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Nutztiere

Soja aus Europa

Soja ist eine sehr effiziente Pflanze, wenn man den Anbau betrachtet. Zudem ist die Leguminose beliebt und wertvoll für die Nutztierfütterung. Bei der Herkunft der Sojaprodukte, die in die Schweiz importiert werden, hat sich in den letzten Jahren vieles getan.

Die Sojabohne ist sehr wertvoll aufgrund ihres hohen Eiweissgehaltes. 

Die Sojabohne ist sehr wertvoll aufgrund ihres hohen Eiweissgehaltes. 

(Bild: Peter Röthlisberger)

Publiziert am

Redaktorin, UFA-Revue

Rund 80 Prozent des weltweit produzierten Sojas kommt heute aus drei Ländern: Brasilien, USA und Argentinien. Noch im Jahr 2010 stammten die Sojaextraktionsschrot-Importe in die Schweiz zu 96 Prozent aus einem dieser Länder, nämlich aus Brasilien. Doch in kurzer Zeit hat sich viel verändert. 2022 kamen über 90 Prozent der Importe in die Schweiz aus Europa.

Gentechnikfrei als Nische

In der Schweiz ist der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verboten. Das Soja Netzwerk Schweiz, bei welchem sämtliche wichtigen Sojaimporteure Mitglied sind, verlangt zudem, dass ausschliesslich verantwortungsvolles Soja (GVO-frei und zertifiziert mit Nachhaltigkeit) in die Schweiz importiert werden.

Der Anbau von GVO-freiem Soja wird weltweit aber immer kleiner. Deshalb stammen die Sojaprodukte, die die Schweiz importiert, zunehmend aus Europa. In der EU ist nämlich der Anbau von GVO-Soja ebenfalls verboten.

Im Gegensatz zur Schweiz wird in Europa für die Fütterung weitestgehend auf GVO-Soja gesetzt. Der Anteil an GVO-freiem Soja beträgt innerhalb von Europa nur maximal 15 Prozent der Gesamtmenge.

In den letzten zehn Jahren hat sich der Anbau von Soja in Europa stark erhöht. Die Importe von europäischem Sojaextraktionsschrot in die Schweiz sind von unter fünf Prozent auf über 90 Prozent gestiegen (siehe Tabelle).

Gemäss Schätzungen von Soja Netzwerk Schweiz sind heute etwa 77 Prozent des weltweit angebauten Sojas gentechnisch verändert. In den USA und Brasilien ist der Anteil von GVO-freiem Soja mit rund fünf respektive zwei Prozent sehr klein. In Argentinien wird sogar ausschliesslich GVO-Soja produziert.

Diese zwei Prozent GVO-freies Soja bedeuten für Brasilien gemäss Markus Stalder, Leiter Futterproteine bei fenaco GOF, einen grossen Mehraufwand innerhalb der Lieferkette. «GVO-freies Soja muss jeweils separat gelagert, transportiert und verarbeitet werden. Somit verlangt Brasilien eine Prämie, damit ihre Mehrkosten gedeckt werden können.»

Wunderpflanze Soja

Rund 75 Prozent des Sojas weltweit werden in der Tierernährung eingesetzt. Die Sojapflanze ist nicht ohne Grund so beliebt. Sie ist im Anbau eine sehr effiziente Pflanze und auch ökologisch besonders wertvoll. Die Sojapflanze ist eine Leguminose und deckt rund zwei Drittel ihres Bedarfs an Stickstoff selbst. Dies aufgrund der Knöllchenbakterien, die ihren Wurzeln anhaften, welche Stickstoff binden und pflanzenverfügbar machen. Somit braucht die Sojapflanze relativ wenig Dünger und ist auch eine gute Kultur für die Fruchtfolge.

In der Tierernährung ist Sojaextraktionsschrot bei allen Tierkategorien, insbesondere in der Geflügel- und der Schweinefütterung, sehr wertvoll. Dies aufgrund des hohen Eiweissgehalts, einer günstigen Zusammensetzung von essenziellen Aminosäuren, der Abwesenheit von unerwünschten sekundären Inhaltsstoffen und der guten Fressbarkeit.

Eigene Eiweissversorgung in Europa

Dass sich die Sojaproduktion in Europa in den letzten Jahren stark ausgedehnt hat, ist gemäss Markus Stalder einerseits auf die erhöhte Nachfrage nach europäischer Herkunft zurückzuführen. Andererseits will die EU mithilfe von Anbauförderprogrammen die Proteinabhängigkeit gegenüber Südamerika reduzieren. «Sojaextraktionsschrot, welches für den Schweizer Markt importiert wird, muss nebst der GVO-Freiheit auch den Status der Nachhaltigkeit erfüllen. Die Mitglieder des Schweizer Sojanetzwerks haben verschiedene Nachhaltigkeitsstandards definiert, welche für Sojalieferungen aus Übersee und auch aus Europa Gültigkeit haben. Als Mitglied des Sojanetzwerks ist der Importeur gefordert, diese Richtlinien einzuhalten», so Stalder. Da in Europa andere klimatische Bedingungen herrschen als in Brasilien, gibt es hier auch andere Sorten. Betreffend Qualität haben europäische Sojabohnen einen um rund ein bis zwei Prozent tieferen Eiweissgehalt. Das mit der Erfahrung steigende Know-how in Europa und Verbesserungen bei den Sorten haben zu den erhöhten Ertragsmengen beigetragen. Trotzdem hofft Stalder, dass die Lieferquelle für GVO-freies und nachhaltiges Soja aus Südamerika nicht ganz versiegt. «Je nach klimatischen Ereignissen kann es immer wieder vorkommen, dass wir auf Importe aus Übersee angewiesen sind, weshalb es Sinn macht, wenn dieser Lieferkanal vorhanden bleibt.»

Rund 55 Prozent des europäischen Soja kommt aus Italien (Po-Ebene) und 45 Prozent aus Osteuropa (Donauregion und Ukraine). In Bayern gibt es einen grossen Verarbeitungsbetrieb, der Sojabohnen aus Ungarn, Süddeutschland und der Ukraine verarbeitet. Die Nähe ist im Gegensatz zur Herkunft aus Südamerika ein grosser logistischer Vorteil. Auch schreiben einige Labels in der Schweiz inzwischen vor, dass das Soja aus Europa kommen muss.

Anbau in der Schweiz

In der Schweiz werden gemäss Soja Netzwerk Schweiz jährlich rund 4000 Tonnen Soja produziert. Global wird die Ölsaat auf rund sechs Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut. 

Bio-Sojaanbau in der Schweiz

Im Bio-Bereich wurde 2019 entschieden, nur noch Bio-Soja europäischer Herkunft zu verwenden. Bei Bio Suisse ist die Extraktion mit organischen Lösungsmitteln und somit der Einsatz von Extraktionsschroten nicht erlaubt. Deshalb wird hier auf Sojakuchen gesetzt. Davon werden jährlich rund 10 000 Tonnen importiert.

Schweizer Bio-Sojaproduzenten sind gesucht. 2022 wurde total (bio und konventionell) auf rund 2300 ha Soja angebaut. Davon waren rund 900 ha Bio-Flächen mit einem Ertrag von 2021 t (992 t Bio-Speisesoja, 1029 t Bio-Futtersoja).

Der Richtpreis lag im Jahr 2022 bei 133 Franken pro Dezitonne. Zusammen mit dem Förderbeitrag der Bio Suisse (27 Franken) wurde ein Produzentenpreis von 160 Franken pro Dezitonne erreicht.

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