Klauenerkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der Milchviehhaltung und schränken Leistung und Wohlbefinden der Kühe spürbar ein. Dabei spielen sowohl mechanische Belastungen als auch infektiöse Erreger eine Rolle.
Mechanisch-metabolische Klauenerkrankungen
Geschwüre, Weisse-Linie-Defekte und Abszesse sind die häufigsten mecha-nisch-metabolischen Klauenerkrankungen. Stoffwechselstörungen und eine gestörte Durchblutung der Klauenlederhaut begünstigen sie. Am häufigsten verursachen jedoch mechanische Schäden an der Klaue die Probleme. Harte und zu raue Böden schädigen das Horn und erhöhen den Druck auf die Klaue. Rutschige Böden, Kanten und Stufen steigern das Verletzungsrisiko. Unbequeme Liegeboxen verlängern die Stehzeiten der Kühe und belasten die Klauen dadurch zusätzlich und fördern so mechanisch-metabolische Klauenerkrankungen.
Infektiöse Klauenerkrankungen
Die wichtigste infektiöse Klauenerkrankung ist umgangssprachlich das Erdbeeri, Dermatitis digitalis, oder auch Mortellaro genannt. Mangelnde Biosicherheit sowie schlechte Hygiene in Stallböden und Liegeboxen zählen zu den entscheidenden Risikofaktoren. Im feuchten Mist stehend ist die Kuh empfänglich für das Eindringen von krankmachenden Bakterien. Die Übertragung kann dabei von Kuh zu Kuh und von Betrieb zu Betrieb erfolgen.
Viele der genannten Faktoren greifen ineinander. Ein Beispiel dafür sind unbequeme Liegeboxen: Sie verursachen nicht nur mechanische Überbelastung, sondern begünstigen auch vermehrt infektiöse Erkrankungen, da die Klauen dadurch länger im feuchten Mist stehen und weniger Zeit zum Trocknen haben.
Kleine Änderungen, grosse Wirkung
Die digitale Dokumentation der Klauenpflege liefert wertvolle Hinweise auf Ursachen und Risikofaktoren im Stall, denen der Betrieb gezielt nachgehen kann. Ein Blick in die Daten zeigt, ob ein Problem vorliegt, welche Krankheiten gehäuft auftreten und welche Kühe immer wieder vorstellig werden.
Marina Hillen, Tierärztin«Während grosse Umstellungen oft viel Zeit und Geld verlangen, können viele kleine sinnvolle Massnahmen in der Summe einen Effekt haben.»
Wer das Gangbild der Tiere täglich beurteilt, erkennt lahme Kühe schneller. Je früher die Landwirtin oder der Landwirt eine auffällige Kuh in den Klauenstand nimmt, desto eher lässt sich ein schwerwiegender Krankheitsverlauf verhindern – etwa die Entwicklung einer Druckstelle zu einem Klauengeschwür. Auch die Ansteckung weiterer Tiere lässt sich so vermeiden.
Umstellungen und bauliche Veränderungen kosten oft viel Zeit und Geld. Übergangsweise bringen schon viele kleine Massnahmen einen sichtbaren Effekt. Dazu zählen beispielsweise, den Spaltenschieber oder -roboter häufiger laufen zu lassen, sowie die tägliche Kontrolle der Klauen im Melkstand.
Klauengesundheit ist zudem Teamwork. Der Betrieb muss nicht alles allein stemmen. Klauenpfleger, Tierarzt und andere Landwirtinnen und Landwirte bieten wertvolle Unterstützung. Bis diese Massnahmen ihre volle Wirkung zeigen, braucht es allerdings Zeit. Am Ende zählt die Beständigkeit.
Checkliste Klauengesundheit
Lahmheitsmanagement
– Digitale Dokumentation der Klauenerkrankungen und -behandlungen
– Sofortige Kontrolle und Behandlung von lahmen Tieren
– Sofortige Kontrolle und Behandlung der Kühe mit aktiver Dermatitisdigitalis (DD; Mortellaro)
– Regelmässige Nachkontrolle der behandelten Tiere
Hygiene und Biosicherheit
– Erhöhung der Entmistungsfrequenz
– Einführung einer geeigneten Klauendesinfektion (Klauenbad)
– Dermatitis digitalis: sorgfältige Untersuchung vor dem Einstallen
– Dermatitis digitalis: Ausmerzung von chronisch an Mortellaro erkrankten Tieren
Boden
– Rutschfestigkeit des Bodens erhöhen, Gummimatten installieren oder Böden aufrauen
– Befestigung des Bodens auf Ausläufen und Weideeingängen
– Entfernung von Stufen, Kanten, Löchern und anderen Verletzungsrisiken
Liegeboxen
– Anpassung der Steuerelemente in den Liege boxen wie beispielsweise Nackenrohr oder Trennbügel
– Anpassung der baulichen Masse der Liegebox und Liegefläche
– Optimierung der Lüftung
– Erhöhung der Einstreu: Das Ziel ist eine weiche, saubere Liegefläche.
– Liegeboxen öfter misten und nachstreuen
Fütterung
– Zusätzliche Installation von Tränkequellen
– Überprüfung und Besprechung der Ration mit dem Futtermittelberater
Klauenpflege auf Herdenebene
– Zwei bis drei Herdenschnitte / Kontrollen pro Jahr









