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Nutztiere

Was tun, wenn Saugferkel geschwollene Gelenke haben?

Saugferkel mit entzündeten Gelenken bewegen sich weniger, säugen schlechter und bleiben im Wachstum zurück. Im schlimmsten Fall endet die Infektion tödlich. Wie Landwirtinnen und Landwirte entzündete Gelenke frühzeitig erkennen und vorbeugen können.

Was tun, wenn Saugferkel geschwollene Gelenke haben?
(zvg)

Publiziert am

Claudia Stannarius Dr. med vet. Fachtierärztin FVH für Schweinemedizin Tierarztpraxis Bühlmann

 

Bakteriell bedingte Gelenksinfektionen sind die häufigste Lahmheitsursache bei Ferkeln. Ein hoher Erregerdruck durch Streptokokken, Staphylococcus hyicus oder Trueperella pyogenes im Stall erhöht das Risiko. Um in den Körper und ins Gelenk des Ferkels zu gelangen, benötigen Keime eine Eintrittspforte. Dazu zählen Hautverletzungen durch Rangkämpfe oder raue Böden, der Nabel beim neugeborenen Ferkel sowie durch unsachgemässes Schleifen eröffnete Zahnhöhlen.

Lahme Ferkel, dicke Gelenke

Erkrankte Ferkel sind zu Beginn leicht lahm, die Lahmheit wird immer schlimmer. Schwellungen fallen besonders an Karpal und Sprunggelenken auf. Sieht die Schweinehalterin oder der Schweinehalter Schwellungen an Schulter- oder Hüftgelenken, sind die Veränderungen meist massiv und können den Knorpel betreffen. Dann kommt eine Behandlung oft zu spät. Früh erkannte Infektionen heilen dagegen in der Regel gut ab. Zur Behandlung setzt der Tierarzt Antibiotika und Schmerzmittel ein. Den Erreger bestimmt das Labor anhand von Gelenkspunktat oder einem zur Sektion eingesendeten Ferkel. Ein Antibiogramm zeigt, welches Medikament gegen den Erreger wirkt, und verhindert somit unnötige Behandlungen. Isoliert das Labor den Erreger, kann eine bestandsspezifische Mutterschutzimpfung die Abwehr der Ferkel zusätzlich stärken. Treten Gelenksinfekte gehäuft auf, sollte die Bestandstierärztin oder der Bestandstierarzt die Diagnostik begleiten und mit dem Betrieb das Vorgehen festlegen.

Keimdruck senken

Neben der Therapie können Landwirtinnen und Landwirte durch die Reduktion des Keimdrucks, das Verhindern von Eintrittspforten für Erreger und die Unterstützung des Immunsystems der Ferkel neuen Gelenksentzündungen vorbeugen.

  • Eine gründliche Stallreinigung senkt den Keimdruck wirksam. Wichtig ist, dass auch die Tränken und Ferkelnester gereinigt werden, da sich dort gerne Biofilme und Keimnester bilden. Warmes Wasser und ein passender Schaumreiniger lösen Kot, Fett und Biofilme besser als kaltes Wasser. Eine anschliessende Desinfektion oder das Auftragen von Schmierseife senken die Keimbelastung zusätzlich. 
  • Ein Wurfausgleich reduziert Verletzungen durch Rangkämpfe. 
  • Beschädigte Böden müssen saniert werden, um Hautverletzungen zu vermeiden. 
  • Den Nabel nach der Geburt korrekt kürzen und desinfizieren, um das Ferkel vor eindringenden Erregern zu schützen.
  • Zähne nie zu tief und nur wenn notwendig schleifen. 
  • Tierhaltende tragen beim Umgang mit den Ferkeln Handschuhe. 
  • Bei einer Medikamentengabe ist sauberes Injektionsmaterial ein Muss. 
  • Bei Bestandsproblemen überprüfen, ob die Kolostrumversorgung ausreicht oder eine übermässige Mykotoxinbelastung der Sauen vorliegt. Beides kann die Immunität der Ferkel schwächen.

Betriebe, die Gelenksinfekte früh erkennen, verbessern die Heilungschancen der Ferkel. Auf Bestandsebene senken Schweinehaltende das Risiko, indem sie Schwachstellen im Stall systematisch erkennen und beheben.

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