Pflanzenbau

Gemeinsam gegen Stängel und Bruch

Die Ölmühlen sahen sich aus der Ernte 2019 mit zu viel Fremdbesatz in den Sonnenblumenkernen konfrontiert. Daraus resultieren finanzielle Verluste und das gepresste Rohöl weist eine schlechtere Qualität auf. Um spürbare Verbesserungen zu erzielen, ist es notwendig, entlang der ganzen Wertschöpfungskette Massnahmen zu ergreifen.

Sind die Sonnenblumen beim Drusch ausreichend abgereift, landet weniger Besatz iMähdrescher

(pixabay.com/elljay)

Publiziert am

Redaktorin UFA-Revue

Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten wünschen sich heimische Palmöl-Alternativen. Somit steigt die Nachfrage nach Schweizer Raps- und Sonnenblumenöl stetig. Die Ölmühlen waren bei den Anlieferungen mit einer neuen Problematik konfrontiert: häufig deutlich zu hohe Anteile bei Schwarzbesatz und Bruch.

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Spezielle Sonnenblumenvorsätze reduziereden Stängelanteil. 

(Jacob Widmer)

Zu hoher Schwarzbesatzanteil

In der Saison 2019 – 2020 war der Schwarzbesatzanteil (Fremdbesatz, Stängelanteile und Erde) in den angelieferten Chargen deutlich höher, als in den Vorjahren. Fortunat Schmid, von der fenaco Geschäftseinheit Getreide, Ölsaaten, Futtermittel, fasst es konkret zusammen: «2019 war ein schlechtes Jahr für die Sonnenblumen-Ernte.» So war der Witterungsverlauf bei der Ernte 2019 nicht ideal und die Sonnenblumen wurden vielerorts in nicht optimalem Reifegrad gedroschen. Sie wurden in der Folge mit hohen Anteilen an Fremdbesatz bei den Sammelstellen angeliefert. Rolf Häusler vom Verband der Getreidesammel stellen stimmt dem zu: «Es war im September schwierig zu dreschen.» Es ist dann eine Gratwanderung den Mähdrescher so einzustellen, dass nicht zu viele Körner verloren gehen, aber dennoch wenig Besatz bei den Sammelstellen mitangeliefert wird. Häusler sieht auch darin ein Problem, dass immer weniger frühreife Sorten verfügbar sind. Deswegen werden spätere Sorten ausgesät, die bis zum Erntezeitpunkt teilweise nicht optimal druschfähig sind.

Schwarzbesatzrichtlinie «swiss granum» für Sonnenblumen

Als Schwarzbesatz gelten: Getreidekörner (Weizen, Roggen, Gerste, Triticale, Mais, usw.), andere Ölsaaten, Halmteile, Unkrautsamen, Erde und Steine. Bei einem Schwarzbesatzanteil von über 3 %, bei starkem Schimmelgeruch oder Pilzbefall (auch Sklerotien) sind die befallenen Partien von Ölsaaten nicht übernahmefähig.
Bei den Sonnenblumen ist der Anteil Bruch mitzuberücksichtigen. Dieser wird zum Schwarzbesatz hinzugerechnet, da das Öl von zerbrochenen Körnern ranzig wird.

• Bis 1 % Schwarzbesatz und Bruch = kein Preisabzug 
• 1,1 bis 2 % = 1 % Preisabzug 
• 2,1 bis 3 % = 2 % Preisabzug 
• mehr als 3 % = nicht übernahmefähig

Das Problem wird weitergegeben

Die Sammelstellen haben Schwierigkeiten, die Besatzanteile mit ihren Einrichtungen heraus zu reinigen, ohne dass dabei viele gute Kerne mit in den Abgang geraten. «Sonnenblumen ist die am schwierigsten zu reinigende Kultur», ist sich Rolf Häusler sicher. Das spezifische Gewicht der Kerne entspricht etwa dem des Besatzes und eine Reinigung mit Luftsichtern ist schwer möglich. Das Problem wird an die Ölwerke weiterverlagert, die dann Ware erhalten, welche nicht den Übernahmebedingungen entspricht. 2019 haben die Abnehmer den hohen Besatz nicht mehr toleriert, da dort die Reinigung von nicht übernahmefähigen Sonnenblumenkernen kaum möglich war. Statt die Ware wieder an den Absender zurückzusenden, wurde auf Kulanz gesetzt und ein Kompromiss bei den Abzügen gefunden. Die Verarbeitung solcher Chargen zu Speiseöl führt zu unerwünschten Rückständen im Öl, was sich in der Qualität und somit auch im Geschmack bemerkbar machen kann. Der finanzielle Aspekt ist auch nicht ausser Acht zu lassen, wenn der Besatz zum gleichen Preis wie die Kerne verrechnet wird.

«Ende März muss die Sonnenblume im Boden sein» Jacob Widmer

Gemeinsame Lösungsstrategie

Es gilt nun, wichtige Punkte und mögliche Verbesserungen entlang der Wertschöpfungskette aufzuzeigen, um künftig ein einwandfreies Rohprodukt an die Ölwerke zu liefern. So könnte das schlechte Erntejahr 2019 eine Ausnahme bleiben. Jede der beteiligten Parteien kann und soll dazu einen wertvollen Beitrag leisten.

Auf der Seite der Produzenten steht zum Beispiel der Landwirt und Lohnunternehmer Jacob Widmer. Er hat 25 Jahre Erfahrung im Sonnenblumenanbau. Auf Nachfrage, was er für wichtig hält, um den Besatz möglichst klein zu halten, ist für ihn klar: «Die Ernte fängt bei der Saat an. Ende März muss die Sonnenblume im Boden sein.» So könne Ende August bis Anfang September geerntet werden. Er weiss, dass dann Feuchtegehalte von zehn Prozent möglich sind, welche nachfolgend in der Sammelstelle auf sechs Prozent runter getrocknet werden. Widmer macht deutlich, wie wichtig eine regelmässige Kontrolle der Kultur ist, um den Reifezustand abzuschätzen. «Man darf trotz der Furcht vor schlechtem Wetter und eines nichtbefahrbaren Bodens nicht zu früh dran sein mit der Ernte.»

Um möglichst früh ernten zu können, sollte eine frühere Sorte gewählt werden, gerade dann, wenn die Anbauregion nicht ideal ist. Sorteninformationen können zum Beispiel bei den UFA Samen-Beratern eingeholt werden. Dabei sollte die Saatdichte so optimiert werden, dass die Körbe nicht zu gross und zu schwer werden. So wird verhindert, dass die Stängel knicken. Eine Nachkontrolle des Druschergebnisses zum Schluss sollte Bestandteil der eigenen Qualitätskontrolle sein.

Im nächsten Schritt der Kette sind die Mähdruschunternehmen gefragt. In der Praxis werden oft Maisgebisse für die Ernte verwendet, was einen höheren Besatz verursacht. Ein Sonnenblumenvorsatz ist deswegen die bessere Wahl.

Da die Sonnenblume eher als Randkultur in der Schweizer Landwirtschaft gilt, ist die Ernte-Praxis unter Umständen noch nicht so perfekt wie bei vielen anderen Kulturen. Um der Kultur gerecht zu werden, sollte ein möglichst grosser Mähdrescher gewählt werden. So lassen sich die Einstellungen für Sonnenblumenkörbe optimieren und die Siebe genug weit öffnen. Im Zusammenspiel mit einem Unterflurhäcksler kann dadurch möglichst hoch geschnitten werden, um Stängelanteile zu vermeiden. So kann der Qualität noch einmal eins draufgelegt werden.

An nächster Stelle wäre es den Sammelstellen möglich, bei der Anlieferung den Besatz preislich abzuziehen, um den Gewichtsabzug bei der Reinigung auszugleichen. Dies würde die Qualität kurzfristig zwar nicht verbessern, es würde aber die Produzenten und Dreschunternehmer sensibilisieren, der Druschqualität im Folgejahr mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Weiter könnte die Anlage zur Reinigung in den Sammelstellen mittels Siebreinigung auf Sonnenblumen angepasst werden, um so den optimalen Durchsatz zu erzielen. Letztlich ist es auch hier ratsam, den Besatzanteil vor dem Verladen noch einmal zu kontrollieren. Kann die Problematik nicht auf den Vorstufen gelöst werden, müssten gegebenenfalls die Übernahmebedingungen der «swiss granum» überdacht werden. Dazu braucht es aber den Konsens aller Marktpartner für höhere Limiten mit allfälligen Abzügen. So weit ist es allerdings lange noch nicht. Rolf Häusler ist sich sicher: «Wir kriegen das hin». 

Wie kann man das Besatz-Problem angehen

• Zeitig säen und frühreife Sorten wählen
• Grosse Mähdrescher mit Sonnenblumenaufsatz und Unterflurhäcksler einsetzen
• Hoch schneiden und Siebe optimal einstellen
• Reinigung in den Sammelstellen für die Sonnenblumen anpassen
• Die Sammelstellen müssen gegebenenfalls einen Besatzabzug bei den Produzentenanlieferungen berechnen
• Kontrolle des Besatzes jeder beteiligten Partei

Zusätzliche Informationen 

Anbauflächen und weitere Angaben unter www.swissgranum.ch
Datenblätter Ackerbau unter www.agridea.ch
UFA-Revue (2017) Artikel über Sonnenblumen als interessante Kultur 

 


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