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Pflanzenbau

Das Multitalent im Gemüse

Gemüsekulturen haben hohe Ansprüche an den Boden. Dieser hat einen grossen Einfluss auf die Menge und Qualität des Erntegutes. Branntkalk erleichtert nicht nur die Ernte von Wurzelgemüse, sondern hat auch zahlreiche weitere Vorteile für verschiedene Kulturen.

Gemüsekohl
(zvg)

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Aktualisiert am

Technischer Dienst Landor

Branntkalke enthalten Kalzium und als Mg-Branntkalke ebenfalls Magnesium in Verbindung mit Sauerstoff (CaO/MgO). Sie entstehen durch das Brennen von Kalkstein oder Dolomit bei Temperaturen über 1000 °C und sind sehr reaktiv. Branntkalk ist die einzige Kalkform, die mit Wasser reagiert und hat dadurch eine sehr schnelle Wirkung.

Verbessert die Bodenstruktur

Kalk ist für die Bodenfruchtbarkeit besonders wichtig. Er verkittet die Tonplättchen im Boden zu einer flockigen, stabilen Struktur. Die Tonplättchen liegen dann nicht mehr wie Bierdeckel flach aufeinander, sondern sind in einer Kartenhausstruktur angeordnet. Der Porenraum im Boden wird dadurch deutlich erhöht, was zu besserer Durchlüftung und schnellerer Erwärmung führt. Samen keimen schneller und laufen gleichmässiger auf. Die Bodenporen können auch deutlich mehr Wasser aufnehmen. Durch die stabilere Struktur und da sich das Wasser nicht an der Oberfläche staut, wird der Boden vor Verschlämmung und Erosion geschützt.

Vorteile von Branntkalk auf einen Blick

  • Deutliche Strukturverbesserung
  • Erhöhtes Wasserbindungsvermögen im Boden
  • Bessere Verfügbarkeit der Hauptnährstoffe
  • Bessere Durchlüftung des Bodens 
  • Schnellerer, gleichmässigerer Feldaufgang 
  • Verbessertes Wurzelwachstum 
  • Ideale Form des Ernteguts (Karotten, Zwiebeln etc.) 
  • Wenig Erdbehang beim Erntegut 
  • Hygienisierung des Bodens dank ätzender Wirkung
  • Schnecken und deren Eigelege werden zerstört 
  • Vermindert die Verbreitung von Kohlhernie 
  • Sichert die Ca-Versorgung

Hygienisiert den Boden

Der bodenbürtige Erreger der Kohlhernie führt im Feldgemüsebau bei Kreuzblütlern zu erheblichen Ertragsausfällen. Krebsartige Wucherungen am Wurzelhals unterbrechen die Leitgefässe und führen zu Kümmerwuchs. Durch Branntkalk wird der pH-Wert im obersten Krumenbereich für einige Wochen deutlich erhöht und das Auskeimen der Sporen der Kohlhernie verhindert. Auch andere Pilze werden durch den Branntkalk gehemmt. Vor der Neuauspflanzung kann der Boden im Gemüsebau mit einem oberflächlichen Branntkalkschleier hygienisiert und so gegen Verpilzung geschützt werden. Schädlinge wie Schnecken und Drahtwürmer werden durch Branntkalk geschädigt. Durch die starke hydroskopische Wirkung des Kalkes wird ihnen, beziehungsweise den Eigelegen, Wasser entzogen und sie sterben ab. Dazu braucht es aber direkten Kontakt zwischen dem Schädling und dem Branntkalk.

«Branntkalk verbessert die Bodenstruktur»

Peter Kramer setzt auf seinem Betrieb im Seeland seit mehr als 10 Jahren Branntkalk ein. In den Kulturen Zwiebeln, Kartoffeln, Zuckerrüben und Karotten gehört für ihn der Einsatz von Branntkalk einfach dazu. In den Karotten streut er 1.5 Tonnen, bei den anderen Kulturen eine Tonne, gekörnten Branntkalk vor der Saat. Seine Böden haben stabil hohe pH-Werte von 6.9 bis 7.4. Trotzdem lohnt sich der Einsatz. Peter Kramer ist von der Wirkung von Branntkalk überzeugt: «Die schweren Böden weisen durch den Einsatz von Branntkalk eine deutlich bessere Struktur auf. Die Ernte wird durch den feinkrümeligen Boden erleichtert und der Erdbesatz am Erntegut ist deutlich tiefer. Zudem haben wir dank Branntkalk weniger Schneckenschäden.»

Sichert die Calciumversorgung

Calcium als Nährstoff ist besonders wichtig für die Qualität des Erntegutes. Fehlt freies Calcium, führt dies je nach Kultur zu Innenbrand, internen Verbräunungen, Hohlherzigkeit und zum Absterben der Vegetationspunkte. Durch einen höheren Gehalt an Calcium im Erntegut wird die Gewebestabilität und die Lagerfähigkeit verbessert. Obwohl Calcium im Boden häufig in ausreichender Menge vorliegt, ist es im intensiven Gemüsebau nicht immer in genügender Menge als freies Calcium verfügbar. Hohe Kalium- und Magnesiumgehalte im Boden bedeuten eine Konkurrenz für Calcium (Antagonismus). Mit dem schnell löslichen Branntkalk kann der Gehalt an freiem Calcium in der Bodenlösung während 3 – 5 Wochen erhöht und damit der Bedarf von bedürftigen Kulturen wie zum Beispiel Kohl in dieser Zeit gedeckt werden. Magnesium-Branntkalk hat zusätzlich eine hohe Magnesiumwirkung.

Kurz vor der Saat ausbringen

Branntkalk wird unmittelbar vor der Saat oder Pflanzung ausgebracht und beim Dammformen oder Säen oberflächlich eingearbeitet. Je nach Kultur und Bodenart werden 1 t Branntkalk (leichte Böden) oder 2 t Branntkalk (schweren Böden) empfohlen. Branntkalk wirkt in erster Linie auf die Bodenstruktur und kann deshalb auch bei bereits hohen pH-Werten eingesetzt werden.

Branntkalk (90 % CaO) und Mag-nesium-Branntkalk (60 % CaO + 25 % MgO) sind als Splitt und gemahlen erhältlich. Der Splitt kann mit einem normalen Düngerstreuer ausgebracht werden, für gemahlenen Branntkalk wird ein spezieller Kastenstreuer benötigt. 

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