei der Milchkontrolle eine Zellzahl von über einer Million aufwies. Der Landwirt möchte wissen, was er gegen diesen Keim tun kann.
Streptokokkus uberis ist ein weitläufig bekannter Erreger und eine wichtige Ursache für Euterentzündungen in Milchviehbetrieben.
Die Zellzahlen des erwähnten Betriebes zeigen viele typische Verhaltensmuster (siehe Grafik): Die theoretische Tankzellzahl ist stark durch einzelne Kühe beeinflusst. 80 Prozent der kontrollierten Kühe haben eine Zellzahl von unter 200 000 Zellen / ml. Die Neuinfektionsrate liegt aktuell bei 7 Prozent und pendelte in der Vergangenheit zwischen 5 bis 15 Prozent.

Wie erfolgt die Infektion? 

So wie diesem Landwirten geht es vielen Berufskollegen. Streptokokkus uberis ist weltweit verantwortlich für die Mehrheit von klinischen und subklinischen Euterentzündungen. Der Erreger kommt im Kuhmist und in der Gülle vor und kann auch von gesunden Kühen mit dem Kot ausgeschieden werden. Deshalb sind Umweltmassnahmen bei der Sanierung genauso wichtig wie eine gute Melk­arbeit. Bei der Bekämpfung anderer Stämme, wie Streptokokkus agalactiae, Streptokokkus dysgalactiae und Staphylokokkus aureus wurden in den letzten 30 Jahren gute Fortschritte erzielt. Nicht so bei Streptokokkus uberis.

Die Fallzahlen sind nur unwesentlich gesunken. Durch die Schädigung des Eutergewebes, haben Kühe mit einem Streptokokkus uberis-Viertel ein erhöhtes Risiko für eine erneute Infektion. Neben den akuten Euterentzündungen sind auch die chronischen Euterentzündungen bekannt. Diese sind schwieriger zu behandeln und deshalb ein häufiger unfreiwilliger Ausmerzungsgrund von betroffenen Kühen. Die Infektionen finden hauptsächlich während der Zwischenmelkzeit (Reservoir: Kot und Einstreu), aber auch während dem Melken (Reservoir: chronisch infizierte Kühe) statt.

Nebst der Stallumgebung können Ansteckungen auch auf feuchten Weiden erfolgen. Neuere Studien haben nachgewiesen, dass Streptokokkus uberis wie kontagiöse Mastitiserreger von Kuh zu Kuh übertragen werden kann.

Typische Merkmale

Je nach Ausmass der Infektionen und wie verbreitet das Eutergesundheitsproblem ist, sind folgende Erkenntnisse typisch für Betriebe mit Streptokokkus uberis als Problemkeim:

  • Die theoretische Tankzellzahl ist stark durch Einzeltiere beeinflusst. Ohne die betroffenen Tiere ist die Eutergesundheit sehr gut.
  • Probleme bestehen typischerweise vermehrt zum Laktationsstart (als grösste Risikozeit für Infektionen gilt die zweite Hälfte der Trockenstehzeit sowie die Frühlaktation). Über die Hälfte der Viertel, die sich während der Trockenstehzeit mit Streptokokkus uberis infizieren, entwickeln in den ersten 100 Tagen der Laktation eine klinische Mastitis.
  • Ein jahreszeitlich unterschiedliches Infektionsrisiko ist möglich. Es gibt Betriebe, die im Sommer vermehrt Probleme haben. Andere kennen die Problematik nur während den Wintermonaten

Umwelt­massnahmen sind bei der Sanierung genauso wichtig wie eine gute ­Melkarbeit.

Vorgehen im Betrieb

Eine detaillierte, gründliche und systematische Aufarbeitung der möglichen Risikofaktoren wird empfohlen. Diese sind für jeden Betrieb einzigartig. Die Bereiche, welche dabei detailliert beleuchtet werden sollten, sind im Kasten aufgelistet.

Neben der korrekten Behandlungsstrategie ist die Identifikation und Bearbeitung der Risikofaktoren sehr komplex und zeitintensiv. Eine Bekämpfung läuft über mehrere Monate und bedingt eine regelmässige Evaluation der Massnahmen und saisonale Anpassungen. Dies ist praktisch nur mit einer kontinuierlichen integrierten Bestandesbetreuung gewährleistet und mit Abstand am erfolgsversprechendsten.

Frühzeitige Behandlung

Neben allen vorbeugenden Massnahmen ist eine korrekte und frühzeitige Behandlung von Kühen mit Streptokokkus uberis-Euterentzündungen wichtig. Die Diagnose erfolgt mittels steril entnommener Milchprobe. Die Identifizierung des Keimes ist wichtig, weil Euterentzündungen mit Streptokokkus uberis in der Regel gut auf Penicilline ansprechen, aber eine Behandlungsdauer von fünf Tagen benötigen. Auch nach vollständiger bakteriologischer Heilung bleiben die Zellzahlen der betroffenen Kühe häufig erhöht. Deshalb empfiehlt sich eine Behandlungskontrolle anhand einer Milchprobe. Auch für die Behandlung während dem Trockenstellen eignen sich Penicillin-haltige Trockensteller. Daneben wird der Einsatz eines internen Zitzenversieglers, zur Vorbeugung einer Ansteckung während der Galtzeit, empfohlen. Neuerdings gibt es eine Impfung gegen Streptokokkus uberis auf dem Markt. Die Praxistauglichkeit und wie gut sie hilft, Euterentzündungen vorzubeugen, muss sich noch zeigen.

Zu untersuchende Aspekte bei Problemen mit Streptokokkus uberis im Bestand

Haltung

  • Dimension und Zustand der Liegeboxen und Läger
  • Einstreu (sauber, trocken, kühl und bequem):
    • pH der Einstreu (idealerweise pH > 9)
    • Streptokokkus uberis besitzt eine starke Affinität zu Stroh. Deshalb bergen z. B. Tiefstrohställe ein besonders hohes Infektionsrisiko. Einfaches Überstreuen kann den Infektionsdruck nicht wirkungsvoll senken. Hierzu sind regelmässiges Ausmisten, Reinigen und Desinfizieren nötig.
  • Verschmutzte Laufgänge erhöhen den Keimdruck auf Euter und Liegeboxen
  • Stallklima: Luftaustauschrate, Luftqualität, Temperatur, Feuchtigkeit

Fütterung

  • Überprüfung der Stoffwechsellage: negative Energiebilanz, Pansenübersäuerung
  • Ist die Ration leistungs- und wiederkäuergerecht? Mykotoxine?

Trockenstellmanagement

  • Überprüfung (Management, Haltung, Keratinpfropf etc.)
  • Ermittlung der Neuinfektionsrate, da über 30 Prozent der Infektionen in dieser Phase entstehen 

Melkarbeit und Technik

  • Sauberkeit von Euter und Zitzen
    • Kurze Euterhaare
    • Reinigung der Zitzen vor dem Melken (Eutertuch oder Vordippen)
  • Blindmelken und korrekte Vakuumhöhe? Überprüfung der Zitzenkondition: Ring­bildung birgt ein hohes Risiko für eine Euterinfektion
  • Dippmittelanwendung direkt nach dem Melken in ausreichender Konzentration (Desinfektion und Pflege)
  • Was machen die Kühe direkt nach dem Melken – Fressen oder Liegen?
  • Ist im Roboterbetrieb eine Mindestmelkzeit von sechs Stunden für eine ausreichende Regeneration des Schliessmuskels gegeben?

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