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Betriebsführung

Wie beeinflusst die Fütterung das Einkommen?

In der Schweizer Milchproduktion werden eine Vielzahl an Fütterungsstrategien angewendet. Jede Strategie hat Stärken und Schwächen, erfolgreiche Strategien zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie konsequent umgesetzt werden. Mit einem neu an der Hochschule für Agrar-, Forst- & Lebensmittelwissenschaften HAFL entwickelten Programm wurden vier Praxisbetriebe analysiert.

Publiziert am

Aktualisiert am

Doz. Graslandnutzung / Wiederkäuersysteme, HAFL

Anhand von vier Praxisbetrieben wird aufgezeigt, wo die Stärken der einzelnen Strategien liegen. Dabei handelt es sich um vier sehr unterschiedliche, professionelle Milchwirtschaftsbetriebe mit Arbeitsverdiensten zwischen 18 und 30 Fr. pro Stunde (Betriebsspiegel: siehe Tabelle). Es wurden Betriebstypen ausgewählt, mit welchen sich eine Vielzahl der Landwirte und Landwirtinnen identifizieren können.

High-Output Betrieb

Dieser Betrieb produziert mit 300 Tonnen Milch pro Jahr am meisten Milch der vier untersuchten Praxisbeispiele. Die Stärke des High-Output Betriebes liegt klar in den pro Kilogramm Milch tiefen Vollkosten, im Wesentlichen verursacht durch die tiefen fremden Strukturkosten. Diese Strategie erlaubt es, mit den vorhandenen Strukturen ein Maximum an Milch zu produzieren. Die Kosten für den Stall, die Melk- und Fütterungsanlagen können auf eine grosse Milchmenge verteilt werden. Bei den Direktkosten können hingegen kaum Grösseneffekte erzielt werden. Aufgrund der intensiven Produktion sind die Direktkosten bei High-Output Betrieben in der Regel deutlich erhöht. Der hier untersuchte Betrieb wird aber so professionell geführt, dass die Direktkosten für einen Hochleistungsbetrieb auf relativ tiefem Niveau liegen.

Neben dem Milcherlös setzt sich das landwirtschaftliche Einkommen aus der Milchproduktion aus Direktzahlungen und dem Erlös aus dem Verkauf von Nutz- & Schlachtvieh zusammen. Bei den Direktzahlungen wurden diejenigen für den Betriebszweig Milch und anteilsmässig Biodiversitätsbeiträge eingerechnet. Der Anteil der Direktzahlungen pro kg Milch beträgt bei Talbetrieben im Mittel 20 Rappen. Hier zeigt sich ein klarer Unterschied: High-Output Betriebe haben deutlich tiefere Direktzahlungen pro kg Milch als durchschnittliche Betriebe. Dies ist eine direkte Folge der hohen Milchleistung pro ha Betriebsfläche. Nicht nur bei den Kosten, sondern auch bei den Direktzahlungen spielt der «Verdünnungseffekt». So hat dieser Betrieb, obwohl er den zweithöchsten Milchpreis und die tiefsten Kosten pro kg Milch der vier Betriebe aufweist, das tiefste Einkommen pro kg Milch. Aufgrund der hohen Aufwendungen für die Ergänzungsfütterung ist der Betrieb zudem Veränderungen der Kraftfutterpreise viel stärker ausgesetzt als die übrigen Betriebe.

Low-Input Betrieb

Mit einer produzierten Milchmenge von 140 Tonnen weist der Low-Input Betrieb die tiefste Produktionsmenge auf. Die Low-Input Strategie dieses Betriebes zeichnet sich durch eine Reduktion auf ein Minimum der eingesetzten Arbeit pro kg Milch aus. Das Resultat ist eine Vollweidestrategie mit saisonaler Abkalbung im Frühjahr. Mit dieser Strategie können auch kleiner strukturierte Betriebe die Kosten reduzieren und als Resultat die Wirtschaftlichkeit verbessern. So erwirtschaftet dieser Betrieb das zweithöchste Einkommen pro kg Milch trotz des mit 53 Rappen zweittiefsten Milchpreises der vier Betriebe. Durch den Verzicht auf den Einsatz von Kraftfutter fallen die Direktkosten im Vergleich zu den anderen Betrieben relativ tief aus. Ein weiteres Merkmal der Low-Input Strategie ist der hohe Anteil an Direktzahlungen pro kg Milch sowie die hohen fremden Strukturkosten pro kg Milch. Durch die geringere Milchmenge pro Stallplatz resultieren höhere Kosten. Hinzu kommt, dass mit dieser Strategie die Abhängigkeit vom Wetter unmittelbarer ist, als bei den anderen Fütterungsstrategien. Andererseits bringt dieses System eine deutliche Verbesserung der Arbeitssituation und damit oft auch eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich.

Käsereimilch Betriebe

Die beiden Käsereimilch Betriebe unterscheiden sich ebenfalls wesentlich in der produzierten Milchmenge mit 260 bzw. 160 Tonnen Milch. Sie unterscheiden sich auch deutlich beim Milcherlös, wobei hier der Unterschied 11 Rappen beträgt. Auch hier wird der Skaleneffekt bei den fremden Strukturkosten deutlich sichtbar: Der geringere Verdünnungseffekt führt beim Betrieb mit 160 Tonnen Milch zu 12 Rappen höheren fremden Strukturkosten. Ein Merkmal des kleineren Käserei Betriebs ist, neben den tiefen Direktkosten, der hohe Anteil an Direktzahlungen und Tierverkäufen pro kg Milch. Kombiniert mit dem hohen Milchpreis erwirtschaftet dieser Betrieb das höchste Einkommen pro kg Milch und erreicht dank der moderaten Arbeitszeit pro kg Milch einen deutlich überdurchschnittlichen Arbeitsverdienst von Fr. 30 pro Stunde.

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Welche Fütterungsstrategie am besten ist, hängt von den jeweil igen Strukturen ab.

Fütterungskosten machen die Hälfte der Vollkosten aus

Die Fütterungskosten der vier Betriebe liegen zwischen 45 und 54 Rappen, wobei sie in Abhängigkeit der Fütterungs- und Betriebsstrategie für mehr als die Hälfte der Vollkosten verantwortlich sind. Die Fütterungskosten der Käsereimilchbetriebe sind, aufgrund des hohen Anteils Dürrfutter, leicht höher als die der beiden Silagebetriebe. Die gewählte Fütterungsstrategie hat somit einen sehr grossen Einfluss auf die Vollkosten und damit auf das Einkommen aus der Milchwirtschaft.

Grösse ist ein Faktor, aber kein Erfolgsfaktor

Die vier Beispiele aus der Praxis zeigen, dass die Betriebsgrösse und die produzierte Milchmenge nicht allein über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden. Im Zusammenspiel von Kosten und Erlösen spielt die Fütterungsstrategie eine zentrale Rolle. Bei einem hohen Milchpreis kann es sich lohnen, die Fütterung beziehungsweise die Milchproduktion anzukurbeln und damit die Strukturkosten zu «verdünnen». Allerdings nur, wenn dabei über den Milch-Mehrerlös auch die zusätzlichen Direktkosten und allfällige Mehrarbeit bezahlt werden kann. Im aktuellen Preis-Umfeld ist dies nur selten möglich. Deshalb bergen Strategien die kleineren Risiken, mit denen gezielt ein hohes Einkommen pro kg Milch angestrebt wird, wie beim Vollweidebetrieb oder beim kleineren Käsereibetrieb mit seiner «Wertschöpfungsstrategie». 

Erklärungen

Vollkosten: Für die Berechnung der eigenen Strukturkosten wurde die Arbeit der familieneigenen Arbeitskräfte mit einem Stundenlohn von Fr. 30 entschädigt und das Eigenkapital mit 4% verzinst.

Landwirtschaftliches Einkommen (LE) Milch: Entspricht dem Landwirtschaftlichen Einkommen aus dem Betriebszweig Milchproduktion.

Fütterungskosten: Beinhaltet alle Kosten, welche für die Bereitstellung aller Futtermittel bis in die Krippe anfallen.

Direktzahlungen: In der Studie wurden die Direktzahlungen für den Betriebszweig Milch eingerechnet. Die Biodiversitätsbeiträge wurden auf die verschiedenen Betriebszweige aufgeteilt. Dementsprechend wurden die Biodiversitätsbeiträge in der Studie anteilsmässig berücksichtigt.

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