Nutztiere

Bio-Schafmilch: Einsicht in Aussichten

Die Produktion von Bio-Schafmilch wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Seit 2018 ist die Entwicklung der produzierten Milchmenge jedoch auf einem konstanten Niveau, was zeigt, dass die Nachfrage bis jetzt gedeckt werden konnte. Ein wirtschaftlich interessantes Standbein ist die Produktion von Bio-Schafmilch nach wie vor, es müssen aber einige Faktoren beachtet werden.

Publiziert am

Mitarbeiter Marketing, UFA AG

Schweinespezialist, UFA AG

Der Milchschafbestand hat sich in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt und liegt heute bei rund 14 500 Tieren, so die offiziellen Zahlen von Agristat. Dies zeigt die Attraktivität dieses Betriebszweigs. Beachtlich ist der hohe Bio-Anteil, denn rund 75 Prozent der Milchschafe werden nach den Richtlinien von Bio Suisse gehalten. Im Vergleich dazu liegt der Anteil Bio bei den Ziegen bei rund 20 Prozent. Insgesamt wurden 2019 in der Schweiz total 5000 t Schafmilch verarbeitet. Peter Hofstetter von der Emscha, seinerseits Milchschafhalter und -verarbeiter, nimmt zu diesem Thema Stellung. Mit jährlich rund 300 000 l verarbeitet die Emscha rund sechs Prozent der in der Schweiz produzierten Schafmilch.

Marktsituation im Auge behalten

Schafmilch ist nach wie vor ein Nischenmarkt. Gemessen an der gesamten Milchproduktion der Schweiz macht Schafmilch 0,17 Prozent der Milchmenge aus. Klar ist, dass beim Bio-Milchschafbetrieb ein verlockend hoher Milchpreis in Aussicht steht. Dieser bewegt sich zwischen 2.80 bis 3.20 Franken pro Kilogramm Milch. Wer sich überlegt, in die Bioschafmilchproduktion einzusteigen, muss einen Abnehmer finden, die Milchmenge definieren und einen Preis zugesichert bekommen. Erst wenn diese drei Punkte geklärt sind, kann die Rentabilität des Betriebszweigs Bio-Milchschafe ermittelt werden. «Ich habe da in den letzten zwanzig Jahren schon viel erlebt. Viele Einsteiger sehen zu Beginn nur den hohen Milchpreis und unterschätzen den hohen Arbeitsaufwand», meint Hofstetter. Er ist der Meinung, dass der Markt, abgesehen von saisonalen Schwankungen im Herbst, grundsätzlich gesättigt ist. Das Vermarktungspotenzial über einen Milchabnehmer ist regional unterschiedlich. Manche Abnehmer von Bio-Schafmilch sind jetzt schon zurückhaltend mit neuen Produzenten oder beim Ausbau der Herden. Andere setzen voll auf die Bio-Schafmilch und suchen nach wie vor Produzenten. Die Sicherheit der Milchabnehmer ist bei diesem Betriebszweig entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg und gestaltet sich teilweise als Herausforderung. Laut Hofstetter haben die letzten Jahre gezeigt, dass es bei Verarbeitungseinschränkungen oder dem Wegfall eines Verarbeiters für die Bio-Schafmilchproduzenten sehr schwierig wird, geeignete Alternativen zu finden. Anders als bei der Kuhmilch richtet sich der Bio-Schafmilchproduzent komplett am Markt aus. Das heisst, wenn die Liefermenge eingeschränkt wird, kann die Milch oft nicht anderweitig verkauft werden. Dies verlangt viel Flexibilität seitens Produzent.

Die Jahreszeit ist mitbestimmend

Die Saisonalität der Schafe spielt eine weitere entscheidende Rolle. Denn oft schaffen Abnehmer finanzielle Anreize via Milchpreis, um Lieferanten dazu zu bringen, ihre Schafherden im Herbst ablammen zu lassen. Geht man von einer Herde mit 100 Bio-Schafen und einer durchschnittlichen Milchleistung von 400 l Milch pro Schaf aus, ergibt dies eine jährliche Milchmenge von 40 000 l. Mit einem Basispreis von 2.80 Franken pro Liter Milch, gibt dies ein Einkommen von 112 000 Franken. Zahlt der Abnehmer für Wintermilch (Oktober bis März) 40 Rappen mehr und für Sommermilch (April bis September) 40 Rappen weniger, hat dies je nach Ablammzeitpunkt einen wesentlichen Einfluss auf den Erlös. Liefert ein Betrieb 30 000 l Wintermilch und 10 000 l Sommermilch, so hat er gegenüber einem Betrieb mit 30 000 l Sommermilch und 10 000 l Wintermilch einem Mehrerlös von 16 000 Franken. Wintermilch abzuliefern ist oft leichter gesagt als getan, denn dazu ist das Ablammen im Herbst notwendig. Einerseits kann versucht werden, mit Lichtprogrammen den Schafen den Spätsommer vorzutäuschen, indem die Tageslänge künstlich verlängert wird. Benötigt werden etwa 70 Tage mit verlängerter Lichtdauer. Beendet man das Programm im Frühling, so entspricht die Tageslänge ungefähr derjenigen vom Herbst, was schlussendlich die Brunst auslösen sollte. Auch Futterumstellungen (Weideaustrieb im Frühling) können die Brunst auslösen. Sicher ist, dass Erfahrungen gesammelt werden müssen und nicht jedes Jahr mit gleich viel Wintermilch zu rechnen ist. Das Teilen der Herde in eine Wintermilch- und Sommermilchherde ist eine Möglichkeit, um ganzjährig Milch abliefern zu können. «Damit sich der Aufwand lohnt, sollte dies aber erst ab einer Herdengrösse von 100 Milchschafen in Betracht gezogen werden», erklärt Hofstetter.

«Viele Einsteiger sehen nur den hohen Milchpreis und unterschätzen den Arbeitsaufwand.»

Peter Hofstetter, Emscha

Welche Schafe passen?

In der Schweiz sind vorwiegend die zwei Milchschafrassen Ostfriesisches Milchschaf und das aus Frankreich stammende Lacaune Schaf vertreten. Betrachten man die Zahlen der Herdebücher, so gewinnt das Lacaune Schaf an Bedeutung. Gab es vor 20 Jahren noch keine Lacaune im Herdebuch, sind es 2019 über 5700. Beim Ostfriesischen Milchschaf ist der Herdebuchbestand jedoch seit mehreren Jahren rückläufig. Beide Schafrassen passen zur Weidehaltung und eignen sich deshalb besonders für die Bio-Milchschafhaltung.

Und die Lämmer?

Für die Milchproduktion ist ein jährliches Ablammen ein Muss. Die Lämmer können selber aufgezogen und gemästet oder an einen spezialisierten Mäster verkauft werden. Hier muss abgewogen werden zwischen dem Milchverkauf und der Lämmermast. Bei der Mast auf dem Bio-Betrieb sollten die Lämmer grundsätzlich mit Muttermilch versorgt werden. Laut den Richtlinien von Bio Suisse müssen Lämmer in den ersten 35 Lebenstagen mit unveränderter Milch gefüttert werden. Es darf also keine Kuhmilch eingesetzt werden. Aus Sicht der Lämmer ist die Mast mit Kuhmilch sowieso nicht empfehlenswert, da diese einen zu geringen Energiegehalt aufweist, was sich negativ auf die Tageszunahmen der Lämmer auswirkt.

Die Bio-Lämmer dürfen nicht mit Kuhmilch gefüttert werden.

In einem Versuch des Instituts für ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Westerau, benötigten Lämmer in den ersten 45 Lebenstagen für 100 g Zuwachs 522 g Schafmilch. Das bedeutet, dass für zehn Kilogramm Zuwachs 52,2 kg Schafmilch aufgewendet werden müssen. Dies entspricht bei einem Milchpreis von 2.80 Franken pro Liter einem Milchgeld von 146 Franken. Bio-Mastlämmer mit der Taxierung T3 erzielten im ersten Halbjahr 2020 einen durchschnittlichen Preis von 14.95 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht, was einen Mehrpreis von rund zwei Franken gegenüber den QM-Lämmern ist. Bei einem Schlachtgewicht von sechs Kilogramm (13 kg LG) gibt dies einen Erlös von 89.70 Franken und reicht dementsprechend nicht aus, um das entgangene Milchgeld der 52,2 l zu kompensieren.

6241644_image_0_42.jpg

Melkstand für Bio-Milchschafe.

(Bild: BGK)

Futter nicht vergessen

Wie überall in der Wiederkäuerfütterung ist auch beim Bio-Milchschaf die Grundfutterqualität entscheidend für eine gute Gesundheit und Leistung. Versuche der Agroscope aus dem Jahr 2014 zeigten, dass Milchschafe mit einer Tagesmilchleistung von 1,6 kg Milch rund 2,6 kg Trockensubstanz aufnehmen, wenn Krippenreste von rund zehn Prozent in Kauf genommen werden. Für eine möglichst hohe Futteraufnahme ist eine ad libitum Fütterung im Stall unerlässlich.

Die effiziente Weidenutzung im Sommer ist ebenfalls eine Herausforderung. Einerseits sollen die Milchschafe ständig frisches Gras vorfinden, damit die Leistung gehalten werden kann. Eine Portionenweide eignet sich dazu besonders, ist aber arbeitsaufwändiger. Bestenfalls werden die abgeweideten Flächen so eingezäunt, dass sich die Schafe beim nächsten Weideaustrieb nicht wieder auf dieser Fläche aufhalten. Die Weiden können auch abwechslungsweise beweidet und gemäht werden. Diese Massnahmen entlasten nicht nur die Grasnarbe, sondern verringern den Parasitendruck auf den jeweiligen Parzellen. Mittlerweile gibt es für den Bio-Betrieb zugelassene natürliche Zusatzstoffe, welche unter anderem dem Mineralfutter beigemischt werden. Einige haben eine effektive Wirkung gegen Magen-Darm-Würmer und Kokzidien.

Ab 2022 darf man den Wiederkäuern, die nach den Bio Suisse Richtlinien gehalten werden, maximal fünf Prozent Kraftfutter verfüttern. Bei einem DGVE Faktor von 0,22 pro Milchschaf und einem TS-Verzehr von 55 dt TS pro DGVE und Jahr, sind das pro Milchschaf und Jahr 60,5 kg Kraftfutter. Hier sollte besonders auf die Lockwirkung geachtet werden, damit das Melken effizient vonstatten geht und die Schafe nicht in den Melkstand getrieben werden müssen. Zudem muss die Kraftfuttermenge dem Laktationsstadium angepasst sein. So kann während der Trächtigkeit oder Laktation die Kraftfuttermenge dem Bedarf angepasst werden (siehe Tabelle). 

Leserangebote

Leserangebote

bestellen Sie jetzt eines unserer exklusiven Leserangebote.

Diese Website verwendet Cookies.

Einige dieser Cookies sind unerlässlich, während andere uns helfen, Ihr Nutzererlebnis zu verbessern, indem sie uns Einblicke in die Nutzung der Website geben.

Ausführlichere Informationen über die von uns verwendeten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.

Einstellungen anpassen