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Pflanzenbau

Raps mit abfrierender Untersaat

Untersaaten in Kulturen wie Mais oder Futterbaumischungen in Sommergetreide werden in der Praxis mehr oder weniger konsequent und erfolgreich angewendet. Doch wie verhält es sich, wenn Raps mit einer abfrierenden Untersaat kombiniert wird?

Die Untersaaten-Mischung UFA Colza Fix friert über den Winter ab (linke Hälfte vom Feld).

Die Untersaaten-Mischung UFA Colza Fix friert über den Winter ab (linke Hälfte vom Feld).

Publiziert am

Aktualisiert am

Mitarbeiter Region Westschweiz, UFA-Samen

Unkrautmanagement

Mit der Kombination von Getreide und Leguminosen (Erbse-Gerste, Hafer-Ackerbohne) hat die Bio-Landwirtschaft aufgezeigt, welche Vorteile und Möglichkeiten eine Mischkultur bietet. Inspiriert von den guten Erfahrungen haben diverse konventionell wirtschaftende Landwirte den Versuch gewagt. Das Verfahren und die Vorteile können mit dem seit langem bekannten und anerkannten Ablöse Prinzip im Schweizer Futterbau verglichen werden. Wieso also nicht eine Hauptkultur mit einer abfrierenden Gründüngung kombinieren? Der Winterraps zeigte sich als eine der Kulturen, bei der die Vorteile einer Untersaat am deutlichsten waren.

Prinzip

Raps und die abfrierende Untersaatmischung werden zusammen ausgesät. Die Untersaat dient dabei als Bodendeckung, die nicht geerntet wird. Raps reagiert vom Keimblattstadium bis zum 4-Blatt-Stadium empfindlich auf Konkurrenz um Wasser und Licht. Danach, sobald sich die Wurzeln in der Tiefe entwickelt haben, befindet sich der Raps in der aktiven Wachstumsphase und ist wesentlich resistenter gegen Konkurrenz.

Die Wahl für die Untersaat fällt somit rasch auf die Leguminosen. Im Vergleich zum Raps entwickeln sich Leguminosen langsamer und ihre Wachstumsphase setzt später ein. Dies reduziert die Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe. Später werden die Leguminosen aufgrund dieser Konkurrenzsituation dazu tendieren, ihren Stickstoffbedarf durch die symbiotische Stickstoff-Fixierung zu decken und so den Erfolg der Kombination Raps-Leguminosen zu optimieren. Kurz: Die Wurzelsysteme von Raps und Leguminosen ergänzen sich. Nichtleguminosen sind aufgrund ihrer Biomasseproduktion und ihrer Nitrataufnahme zu vermeiden. Ihre Entwicklung erfolgt zulasten des Rapses. Es ist wichtig, dass die als Untersaat eingesetzten Pflanzen nicht überwintern, damit sie den Raps im Frühling nicht konkurrieren. Folglich werden frostempfindliche Leguminosen benötigt. Diese geben nach dem Abfrieren einen Teil ihres Stickstoffs für den Raps frei.

Erfolgsvoraussetzungen

Untersaaten sollten nicht unüberlegt angegangen werden. Der Bewirtschafter muss sich zuerst einige zentrale Fragen stellen und die Ausgangslage analysieren.

Auf Parzellen mit hohem Unkrautdruck sollte auf dieses Verfahren verzichtet werden, insbesondere bei früh auflaufenden, zweikeimblättrigen Unkräutern.

Auf Parzellen mit hohen Stickstoffrückständen gelingt dem Raps die Unkrautunterdrückung meist alleine. Auf stickstoffarmen Parzellen hingegen zeigen die Untersaaten bessere Wirkung.

Die Zufuhr von organischem Dünger wirkt sich folglich positiv auf das Wachstum des Rapses aus, wodurch sich dieser wiederum besser gegen Unkräuter behaupten kann.

Bodenvorbereitung

Je sauberer das Saatbeet ist, umso schneller entwickelt sich die Untersaat und umso besser können die Unkräuter in Schach gehalten werden. Durch Pflügen wird das sauberste Saatbeet erreicht, danach folgen die Techniken der reduzierten Bodenbearbeitung, die vom Grubber über Strip-Till bis zur Direktsaat reichen.

Saatmenge und Saattechniken

Untersaat und Raps werden gleichzeitig gesät, und zwar zum selben Zeitpunkt wie eine Aussaat von Raps alleine erfolgen würde. Dabei ist auf eine Saat vor dem 25. August zu achten. Eine spätere Aussaat, nach dem 1. September, begrenzt das Wachstum der Leguminosen und gefährdet somit die Erfolgschancen. Die Saatmenge ergibt sich aus der Summe der Saatmengen für den Raps und die Untersaat. Dabei ist es wichtig, die übliche Rapssaatmenge einzuhalten. Ist die Saatmenge zu hoch, kann dies schlimmere Folgen haben als bei einer Saat von Raps alleine.

Es gibt zwei Haupttechniken, die beide ihre Vor- und Nachteile haben. Bei der Saat in einem Durchgang werden der Raps und die abfrierende Untersaat zusammen ausgesät. Dies führt zu einer guten Bodenbedeckung und wirkt sich positiv auf die Unkrautunterdrückung aus. Allerdings müssen bei dieser Technik die Samen vorher selbst gemischt werden.

Die Saat in zwei Durchgängen erhöht die Wirkung gegen Unkrautdruck. Die Untersaat kann beim letzten Durchgang der Bodenvorbereitung gesät werden. Kurz danach, maximal zwei Tage später, wird der Raps mit einer Einzelkornsämaschine gesät. Die Samen – Raps und Untersaat – müssen zwingend Bodenkontakt haben. Die Breitsaat ist aufgrund der Unregelmässigkeit nicht empfehlenswert für die Untersaat.

Empfohlene Untersaatmischung

UFA Samen empfiehlt die Mischung UFA Colza Fix, die sich in der Praxis bewährt hat. Sie besteht hauptsächlich aus Leguminosen wie Alexandrinerklee, Sommerwicken, Saatlinsen und Saatplatterbsen. Die Mischung wird durch Ramtillkraut und Buchweizen komplettiert. Die verschiedenen Arten der Mischung ergänzen sich optimal in ihren Eigenschaften. Zudem werden Risiken verteilt; das heisst, herrschen für eine Pflanzenart schlechte Wachstumsbedingungen, kann eine andere Art dies teilweise kompensieren. So ist der Erfolg der Mischung garantiert. Die empfohlene Saatmenge beträgt 30 kg/ha.

Nachbehandlungen

Obschon es das Ziel ist, bei der Unkrautbekämpfung auf Nachbehandlungen verzichten zu können, sind diese in gewissen Situationen notwendig, damit die Kultur nicht allzu starken Schaden nimmt. Die Überlegungen gegen Ausfallgetreide sind dieselben wie bei einem Anbau von Raps alleine. Die Produkte sind gut zu wählen. Behandlungen im Nachauflauf sind vom 4- bis zum 6-Blatt-Stadium des Rapses möglich, die Wirkung gegen zweikeimblättrige Unkräuter ist allerdings beschränkt. Ende Winter stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, aber auch hier ist die Wirkung beschränkt. Die Devise lautet, die Kultur zu beobachten und – falls nötig – rasch zu reagieren.

Die Rapsuntersaat wirkt sich nicht auf das Dünge- und Schädlingsmanagement aus. Letzteres verhält sich gleich wie bei einer Saat von Raps alleine.

Versuche und Forschung

Die Rapsuntersaat ist ein funktionierendes Verfahren, das vor der Umsetzung allerdings gut durchdacht werden muss. Bezüglich Ertrag haben Streifenversuche gezeigt, dass das Potenzial des Rapses bei geringem Unkrautdruck auf der Parzelle nicht beeinträchtigt wird. Dies stimmt zuversichtlich, umso mehr als verschiedene Forschungsarbeiten laufen, welche das Verfahren verfeinern und die Erfolgsfaktoren genauer definieren sollen. 

AutorLukas Aebi, UFA-Samen, 1510 Moudon

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