Pflanzenbau

Rosenkohl vor der Weissen Fliege schützen

Die Weisse Fliege wird in Gemüsekulturen immer mehr zum Problem. Für Rosenkohl wurden in Praxisversuchen verschiedene biologische und chemische Bekämpfungsstrategien gegen den Schädling getestet sowie Nachernteverfahren zur Verminderung des Russtaubefalls evaluiert.

Versuche zum Absaugen der Adulten der Weissen Fliege (links) und zur Verhinderung des Einflugs in Rosenkohlfelder durch Netze (rechts).

(Bilder: Ueli Zürcher)

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Wis­senschaftlicher Mitarbeiter, Grangeneuve

Um verschiedene Massnahmen gegen die Weisse Fliege zu testen, wurden 2018 auf Versuchsparzellen von zwei Rosenkohlbetrieben Praxisversuche durchgeführt. Diese im Feld getesteten Strategien wurden durch Massnahmen im Nachernteverfahren ergänzt. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit der Rosenkohlproduzenten, der LANDI Seeland, Agroscope, dem Beratungsring Gemüse, dem Inforama, Grangeneuve und Pflanzenschutzmittelfirmen zur Bekämpfung der Weissen Fliege in Kohlarten am Beispiel des Rosenkohls.

Temperaturabhängige Befallsentwicklung

Das extrem warme Wetter bis weit in den Herbst 2018 war für die Vermehrung der Weissen Fliege optimal. Ab Anfang Juli war in vielen Rosenkohlbeständen ein starker Populationsaufbau zu beobachten, welcher sich spätestens während der Hitzewelle ab Anfang August 2018 zu einem Massenbefall entwickelte. Larven dieses Schädlings saugen an den Pflanzen und scheiden unverdauten Zuckersaft, den sogenannten Honigtau aus, der das Blattwerk der Pflanzen überzieht. Auf diesem klebrigen Belag siedeln sich Schwärzepilze an und sorgen für die als Russtau bezeichnete unattraktive schwarze Färbung und Verunreinigung des Ernteguts. Damit die Massenvermehrung der Weissen Fliege im Feld abgeschätzt und Massnahmen gezielt ergriffen werden können, sind ab einer Tagesdurchschnittstemperatur von über 16 °C regelmässige Feldkontrollen unverzichtbar.

Netze und Stärkungsmittel

Die Abwehr des Zuflugs durch seitliche Netze, welche entgegen der Einflugrichtung aufgestellt wurden, erwies sich als nicht zielführend. Durch ein früheres Aufstellen der Netze wird dieser Versuch 2019 jedoch noch einmal wiederholt und als Schutzmassnahme geprüft. Ein vollständiges Übernetzen der Kulturen gestaltet sich aufgrund des Arbeitsaufwands schwierig. Trotzdem wird auf einer Fläche von rund zehn Aren im Jahr 2019 ein Versuch gemacht. Der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln und Produkten zur Bodenaktivierung, sowie von homöopathischen Mitteln führte zwar zu Vegetationsbeginn zu optisch vitalen Pflanzen, wegen des enormen Schädlingsdrucks musste dieser Versuch allerdings noch während des weiteren Vegetationsverlaufs abgebrochen werden.

Absaugen und Abwaschen

Damit adulte Weisse Fliegen von Kulturflächen entfernt werden konnten, wurde von der Linder Agrar Maschinenbau GmbH im Jahr 2016 eine Maschine entwickelt, welche mit einem modifizierten Heugebläse das Absaugen der Weissen Fliegen oberhalb der Pflanzen ermöglichte. Zusätzlich scheuchte ein vorgelagerter Kettenvorhang die Weissen Fliegen auf. Mit dieser Technik konnten im Praxisversuch rund ein Drittel der Weissen Fliegen erfolgreich abgesaugt werden. Negative Aspekte dieser Strategie waren, dass ein zu starker Luftstrom die Pflanzen verletzte und dass die Maschine konstruktionsbedingt nur bei kleinen Rosenkohlpflanzen, das heisst in den ersten Kulturwochen, eingesetzt werden konnte. Diese Technik könnte eventuell in anderen Kohlkulturen, zum Beispiel bei Wirz, eine Anwendung finden. In einem weiteren Verfahren wurde getestet, ob adulte Weisse Fliegen und Honigtau mit einem wöchentlichen überdurchschnittlichen Wassereinsatz mit Hilfe einer Rohrbewässerung abgewaschen werden kann. Obschon die Methode anfangs vielversprechend war, musste die Bewässerung im August eingestellt werden, da diese Massnahme auf dem nährstoffreichen Moorboden wegen der hohen Mineralisation zu einem zu üppigen Pflanzenwachstum führte. Da die Qualität und der Ertrag sehr gut ausfielen, soll dieses Verfahren 2019 auf mehrere Betriebe ausgedehnt werden, damit die Wirkung auf mineralischen Standorten untersucht werden kann.

Pflanzenschutzstrategien

Die Bekämpfung der Weissen Fliege, basierend auf für den Bioanbau tauglichen Pflanzenschutzmitteln, war bis Mitte Juli vielversprechend. Danach war der Schädlingsdruck mit den übrigen Parzellen vergleichbar. Die Weiterführung der Versuche war anspruchsvoll. Unter anderem wegen der starken Bildung von Russtau wurden die Versuche mit biologischen Pflanzenschutzmitteln frühzeitig beendet. Sie sollen 2019 wiederholt werden. Die Kombination von chemischen und biologischen Pflanzenschutzmitteln erwies sich auf beiden Versuchsparzellen als erfolgreich. Die Qualität und auch der Ertrag waren mit der Standardstrategie vergleichbar. Exaktversuche von Pflanzenschutzfirmen lieferten zusätzliche Erkenntnisse zum Einsatzzeitpunkt, zur Kombination, zu Applikationsintervallen und zu Wirkung von Wirkstoffen. Die Versuche sollten daher 2019 auf grösseren Flächen angelegt werden.

Applikationstechnik

Weisse Fliegen halten sich gerne auf der Blattunterseite sowie im späteren Kulturverlauf im Kopf der Pflanze auf, weshalb bei der Bekämpfung auf eine gute Benetzung der ganzen Rosenkohlpflanze geachtet werden sollte. Im Versuch wurde die Dropleg-Applikationstechnik mit zusätzlichen Top-Düsen ergänzt. Damit wurde eine Düse direkt über der Pflanzreihe von zusätzlichen schräg angebrachten Düsen an den Droplegs unterstützt. Durch die Positionierung dieser zusätzlichen Düsen konnte der Spritzbelag des Pflanzenkopfes und der Blattunterseiten deutlich verbessert werden. Die Kombination von Dropleg und Top-Düsen eliminierte den Schädling unabhängig vom Wirkstoff erfolgreich und wird deshalb als sehr wirkungsvoll eingestuft. Beim Pflanzenschutz im Rosenkohlanbau sollte dieser angepassten Applikationstechnik künftig mehr Beachtung geschenkt werden.

Nachernteverfahren

Das Bürsten von Gemüse ist aus der Aufbereitung von Kartoffeln, Sellerie und Karotten aber auch Fenchel und Pak-Choi bekannt. Entsprechend wurde der Versuch unternommen, mit Russtau befallene Posten auf einer Polieranlage für Gemüse, Vegi-Polisher, aufzubereiten. Die Schwierigkeit bestand darin, optimalen Druck auf die rotierenden Bürsten zu geben, damit der Russtau entfernt wird, die Rosen aber keine mechanischen Schäden erlitten. Die erzielten Ergebnisse konnten nicht überzeugen: Es kam zu ungenügend Reinigung und Beschädigungen der Röschen, die der Vermarktung entgegenstanden.

Das Nachschneiden beziehungsweise Abrüsten von Gemüse ist in der Praxis üblich. Im Bioanbau oder in der Direktvermarktung von Rosenkohl können dadurch kostendeckende Preise erzielt werden. Das manuelle Nachrüsten im ÖLN-Anbau ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht kostendeckend. Aus diesem Grund wurde das maschinelle Schneiden mit einem Prototypen getestet. Die Maschine erkennt die Rosen via Kamera und führt anschliessend zeitgerecht den Schnitt am Strunk mechanisch durch. Die durch den Schnitt abgelösten Blätter werden in einer rotierenden Trommel entfernt. Das Ergebnis war befriedigend in einem gewissen, engen Kaliberbereich. Mit einer Maschine neueren Datums könnte hier sicher ein besseres Resultat erzielt werden. 

Schlussfolgerungen für den Anbau 2019

Je später in der Wertschöpfungskette Massnahmen ergriffen werden, desto teurer werden diese und wirken sich negativ auf die Menge des Verkaufsprodukts aus. Aus diesen Gründen sind Massnahmen im Feld zu bevorzugen. Da die Weisse Fliege 2018 nicht nur bei Rosenkohl, sondern auch bei anderen Kohlkulturen ein hohes Befallsausmass erreichte, ist die Feldhygiene unbedingt kollektiv und in allen Betrieben mit Kohlanbau weiterzuverfolgen.

Versuche zu Lösungsansätzen mit Kombinationen von chemischen und biologischen Strategien werden 2019 fortgesetzt. Basierend auf den Ergebnissen der Feldüberwachung, liegt der Fokus bei der gezielten Bekämpfung zum Zeitpunkt der Massenvermehrung. Zusätzlich sollen weitere Erkenntnisse zum Abspülen von Honigtau und Russtau mit Hilfe der Beregnung gewonnen werden. Da sich Russtau vor allem auf Flügelblättern befindet, soll diese Erkenntnis in die Auswahl von Rosenkohlsorten einfliessen. Der Test-Einsatz einer neuen Nacherntemaschine steht ebenso zur Diskussion, wobei sich die Frage stellt, ob die zusätzlichen Kosten gedeckt werden können und folglich ein Mehrwert generiert werden kann.

Die Versuche wurden wissenschaftlich begleitet von Ute Vogler,Cornelia Sauer und Anouk Guyer von Agroscope. Andreas Marti sowie Landmaschinenbetriebe und Pflanzenschutzmittelfirmen boten praktische und technische Unterstüzung.

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