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Pflanzenbau

Ein Kartoffeljahr der Extreme

Alle Partner in der Kartoffelbranche sind sich einig: Ein derart schwieriges, von Markt- wie vor allem auch Witterungseinflüssen geprägtes Jahr haben sie lange nicht erlebt. Es wird nur durch Unterstützung mittels Importen möglich sein, den Bedarf aller Marktsegmente zu decken.

Die Konsequenz des Kartoffeljahrs 2021 zeigt sich in halbausgelasteten Kartoffelannahmestellen und Lagern.

Die Konsequenz des Kartoffeljahrs 2021 zeigt sich in halbausgelasteten Kartoffelannahmestellen und Lagern.

(Christoph Kohli)

Publiziert am

Veredelungs- und Pflanzkartoffeln, fenaco

Die Haupternte einer quantitativ wie qualitativ unterdurchschnittlichen Ernte startete dieses Jahr um zwei bis drei Wochen verzögert. Gepflanzt wurden die Kartoffeln noch unter guten Bedingungen. Doch dann kamen Unwetter, Starkregen und Hagel in den Hauptanbaugebieten. Als Resultat des desaströsen Wetters konnte der Markt nicht durchgehend mit Kartoffeln aus der Schweiz versorgt werden – dies sowohl beim Frischkonsum wie auch bei den Chipskartoffeln. Glück im Unglück: Die verfügbaren Frischkonsumkartoffeln konnten bis zum Start der Herbstpreise auf einem erfreulich hohen Niveau vermarktet werden. Das Problem mit der Verfügbarkeit zog sich auch im Frites-Bereich fort und der Start musste um rund zwei Wochen verzögert werden.

Zugeständnisse an Qualitätsmerkmale

Die Ertragserhebung der Branchenorganisation Swisspatat zur Festlegung der Preise innerhalb der vereinbarten Preisbänder wurde dieses Jahr ausgesetzt. Die drei Trägerorganisationen einigten sich stattdessen darauf, alle Preise am oberen Rand festzusetzen. Anfang September wurde kommuniziert, dass die Qualitätsvorgaben, wo es sinnvoll und möglich ist, für dieses Jahr gelockert werden. Das Ziel sei, einen möglichst grossen Teil der Kartoffeln vermarkten zu können. Namentlich bei den Kalibern, bei der Mindeststärke und den Backtesten, aber auch bei Qualitätsmerkmalen wie der Hohlherzigkeit werden Konzessionen gemacht. Nach heutigem Stand ist davon auszugehen, dass sich die Befürchtung einer stark unterdurchschnittlichen Versorgung mit 60 bis 70 Prozent über alle Marktsegmente leider bestätigt. Bei den Bio-Kartoffeln dürfte der Anteil sogar noch darunter zu liegen kommen. Die vollständige Versorgung des Marktes wird demzufolge nur mit entsprechenden Mengen an importierten Kartoffeln möglich sein. Im Frites-Bereich helfen die Lagerbestände an Fertigprodukten einen Teil dieser Fehlmenge abzudecken.

Pflanzgutproduktion Ernte 2021

Die Ernteschätzung 2021 per Mitte August von Swisssem liegt rund 15 Prozent unter jener des Vorjahres. Der Anteil Kleinsortierung liegt mit knapp 20 Prozent der verfügbaren Menge deutlich darüber. Die Versorgung der verschiedenen Segmente mit den passenden Sorten wird aufgrund eines hohen Importbedarfs wiederum anspruchsvoll werden. Bei den Kriterien bezüglich äusserer und innerer Qualität für im Inland vermehrtes Pflanzgut sind aber keine grösseren Probleme zu erwarten.

Bei den Lieferbedingungen gibt es keine Änderungen, und die Preisdifferenz Herbst zu Frühjahr beträgt weiterhin Fr. 7.– je 100 kg. Das Pflanzgut kann bei einer Mindestmenge von 4400 kg je Sorte auch im Big Bag bestellt werden. 

Anbauplanung 2022: Frischkonsum- und Veredelungskartoffeln

Frischkonsum

Der Frischkartoffelmarkt hat zwischenzeitlich von den Einschränkungen der Pandemie profitieren können. Mit der Lockerung der Restriktionen ist die Nachfrage nach Frischkartoffeln wieder abgeflaut, jedoch auf einem guten Niveau verblieben. Durch die Unterversorgung aus der Ernte 2021 wird der Bedarf an Frühware im Sommer 2022 sicher etwas höher liegen. Dieser Mehrbedarf wird in der Planung des Frühanbaus berücksichtigt, sodass insgesamt die Planflächen 2022 leicht über dem Vorjahr liegen. Bezüglich der Sortenstruktur sind folgende Entwicklungen zu beachten:

Frühsorten Der Frühanbau unter Folie (vorwiegend schalenfest) wie auch im Freiland wird für die Phase 2 nur in den prädestiniertesten Lagen moderat ausgedehnt. Die Sorten dazu sind Agata und Lady Christl (beide nur unter Folie) sowie im Anschluss Annabelle und Concordia.

Festkochende Sorten Die Hauptsorten im festkochenden Bereich bleiben Erika und Venezia sowie als Ergänzung Queen Anne und Ballerina. Die Premiumsorten (APPNAL) verzeichnen weiter ein leichtes Wachstum.

Mehligkochende Sorten Das mehligkochende Sortiment setzt sich vor allem aus den Sorten Concordia, Victoria und Belmonda zusammen. Die Sorte Jelly bleibt mit erweitertem Kaliber und Qualitätstoleranzen dem Basic-Anbau vorbehalten. Der Bintje-Absatz ist erfreulich, somit kann der Anbau gehalten werden.

Veredelungskartoffeln

In diesen Wochen wird mit den Kunden für Veredelungsrohware über die Budgets für die Verarbeitung 2022 /20 23 diskutiert. Diese Planung ist aktuell mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch können über die Anbauberater ab sofort Vertragsmengen vereinbart werden. Dies, um die Bestellung und Auslieferung des Pflanzgutes nicht zu verzögern. Aktuell wird mit einem leicht höheren Bedarf bei den Chipskartoffeln mit wieder stabilen Mengen bei den Frites-Kartoffeln geplant. Sollte sich eine neue Situation ergeben, könnte es aber noch eine Anpassung geben.

Frites-Sorten Bezüglich der Sortenstruktur ist im Anbaujahr 2022 Kontinuität angesagt. Es wurden keine neuen Sorten im Frites-Bereich auf die Sortenliste gesetzt. Auch im kommenden Jahr wird Agria die Hauptsorte in diesem Segment sein. Daneben stehen Markies und Fontane im Anbau. Die Sorte Innovator macht auch im Jahr 2022 den weitaus grössten Teil mit hellfleischigen Sorten aus, ergänzt durch Ivory Russet.

Chipssorten Die Sorte Lady Rosetta unter Folie und danach im Freiland wird ab Mitte Juni bis Anfang Oktober verarbeitet. Die Hauptsorten für die Lagerung sind Pirol, weiter SH C 1010 und für die späte Auslagerung Lady Claire, Verdi und Kiebitz. Die beiden Sorten Sorentina und Thalessa werden voraussichtlich auf die empfohlene Sortenliste aufgenommen.

Aussichten Bio-Kartoffeln 2022

Das Bio-Kartoffeljahr 2021 ist für die Produzenten wie auch die nachgelagerten Stufen ausserordentlich anspruchsvoll. Die schwierigen Witterungsverhältnisse und der ausserordentlich hohe Krautfäule-Infektionsdruck führten teils zu absolut unbefriedigenden Erträgen. Dort, wo ein Ertrag heranwachsen konnte, waren zum Glück die Preise aus Sicht der Produktion auf einem wünschenswert hohen Niveau. In diesem Jahr hat sich eindrücklich gezeigt, dass der Anbau von Sorten mit einem höheren Resistenzniveau gegenüber Krautfäule für die Ertragssicherheit und die Wirtschaftlichkeit entscheidend sein kann. Neben den Sortenversuchen des FIBL wird seit zwei Jahren auch eine Hauptversuchsserie von Swisspatat mit besonders krautfäuletoleranten Sorten getestet. Erste Resultate sind durchaus vielversprechend, und im nächsten Jahr startet eine neue Serie. Der Absatz von Bio-Suisse-Knospe-Kartoffeln erfreut sich in sämtlichen Segmenten einer leicht steigenden Nachfrage. Bei Fragen über Absatzmöglichkeiten helfen die regionalen Ansprechpartner von fenaco Landesprodukte gerne weiter.

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