Nutztiere

Wenn Blutsauger die Hühner befallen

Sie ist so klein, dass sie mit blossem Auge nur bei genauem Hinschauen erkannt wird. Hinzu kommt, dass sie sich gerne verkriecht, was das Finden noch schwieriger macht. Um die rote Vogelmilbe zu bekämpfen, muss man immer dranbleiben: Familie Schneeberger aus Welschenrohr zeigt, wie sie dabei vorgeht.

Hansruedi Schneeberger mit seiner Frau Käthi: «Das Wichtigste ist, dass man immer auf der Hut ist und etwas unternimmt, sobald man vermehrt Milben sieht.»

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Redaktorin, UFA-Revue

Die rote Vogelmilbe kennt fast jeder Hühnerhalter in seinem Stall. Merkt man im Winter nicht so viel von ihnen, vermehren sie sich jetzt im Frühling wieder stärker.
Der Betrieb der Familie Schneeberger aus Welschenrohr (SO) hat schon vieles ausprobiert und setzt konsequente Massnahmen um. Hansruedi und Käthi Schneeberger besitzen seit 2013 einen Legehennenstall für 6000 Tiere und haben schon einige Erfahrungen mit dem unerwünschten Stallbewohner gemacht.

Immer in der Nähe der Hühner

Die rote Vogelmilbe befällt Wildvögel, aber auch Hausgeflügel. Sie ist ein temporärer Ektoparasit, was bedeutet, dass sie nicht auf dem Wirt lebt, aber in dessen unmittelbarer Nähe. So kann sie ihn schnell erreichen, um Blut zu saugen. Aktiv sind die Milben meist in der Nacht. Am Tag verstecken sie sich in Spalten oder Ritzen. Die Milben können mehrere Monate ohne Blutmahlzeit überleben. Das heisst, sie sind auch im Winter im Stall, dafür schlicht weniger aktiv. Für ihre Vermehrung brauchen sie mindestens 15 °C.

Dr. med. vet. Barbara Wehrli, Geflügelpraxis GalliVET SA in Schötz, beobachtet, dass die Legeleistung unter starkem Milbendruck leiden kann. Da die Tiere gestresst sind, können aber auch andere Symptome auftreten, wie zum Beispiel eine schlechte Schalenqualität.

Hygiene ist das A und O

Die Familie Schneeberger nimmt die Reinigung nach jedem Umtrieb sehr genau. Nachdem die Hühner ausgestallt sind, wird der Stall mit einem Kontaktgift besprüht. So ist der Druck kleiner und die Chance, dass mit dem Waschen möglichst viele Milben entfernt wurden, grösser. Hansruedi Schneeberger reinigt den Stall selbst mit einem Heisswasserhochdruckreiniger und geht dabei penibel genau vor. Jede Stange wird einzeln gewaschen, bis alles sauber ist. «Es kostet uns natürlich viel Zeit, aber ich bin überzeugt, dass das hilft», so der Landwirt. Nach dem Desinfizieren wird die gesamte Voliere mit einem Silikat-Pulver in verflüssigter Form besprüht. Das Pulver zerstört die äusserste Schicht der Milben, wodurch diese austrocknen. Wie Barbara Wehrli erklärt, ist die Wirkung des Silikat-Pulvers stark von der korrekten Reinigung und Desinfektion abhängig. Wichtig sei das richtige Besprühen, nicht nur von oben, sondern unbedingt auch von unten in der Voliere. Für eine nachhaltige Wirkung braucht es eine stetige Kontrolle sowie punktuelles Nachbehandeln, so die Tierärztin.

Das Einstallen einer neuen Legehennenherde erfolgt auf dem Betrieb Schneeberger meist im April. Die Wirkung vom Silikat-Pulver lässt etwa nach zwei bis drei Monaten nach. An Stellen, wo sich die Milben gerne verkriechen, streut Käthi Schneeberger regelmässig von Hand Silikat-Pulver nach. Sie kontrolliert wöchentlich verschiedene Stellen, sodass sie sofort etwas unternehmen kann, wenn es mehr Milben hat. «Es ist erstaunlich, wo sich die Milben überall verkriechen, sogar im Gewinde der Schrauben findet man sie», so Käthi Schneeberger.

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Anhäufungen der roten Vogelmilbe im Stall.

(Bild: Eva Studinger)

Sicht von aussen

Schneebergers sind manchmal auch froh, wenn eine Drittperson im Stall ist und den Milbendruck beurteilt. So erzählt Hansruedi Schneeberger, dass ihr Berater Beat Schwestermann manchmal Milben an Stellen sieht, wo er und seine Frau sie nicht gesehen hätten. «Die Kontrollpunkte sind überall, wo es Ritzen und Hohlräume hat», so Schwestermann. Ist man sich an einer Stelle nicht sicher, ob es Milben hat, kann man mit dem Finger darüberstreichen, wie er erklärt. Sind aktive Milben vorhanden, färbt sich der Finger rot.

Mit Blick darauf, dass die Milben im Winter zwar weniger aktiv, aber nicht weg sind, empfiehlt der UFA-Geflügelspezialist, auch im Winter an denjenigen Stellen, wo sich die Milben gerne aufhalten, Silikatpulver zu verstreuen.

Vogelmilbe_Milbenmittel

Da wo sich die Milben gerne aufhalten wird regelmässig Silikatpulver gestreut.

(Bild: Eva Studinger)

Gegen Milben behandeln

Als auf dem Betrieb Schneeberger der Milbendruck gegen Ende Sommer stark zugenommen hatte, wurde auch schon vom Tierarzt das Medikament «Exzolt» verschrieben. «Exzolt» ist ein Antiparasitikum, welches über das Trinkwasser verabreicht wird. Der Wirkstoff zirkuliert im Blutkreislauf des Huhnes und wird so von den Milben aufgenommen, woraufhin diese sterben. Da das Mittel nicht zu den Eiern und Larven gelangt, muss die Behandlung nach sieben Tagen wiederholt werden. Das Produkt enthält keine Absetzfrist, sofern es innerhalb dieser sieben Tage verabreicht wird. Um mit den zwei Behandlungen möglichst alle Milben zu erreichen, müsse der Entwicklungszyklus zwei Wochen oder kürzer und die Temperaturen im Stall daher mindestens 15 °C sein, wie Barbara Wehrli erklärt.

Die Tierärztin betont, dass «Exzolt» ein Medikament sei und daher der Umgang damit sorgfältig sein müsse. «Es ist wichtig, dass die Leute gut geschult sind, wie man dieses Produkt verabreicht», so Wehrli. Sie nennt auch die Hygiene, in und um den Hühnerstall, einen sehr wichtigen Punkt in diesem Zusammenhang. Denn, wenn es beispielsweise im Eierraum irgendwo Milben hat, gelangen diese während dem begrenzten Zeitraum der Behandlung ziemlich sicher nicht an die Hühner und kommen später zurück.

Nützlinge gegen die Milben

Eine biologische Bekämpfungsmethode im Stall ist das Aussetzen von Raubmilben, einem natürlichen Feind. Diese fressen die rote Vogelmilbe in allen Entwicklungsstadien. Gemäss einer Produktebeschreibung von Andermatt Biovet ertragen die Raubmilben auch kühlere Temperaturen. Der Einsatz wird vorbeugend oder bei leichtem Befall empfohlen. Zudem darf man beim Einsatz von Raubmilben keine anderen Milbenbekämpfungsmittel einsetzen, da dies auch die Raubmilben dezimieren würde. Einmaliges Aussetzen des Nützlings reicht in der Regel nicht, sondern es benötigt Wiederholungen.

Wie Hansruedi Schneeberger zusammenfasst: «Das Wichtigste ist, dass man immer auf der Hut ist und etwas unternimmt, sobald man vermehrt Milben sieht.» Das Zusammenspiel zwischen guter Hygiene, ständigen Kontrollen und schnellem Handeln führt bei der Milbenbekämpfung zum Erfolg. 

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