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Nutztiere

Ein Augenmerk auf Neubauten

Die meisten Landwirtinnen und Landwirte planen nur ein einziges Mal in ihrem Leben einen Stallneu- oder -umbau. Dabei hat man nicht nur für die arbeits- und produktionstechnische Vereinfachung die Verantwortung, sondern auch für das Wohlbefinden der Tiere, die zukünftig im Stall leben. Wer diese Aufgabe ernst nimmt, zerbricht sich oft nächtelang den Kopf. Eine Zweitmeinung einzuholen und den Stallplan aus Sicht einer Kuh zu beurteilen, kann bei der Planung helfen.

Licht und Luft steuert die Kuh und ihr Verhalten. Wenn Licht, Luft und ein bequemer Liegebereich am selben Ort ist, wird durch ein besseres Liegeverhalt...

Licht und Luft steuert die Kuh und ihr Verhalten. Wenn Licht, Luft und ein bequemer Liegebereich am selben Ort ist, wird durch ein besseres Liegeverhalten mehr Milch produziert.

(Bild: Martina Schmid)

Publiziert am

Kuhsignale-Beraterin

Der Stallneu- oder -umbau sollte so gestaltet werden, dass die Freiheiten der Weide (Luft, Licht, Futter, Wasser, Ruhe, Raum) in den Stall gebracht werden. Somit werden haltungsbedingte Unfälle reduziert, die Lebensdauer und Leistung der Tiere erhöht und die Arbeitsabläufe für den Menschen vereinfacht. Nach dem Bau muss entweder die Arbeitszeit reduziert sein oder ein grösserer Output entstehen, damit die Investitionskosten wieder eingenommen werden können.

Ausrichtung des Stalles

Der geografischen Ausrichtung des Stalles ist ein hoher Stellenwert beizumessen. Die Längsseiten sollten, wenn immer möglich, südseitig und offen oder flexibel im Öffnen sein. Eine offene Südseite kombiniert mit einer offenen Nordseite ermöglicht, eine natürliche Stalllüftung ohne Zug zu erreichen. Zudem scheint die Sonne im Winter oft bis tief in den Stall hinein. Im Sommer hingegen wandert sie bei grosser Hitze schön über den Stall hinweg. Aufgrund von Wind, Wetter und warmer Abendsonne soll die Westseite möglichst geschlossen bleiben oder gut schliessbar sein. Grundsätzlich gilt aber, je mehr Wände geöffnet werden können, desto mehr Luft und Licht findet den Weg in den Stall. Gerade aufgrund der Klimaentwicklung soll der Stall für die vielen warmen Tage im Jahr gebaut werden, um den Hitzestress der Kuh möglichst zu reduzieren.

Arbeitsabläufe einbeziehen und Stress eliminieren

Ist der Stall richtig ausgerichtet, ist als Nächstes den Liegeboxen und der Futterachse wie auch den Arbeitsabläufen Beachtung zu schenken. Wenn man es schafft, sich gedanklich in den Neubau zu versetzen, sodass man sich bei der Arbeit selbst zusehen kann, werden viele Fehler reduziert. Kreisläufe und genügend Ausweichmöglichkeiten für Kühe sind extrem wichtig und reduzieren Stressfaktoren für schwache Tiere. Weiter soll die spätere Erweiterung oder Umstrukturierung in den Planungsgedanken mitschwingen.

Zeit, Informationen und mehrere Augen helfen, Neubauten gut zu planen

Grundsätzlich gilt: Wenn man sich Zeit nimmt für eine saubere Planung, entstehen oft gute Resultate. Wer sich traut, Zweitmeinungen einzuholen, lernt seine Planung zu überdenken und zu hinterfragen. So werden grobe Fehler verhindert, was für einen selbst und für die Kuh Positives bewirken kann.

Hier sind die beim Stallbau zu beachtenden wichtigen Punkte in einer Übersicht.

1 Laufgang an der Fressachse

Die Hauptverkehrsachse, sozusagen die Autobahn im Stall, ist der Laufgang an der Fressachse. Diese ist bei Neu- und Umbauten möglichst gross zu gestalten, je nach Rasse zwischen vier und fünf Meter breit. Bei Hornkühen gelten andere Masse.

2 Fressplätze

Obwohl das Tierschutzgesetz bei Ad-libitum-Fütterung 2,5 Kühe pro Fressplatz zulässt, ist es zentral, für jede Kuh einen Fressplatz einzuplanen. Andernfalls werden diejenigen Kühe verdrängt, welche die Futteraufnahme am nötigsten haben, nämlich schwache Kühe und Rinder.

3 Behandlungsplatz

Das Separationsmanagement soll klar durchdacht sein. So ist ein Platz, der ausschliesslich zum Behandeln und Untersuchen der Tiere dient, mit Materiallager, Wasser- und Stromanschluss sehr wichtig.

4 Boden

Böden sollen mit dem Einstreumaterial übereinpassen. Wichtig ist, dass betonierte Böden zuerst einige Zeit mit Mist abgedeckt werden, damit sich die Giftstoffe lösen und mit dem Mist abgetragen werden. Ansonsten können die Gifte die Klauensubstanz der Kühe angreifen. Tritt sichere Böden geben der Herde Sicherheit, Ruhe und verhindern Unfälle bei Mensch und Tier.

5 Abkalbebox

Abkalbeboxen sollten in der Nähe des Milchraumes, gut ersichtlich und schnell auszumisten sein. Die Kuh muss auch im Liegen einen guten Kontakt zur Herde haben. Der Transfer zwischen Melkstand, Herde und Abkalbebox muss einfach und von einer Person zu bewerkstelligen sein.

6 Liegeboxen

Gegenständige Liegeboxen sollen mindestens 5,2 Meter lang und wandständige mindestens 3,2 Meter lang sein, damit die Kuh ihren nötigen Kopfschwungraum hat. In der Breite sind die Tierschutzmasse einzuhalten, entscheidend ist da vor allem die Form des Boxenbügels, damit der Bauchraum darunter genügend Platz hat.

7 Gänge

Sind Tränken in den Quergängen montiert, müssen die Gänge mindestens drei Meter breit sein, um Sackgassen zu verhindern. Querund Ausgänge sind so zu planen, dass keine Ecken oder Trichterformen gebaut werden und sich die Kühe nicht verletzen können.

8 Mistschieber

Sind Mistschieber eingeplant, sollen diese bewusst parkiert werden können, um unnötige Stolperstellen zu verhindern.

9 Tränken

Beim Ausgang des Melkstandes oder -Roboters sollte zwingend Wasser sowie genügend Platz angeboten werden. Im ganzen Stall braucht es pro zehn Kühe mindestens einen Meter Tränke. Die Tränke soll auf einem Wasserniveau von 60 cm montiert sein.

10 Kratzbürsten

Kratzbürsten sind im Laufhof zu platzieren, da sie im Stall ein Hindernis darstellen können. Der Schmutz der Kühe wird zudem besser draussen platziert, und die Sonne des infiziert die Bürste mit ihren UV-Strahlen.

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Korrekt eingestellte und eingestreute Liegeboxen sind zwingend und reduzieren den Arbeitsaufwand um ein Vielfaches.

(Bild: Martina Schmid)
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Das oberste Gebot bei einem Bau für Kühe ist es, die sechs Freiheiten der Weide in den Stall zu bringen.

(Bild: Martina Schmid)
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Hohe Wände und Mauern sind in Neubauten zu vermeiden. So wird viel mehr Übersicht erreicht und die Liegeboxen mit Licht und Luft bestückt.

(Bild: Martina Schmid)
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Vor der Baueingabe macht es Sinn, den Stallplan mit einer fachkundigen, unabhängigen Person zu besprechen.

(Bild: Martina Schmid)
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Pro Kuh ein Fressplatz ist zwingend.

(Bild: Martina Schmid)
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Sind die Kratzbürsten im Auslauf platziert, verhindert dies Schmutz und Verletzungsgefahren im Stall.

(Bild: Martina Schmid)

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