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Nutztiere

Potenzial der Transitphase erkennen

Wirtschaftliche Milchproduktion ist kein Selbstläufer – aber machbar. Dabei gilt es, sich stets weiterzuentwickeln, entsprechende Weiterbildungen zu besuchen und sich mit Berufskollegen auszutauschen. Zwei Fachexperten zeigten an der Tagung des UFA Herd Support auf, wie Klauenerkrankungen frühzeitig erkannt werden und worauf bei der Bestandesbetreuung geachtet wird.

Die Klauengesundheit war eines der Themen an der diesjährigen UHS-Tagung.

Die Klauengesundheit war eines der Themen an der diesjährigen UHS-Tagung.

(Bild: UFA AG)

Publiziert am

Leiter Marketing, UFA AG

Rindviehspezialist im UFA-Beratungsdienst

An der diesjährigen Tagung des UFA Herd Support (UHS) wurden die Themen «Klauengesundheit», «Bestandesbetreuung» und «ideale Mischration» beleuchtet. Bei diesen Themen rund um die wirtschaftliche Milchproduktion gilt es, Anzeichen von Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, gemäss dem Motto «Agieren statt Reagieren».

Klauengesundheit

Lahmheiten erkennen

Eine stark lahme Kuh zu erkennen, sei keine Hexerei, erklärt Arturo Gomez von Zinpro. Um lahme Kühe zu verhindern und somit Kosten zu sparen, sei es aber wichtig, diese bereits frühzeitig zu entdecken und zu behandeln. Dabei wird die Lahmheitsbewertung für Kühe aufgrund von fünf Stufen gemacht. Während Stufe 1 «Normal» und Stufe 5 «Schwer lahm» bedeutet, ist die Herausforderung, Stufe 3 (Mittelmässig lahm) und Stufe 2 (Leicht lahm) zu bemerken. Ein geschultes Auge erkennt diese Kühe mit etwas Übung. Ein leicht gekrümmter Rücken und verkürzte Schritte sind erste Indizien dazu.

Stress = Klauenprobleme

Die meisten Klauenprobleme sind in den ersten drei bis vier Monaten nach Laktationsstart anzutreffen. Grund dafür ist Stress rund um das Abkalben, der sich nach einigen Wochen in Klauenläsionen widerspiegelt. Gemäss einer Studie von Zinpro verliert der Landwirt mit jeder Läsion rund 300 Franken.

Problem richtig einstufen

Eine Kuh mit Klauenproblemen hat Schmerzen beim Aufstehen. Entsprechend wird sie deutlich weniger liegen. Die einzelnen Liegephasen sind länger, weil sie das schmerzhafte Aufstehen verhindern will. Die Fresszeiten nehmen ab und die Futteraufnahme sinkt. Eine reduzierte Milchleistung ist nur eine Folge davon. Wurden die lahmen Kühe erkannt, muss das Problem korrekt eingestuft werden, um es längerfristig zu eliminieren. Der Grund für die Entstehung von Sohlengeschwüren ist meist eine schlechte Bodenbeschaffenheit.

Verletzungen der weissen Linie sind meist auf die Einrichtungen oder ein fehlerhaftes Klauenschneiden zurückzuführen. Kanten, Absätze oder auch zu grosse (breite) Rillen im Betonboden führen dazu, dass die Kuh nicht mit der kompletten Klaue Bodenkontakt hat. Die entsprechenden Stellen im Stall müssen erkannt und sämtliche Böden, inklusive Wartebereich zum Melken, beurteilt werden.

Bei Mortellaro ist eine gute Stallhygiene bereits die halbe Miete. Je sauberer die Gehwege und die Klauen sind, desto schwieriger ist es für die Treponemen (Bakterien, die Mortellaro verursachen), die Klauen beziehungsweise die Haut zu befallen. Ein besonderes Augenmerk gilt den Aufzuchtrindern und den Galtkühen. Ein Konzept zur Reduktion von Mortellaro muss bei allen Gruppen angewendet werden. Dazu hat UFA in Zusammenarbeit mit dem Rindergesundheitsdienst (RGD) ein entsprechendes «Gesamtkonzept zur Reduktion von Mortellaro» entwickelt.

Der vierte Grund für Klauenerkrankungen sind Entzündungen. Diese sind an den Klauen meist nicht erkennbar. Solchen Entzündungen wird mit einem starken Immunsystem vorgebeugt. Eine bedarfsgerechte Fütterung mit dem Maximieren der TS-Aufnahme rund um das Abkalben ist entscheidend, damit die Kuh ausreichend Glukose produzieren kann. Zusätzlich zum bestmöglichen Management muss die Mineralstoffversorgung, insbesondere mit Spurenelementen, optimiert werden, damit die Kuh die heikle Transitphase gut übersteht. Hitzestress ist ein weiterer möglicher Grund für das Auftreten von Entzündungen der Klauen.

Keine lahmen «Abkalbinnen»

Die meisten Betriebe haben lahme Kühe in der Herde. Wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein und entsprechende Massnahmen zu treffen. In der Abkalbebucht hingegen darf keine lahme Kuh stehen. Deshalb müssen sämtliche Kühe vor der Galtphase im Klauenstand geprüft und allfällige Probleme behoben werden.

Auf den Punkt

• Lahmheitsbewertung durchführen und rasch handeln

• 0 % lahme Kühe in der Abkalbebox

• Kennzahlen nutzen, um Bestandesprobleme zu erkennen

• Transitphase ist das A und O

Bestandesbetreuung

Vor allem bei Problembetrieben strebt der Tierarzt Beat Berchtold eine enge Zusammenarbeit mit dem Milchviehspezialisten an. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht, die der Landwirt umsetzen kann. Es funktioniere nur im Tandem, betont Berchtold. Wenn der Tierarzt und der Fütterungsspezialist mit unterschiedlichen Ansätzen zum Landwirt gehen, entstehen unnötige Reibungspunkte. Um dies zu verhindern, braucht es von allen Beteiligten (Landwirt, Tierarzt, Fütterungsberater und auch vonseiten der Melkberatung) Offenheit und ehrliche Kommunikation. So kann der Landwirt Probleme gezielt angehen.

Kennzahlen nutzen

Die Probleme, die Berchtold auf den Betrieben antrifft, sind sehr unterschiedlich. Oft stehen Stoffwechselstörungen, Fruchtbarkeitsprobleme und erhöhte Zellzahlen im Vordergrund. Dabei werden Kennzahlen genutzt, um einerseits dem Landwirt aufzuzeigen, wie gross das Problem ist, und andererseits, um allfällige Probleme möglichst genau zu kanalisieren.

Erhöhte Zellzahlen – erhöhte Kosten

Bei Euterentzündungen und erhöhter Zellzahl können die Kosten nur bedingt beziffert werden, da die versteckten Kosten nicht ersichtlich sind. Bei einer durchschnittlichen theoretischen Tankzellzahl von 300 000 ml (aufgrund der MLP-Daten) können Kosten von 383 Franken pro Kuh und Jahr entstehen. Bei einer Herde mit 40 Kühen sind das über 15 000 Franken pro Jahr. Diese Berechnungen beruhen auf Erfahrungswerten von Berchtold. Die Kosten können schnell einen fünfstelligen Betrag erreichen, weshalb die Investition in vorbeugende Massnahmen sinnvoll ist.

Transitphase

Berchtold betont, dass die Überwachung während der Transitphase entscheidend ist. Es gilt, die Galt- und Startphasenkühe speziell zu überwachen. In dieser Phase werden die Weichen gelegt für die nächste Laktation. 

Spitzenleistungen aus dem Grundfutter

Die Auswertung und Präsentation der UHS-Kennzahlen gehört fix ins Programm der UHS-Tagung. Die Vergleiche unter den Berufskollegen und die laufenden Entwicklungen stossen stets auf grosses Interesse.

Die über 300 UHS-Betriebe in der Deutschschweiz haben sich auch letztes Jahr weiterentwickelt. So stieg die durchschnittliche Milchleistung der Standardlaktation erstmals auf über 10 000 kg Milch. Weiter stieg die Milchleistung aus dem Grundfutter nochmals und lag bei fast 7000 kg. Die gute Grundfutterqualität hat sicherlich dazu beigetragen. Die Entwicklung über die letzten sechs Jahre zeigt, dass nicht nur das Grundfutter dafür verantwortlich ist. Die laufende Optimierung der Fütterung nach UFA W-FOS hat ebenfalls einen wichtigen Beitrag geleistet. Der Einsatz an Ergänzungsfutter in g TS pro kg Milch erhöhte sich nur minim. All diese Zahlen widerspiegeln die laufenden Weiterentwicklungen der UHS-Betriebe und das Topmanagement.

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