Pflanzenbau

Nur keinen Stress

Bei hohen Temperaturen und anhaltender Trockenheit in den Sommermonaten, muss der Alternaria besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Diese Dürrfleckenkrankheit tritt in Kartoffeln vermehrt in geschwächten Beständen auf. Deshalb muss alles getan werden, um Stresssituationen gering zu halten.

Im befallenen Kartoffelbestand sind deutlich abgestorbene Pflanzenteile sichtbar.

(Michael Spätig)

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Gemüsebauberater, fenaco Pflanzenschutz

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Milde Winter und heisse Sommer mit genügend Feuchtigkeit begünstigen die Ausbreitung dieses Pilzes. Alternaria kann bereits früh in den Kartoffelbeständen auftreten. Seit einigen Jahren stellt Alternaria vermehrt eine wirtschaftliche Bedrohung für den Kartoffelanbau dar. Ein frühes Absterben der Blätter hat Auswirkungen auf Ertrag und Stärkegehalt. Hinzu können Knollenschäden im Lager durch Infektionen bei der Ernte kommen. Es gibt zwei Arten von Alternaria, Alternaria alternata (Sprühfleckenkrankheit) und Alternaria solani (Dürrfleckigkeit). Im Feld können diese zwei Varianten mit blossem Auge kaum unterschieden werden.

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Braune bis braunschwarze nekrotische Flecken auf den Kartoffelblättern verursacht durch Alternaria.

Lebensweise des Pilzes

Der Pilz überdauert als Myzel oder in Form von Sporen an Pflanzenresten, an Unkräutern oder auch direkt im Boden. Häufige Wirtspflanzen sind Klee, Luzerne, Quecke, Senf, Raps, Getreide, Mais und Gemüse. Auf trockenen und sandigen Standorten hat der Pilz bessere Überlebenschancen als auf Böden mit einem höherem Tongehalt und einem grösseren Anteil an organischer Substanz. Erste Infektionen können bereits zwei Wochen nach dem Auflaufen stattfinden. In den meisten Fällen vor der Kraut- und Knollenfäule. Der Erreger verbleibt für mehrere Wochen auf den unteren Blattetagen. Sobald hohe Temperaturen und genügend Feuchtigkeit vorhanden sind, verbreitet sich der Pilz über die ganze Pflanze. Die Sporen werden von den unteren Blattetagen durch Wasserspritzer verbreitet. Eine flächige Ausbreitung der Alternaria findet über die Luft statt. Befallsfördernd wirken Stresssituationen wie Wassermangel, Hitzestress und Nährstoffmangel. Eine bedarfsgerechte Düngung vor allem mit Kali und Magnesium ist unumgänglich. Auch Blattdüngerapplikationen können den Blattapparat vital halten und mithelfen, Stresssituationen zu überbrücken. Eine epidemieartige Ausbreitung ist bei Temperaturen über 25 Grad und Blattfeuchte durch Taubildung, Niederschlag oder Bewässerung zu beobachten. Eine zu enge Fruchtfolge erhöht generell das Risiko von Alternaria.

Schadbild

Auf der Blattoberseite bilden sich zerstreut liegende, scharf abgegrenzte, braune bis braunschwarze nekrotische Flecken. Die Flecken sind von einigen Millimetern bis zu zwei Zentimetern Durchmesser gross. In den Flecken lassen sich mit blossem Auge konzentrische Ringe erkennen, welche typisch für diese Pilzkrankheit sind. Im späten Stadium können zum Teil die befallenen Stellen herausfallen, aufreissen oder zusammenfliessen. Die Blätter vertrocknen und sterben ab. Durch Verletzungen an der Schale können bei der Ernte die Knollen von kranken Stauden befallen werden. Dies führt im Lager zu Trockenfäule. Die befallenen Stellen weisen eine dunkle, verfärbte Schale auf, die mehrere Millimeter eingesunken sein kann.

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Bekämpfungsstrategie

Die Sortenauswahl ist ein erster wichtiger Punkt in der Bekämpfung von Alternaria. Die zahlreichen Sorten, die auf dem Schweizer Markt vorhanden sind, haben eine unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber Alternaria. Tendenziell sind spätreifende Sorten anfälliger als frühreife, da der Pilz seine Sporen vor allem in den Sommermonaten Juli und August streut. Den Sorten Charlotte, Markies und Lady Claire muss besondere Beachtung geschenkt werden. Sie reagieren empfindlich auf schlechte Bodenstruktur, Hitze- und Trockenstress oder Nährstoffmangel, da ihr Blattapparat eine hohe Anfälligkeit gegen Alternaria aufweist und besonders stark unter Stresssituationen leidet.

Ein zweiter, essentieller Punkt ist der Zeitpunkt des Spritzbeginns. Da die Alternaria schon sechs Wochen nach dem Auflaufen auftreten kann, muss rechtzeitig mit der Bekämpfung begonnen werden. Ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung ist der Kontakt-Wirkstoff Mancozeb. Da er in vielen Kraut und Knollenfäule Produkten enthalten ist, kann die erste Behandlung mit einem mancozebhaltigen Produkt erfolgen. Dabei ist darauf zu achten, dass pro Applikation mindestens 1500 Gramm Wirkstoff pro Hektare gespritzt wird. Bei tieferen Mengen nimmt die Wirkung deutlich ab. In der weiteren Spritzfolge gegen die Kraut und Knollenfäule ist der Zusatz eines gut wirkenden Wirkstoffs gegen Alternaria wichtig. Die Wirkstoffe Azoxystrobin (Amistar), Difenoconazol (Slick, Bogard, Sico, Revus Top), Trifloxystrobin (Flint), Boscalid mit Pyraclostrobin (Signum) und Fluxapyroxad mit Difenoconazol (Dagonis, Taifen) bringen die besten Ergebnisse. Bei Alternaria anfälligen Kartoffelsorten, wie zum Beispiel Markies oder Charlotte, sollte bereits bei Spritzstart ein solches Produkt eingesetzt werden.

Der Spritzabstand mit den Alternariafungiziden von maximal 14 Tagen ist ein dritter wichtiger Punkt. Am besten werden die Behandlungen gegen Alternaria mit den Kraut und Knol-lenfäule-Spritzungen kombiniert. Eine mögliche Spritzstrategie, wie sie in der Praxis oft zum Einsatz kommt, ist der Spritzstart mit einem mancozebhaltigen Produkt gefolgt von Revus Top. Das Produkt Revus Top enthält die Wirkstoffe Mandipropamid und Difenoconazol und zeigt sowohl gegen Kraut und Knollenfäule sowie gegen Alternaria eine Wirkung. In der dritten Spritzung kann zum Krautfäulemittel zum Beispiel Signum beigemischt werden, damit die Alternaria abgedeckt wird. Diese Kombination kann maximal vier Mal wiederholt werden. Aus Resistenzgründen ist es wichtig, die Produkte abwechselnd einzusetzen. Falls andere Alternaria-Fungizide zum Einsatz kommen, ist die maximale Anzahl Anwendungen pro Saison zu beachten. Bei den Produkten Amistar und Flint (beides Strobilurine) sind dies drei Mal. Die Produkte Bogard, Sico und Slick dürfen maximal vier Mal pro Saison eingesetzt werden sowie auch die Produkte Dagonis und Taifen. Strobilurinhaltige Fungizide wie Amistar und Flint sind zwingend früh einzusetzen. Da nicht beliebig viele Wirkstoffe gegen Alternaria zur Verfügung stehen, muss zusätzlich auf ein Resistenzmanagement geachtet werden. 

Praxistipps

• Früh nach dem Auflaufen mit der Bekämpfung beginnen
• Mancozebhaltige Produkte in die Spritzstrategie einbauen
• Vorbeugend mit einer ersten Alter naria-Fungizid-Behandlung sechs bis acht Wochen nach dem Auflaufen beginnen
• Sorteneigenschaften kennen, um die Gefahr richtig einzustufen
• Sortenangepasste Düngung mit guter Magnesium-Versorgung
• Den Schutz aufrechterhalten und Spritzabstände einhalten
• Strobilurinhaltige Produkte früh in der Saison einsetzen
• Resistenzbildung vorbeugen und Produkte alternierend einsetzen

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